27.8.2008
Unternehmen: Höherer Umsatz, mehr Mitarbeiter und viele neue Ideen

Reiner Wesnigk und Andreas Duda
R. Wesnigk und A. Duda prüfen die neue Rundschleifmaschine.  Foto: W. Döll

Die Berolina Metallspritztechnik Wesnigk GmbH wird 60 Jahre alt und eilt im Jubiläumsjahr von Erfolg zur Erfolg.

„Wir können ohne Schweißtropfen auf der Stirn auch mit großen Konzernen verhandeln“, erklärt Reiner Wesnigk ganz ruhig und ohne Arroganz. Der Geschäftsführer der Berolina Metallspritztechnik GmbH in Hennickendorf geht immer mit klaren Vorstellungen in die Verhandlungen. „Wir können in unserer Branche jeden Auftrag bekommen, aber wir müssen nicht jeden Auftrag übernehmen.“ Nur wenn die Bedingungen stimmen, gehen Reiner Wesnigk und sein Partner Andreas Duda Zulieferverträge ein. Die Unternehmer verhandeln aus einer sicheren Position. Ihre kleine Firma gehört bei der Metallspritztechnik zu den drei besten Anbietern in Europa und weltweit zu den fünf besten Unternehmen der Branche.

Der Hennickendorfer Betrieb feiert in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen und ist trotzdem hypermodern. „Wir können unsere Position am Markt nur mit den neusten und besten Technologien halten“, sagt Reiner Wesnigk. Dazu gehört beispielsweise das Kaltgasspritzen. Weltweit gibt es dafür nur drei Anlagen. Eine davon steht in Hennickendorf. Per Gasstrahl sprüht sie Metallpulver auf Trägermaterialien. So entstehen elektrisch leitende Schichten mit bislang nicht erreichten Eigenschaften. „Nun produzieren wir damit für einen Abnehmer in Österreich Teile für einen Hightechkühlkörper“, erzählt Andreas Duda mit leuchtenden Augen.

Produkte aus Hennickendorf weltweit im Einsatz

Überwiegend deutsche Firmen und Unternehmen aus den Alpenländern gehören zu den Abnehmern der Zulieferteile aus Hennickendorf. „Mit deren Produkten gehen dann unsere Teile in die ganze Welt.“ In den vergangenen drei Jahren ist der Umsatz der kleinen Firma jeweils um rund 40 Prozent gestiegen. Der weltweite Wirtschaftsboom ist ein Grund für die ungewöhnlichen Steigerungen. Ein anderer sind die extrem gestiegenen Rohstoffpreise. „Viele Hersteller suchen deshalb nach neuen, preiswerteren und trotzdem guten Materialien für ihre Endprodukte“, sagt Reiner Wesnigk. Pumpenwellen für Schiffsdiesel wurden früher beispielsweise komplett aus sehr edlen Stahlsorten hergestellt. Jetzt setzt der Produzent andere Stahlsorten ein und lässt nur noch die besonders beanspruchten Stellen der Welle bei den Metallspritztechnikern in Hennickendorf veredeln. „Solche Umwandlungsprozesse gibt es bei vielen Herstellern, sie sind schon oder werden demnächst unsere Kunden.“

Die gute Auftragslage hat sich auch auf die Mitarbeiter der Firma ausgewirkt. In knapp zwei Jahren wuchs die Zahl der Kollegen von 25 auf 35. Außerdem haben die beiden Geschäftsführer eine Gewinnbeteiligung für die Belegschaft eingeführt. Vom monatlichen Gewinn werden 12,5 Prozent an die Mitarbeiter verteilt. „Neben dem übertariflichen Lohn erhalten sie somit pro Monat einen Zuschuss von bis zu 800 Euro“, rechnet Andreas Duda vor. Diese Methode der Mitarbeitermotivation haben sich die beiden Geschäftsführer von anderen Firmen abgeschaut. Sie hat die Arbeitseinstellung und die Leistung der Belegschaft deutlich verbessert. „Wir zahlen die Gewinnbeteiligung jetzt schon fast zwei Jahre lang und haben festgestellt, dass wir weniger Verbrauchsmaterialien und auch deutlich weniger Kupfer als früher bestellen müssen.“

Neue Wege auch bei der Nachwuchsgewinnung

Trotzdem ist es schwer, geeignete Spezialisten für das Unternehmen zu finden. Also geht die Firma auch hier einen neuen Weg. „Wir haben einen künftigen Diplom-Ingenieur schon jetzt vertraglich an uns gebunden“, erzählt Reiner Wesnigk. Der junge Mann erhält jetzt als Darlehen ein Stipendium aus Hennickendorf. „Für jedes Jahr, das er nach der Ausbildung bei uns arbeitet, werden ihm 20 Prozent vom Darlehen erlassen.“ Als die Berolina Metallspritztechnik GmbH im Jahr 2007 von der IHK und der Märkischen Oderzeitung mit dem Zukunftspreis Ostbrandenburg ausgezeichnet wurde, berichtete ein anderer Preisträger von seinen Erfolgen in der Personalbindung. Für das Hennickendorfer Unternehmen hat der Zukunftspreis also einen doppelten Wert. „Wir erhielten einmal eine öffentliche Anerkennung für unsere Leistung und bekamen von einem anderen Preisträger auch gleich noch die Anregung, wie wir künftig noch besser werden können.“

Auch wenn in den nächsten Jahren nur noch Umsatzzuwächse von fünf bis zehn Prozent erwartet werden, blickt die Firmenspitze optimistisch in die Zukunft. „Der Boom der Weltwirtschaft dauert nicht ewig, aber auch solche Zuwächse sind noch sehr, sehr gut“, erklärt Andreas Duda. Die Firma hat sich auf künftige Aufträge eingestellt und nimmt in diesem Jahr eine neue Produktionshalle mit mehreren neuen Anlagen in Betrieb. Rund 1,5 Millionen Euro wurden dafür investiert.

Zukunft der 60-jährigen Firma gesichert

Die Erfolge des Unternehmens sind auch den Mitbewerbern nicht entgangen. Einige Übernahmeinteressenten haben sich bereits in Hennickendorf vorgestellt. „Die Firma bleibt aber eigenständig und hier am Ort“, stellt Reiner Wesnigk unmissverständlich klar. Er und seine Frau haben ihre Firmenanteile einer Stiftung übergeben. Ein Verkauf oder eine Übernahme des Unternehmens sind somit nahezu unmöglich. „Ich will, dass die Kinder- und Kindeskinder meiner Mitarbeiter hier noch in der Firma in Hennickendorf arbeiten können.“
Reiner Wesnigk und Andreas Duda
R. Wesnigk und A. Duda fachsimpeln über die neue Lichtbogenmetallspritzanlage.  Foto: W. Döll

alt Wilko Döll

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