19.09.2008

Mit harter Arbeit zum Erfolg

Frank Pritzsche
Frank Pritzsche.  Foto: W. Döll

Zukunftspreisträger Frank Pritzsche hält über hundertjähriges Familienunternehmen am Markt und beschäftigt 160 Mitarbeiter.

„Früher habe ich mit einem Lastwagen die Möbelhersteller zwischen dem Thüringer Wald und der Ostsee abgeklappert und dann die Ware hier in Guben gleich von der Ladefläche weg verkauft.“ Heute ist Frank Pritzsche Inhaber und Chef von Hoffmann-Möbel. Der 52-Jährige ist ein Unternehmer im besten Sinne des Wortes. „1986 habe ich mein altes Auto verkauft und mit dem Erlös die Anteile von meiner Mutter am Familienunternehmen übernommen“, erzählt der Maschinenbauingenieur. Sein berufliches Vorleben und sein Einsatz haben ihm in der Zeit der DDR-Mangelwirtschaft sehr geholfen. Den Lastwagen hat er sich selbst aufgebaut und durch seine Handelsmethode entwickelte er ein ganz besonderes Gespür für die Kunden und deren Wünsche.

Diese Kundennähe besitzt Frank Pritzsche noch immer, sonst aber erinnert bei Hoffmann-Möbel in Guben kaum noch etwas an seine Anfänge als Möbelhändler. Sein Urgroßvater hatte 1898 das Familienunternehmen gegründet. Das Möbelkaufhaus stand damals auf der rechten Oderseite von Guben, dem heutigen polnischen Gubin. Nach dem Zweiten Weltkrieg richtete seine Mutter auf der deutschen Seite einen kleinen Möbelladen mit drei Schaufenstern ein. „In der DDR gab es kaum Ware, da brauchte auch ein Möbelhändler nur wenig Fläche“, blickt Pritzsche zurück.

Fünf Möbelhäuser aufgebaut

Heute gehören fünf Fillialen mit mehreren tausend Quadratmetern Verkaufsfläche zu Hoffmann-Möbel. „1991, also schon kurz nach der Wende, habe ich unser neues Haus am Stadtrand von Guben eröffnet.“ Später kamen ein Anbau und ein Lager in Guben hinzu. Das Geschäft mit den Möbeln lief in den ersten Nachwendejahren sehr gut. Die Leute tauschten ihre miefigen Garnituren gegen schicke Westmodelle ein, schmissen ihre alten Schrankwände raus oder richteten sich moderne Küchen ein. Hoffmann-Möbel wuchs mit den Wünschen und Bedürfnissen der Kunden mit und stieg in neue Märkte ein. „Unsere erste, über 10.000 Quadratmeter große Filiale bauten wir 1999 im Cottbuser Lausitzpark“, erzählt Frank Pritzsche. Später kamen Möbelhäuser in Elsterwerda, Frankfurt (Oder) und Hoyerswerda hinzu.

Der räumliche Ausbau des Unternehmens ist vorerst abgeschlossen. Auf den heiß umkämpften Berliner Markt will Pritzsche nicht und im südöstlichen Brandenburg ist er gut aufgestellt. „Die Struktur der Kette stimmt, hier sind Synergien zwischen den einzelnen Häusern möglich und hier ist auch die Situation an den Standorten ähnlich.“ Trotzdem ist es ein überaus schwieriger Markt. Die Arbeitslosenquote in der Region ist hoch, das Einkommen niedrig und die Fluktuation der jungen Leute groß. „Aber meine Mitarbeiter und ich kommen von hier, kennen die Leute, wissen, was ihnen gefällt und wir bieten einen guten Service“, sagt Pritzsche. Der Möbelgeschmack in der Region ist eher bodenständig. „Moderne Trends setzen sich hier nur langsam durch, viele Kunden achten bei den Möbeln mehr auf Funktionalität und bleiben beim Design eher konventionell.“

Mit Sprachkursen neue Kunden locken

Weil das Unternehmen seit Jahren mit Erfolg auf einem schwierigen Markt tätig ist, wurde Hoffmann-Möbel im Jahr 2006 von der IHK und der Märkischen Oderzeitung mit dem Zukunftspreis Ostbrandenburg geehrt. „Wir haben uns über diesen Preis sehr gefreut, sind wir doch das größte mittelständische Unternehmen in dieser Branche in Ostdeutschland“, erzählt Pritzsche. „Die Auszeichnung zeigt auch, dass wir in der Kundennähe, im Marketing und in unserer Betriebsführung vieles richtig machen und dass auch öffentlich anerkannt wird.“ Das Jahr 2006 war auch sonst sehr erfolgreich. Ein Jahr vor der Erhöhung der Mehrwertsteuer zogen die Kunden ihre geplanten Einkäufe einfach vor. Die Umsätze schnellten 2006 deshalb kräftig in die Höhe. „Dafür gab es dann im Jahr danach einen kräftig Einbruch“, klagt Pritzsche. Inzwischen aber hat sich der Markt wieder verbessert. Gegenüber dem vergangenen Jahr sind die Umsätze um zehn Prozent gestiegen.

In diesem Jahr hat der Möbelhändler besonders in Frankfurt, Guben und Cottbus eine neue Entwicklung bemerkt. „Es kommen spürbar mehr Kunden auch aus Polen zu uns“, freut sich Pritzsche. Er hat sich auf diese neue Kundschaft eingestellt. In den drei Häusern gab es polnische Sprachkurse für die Mitarbeiter und in Guben hat er eine polnisch sprechende Auszubildende eingestellt. „Noch führen diese Investitionen noch nicht zu großen Umsatzzuwächsen, aber der Anfang ist gemacht.“

Zukunft des Traditionsunternehmens gesichert

Frank Pritzsche blickt optimistisch in die Welt. Die nächsten Jahre und auch die Zukunft der Möbelkette sind gesichert. Zwei Söhne steigen demnächst mit ein und werden vorerst eine Filiale betreiben. Sie wissen, worauf sie sich eingelassen haben. Der Vater hat sie nicht gedrängt, in das Familienunternehmen einzusteigen, sie aber gründlich vorbereitet. „Autos und Reisen sind die natürlichen Feinde der Möbelhändler“, sagt er lachend. „Wir müssen unsere Kunden nur davon überzeugen, dass die Freude an neuen Möbeln länger anhält.“
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Frank Pritzsche in seinem Möbelhaus in Guben.  Foto: W. Döll

alt Wilko Döll

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