Steuerberater Jörg Bönisch Foto: W. Döll
40.000 Unternehmen suchen in Deutschland Jahr für Jahr einen neuen Besitzer.
Jörg Bönisch ist gerade erst 32 Jahre alt und denkt trotzdem fast jeden Tag über eine Firmenübergabe nach. Der Diplom-Finanzwirt unterhält in Frankfurt (Oder) ein Steuerberatungsbüro. „Für mein Unternehmen existiert schon ein Notfallplan, schließlich soll das Büro auch arbeitsfähig bleiben, wenn ich beispielsweise mal aus gesundheitlichen Gründen länger ausfalle“, erklärt der junge Mann. Regelungen für die Vertretung sowie im schlimmsten Fall auch für die Übernahme und die Fortführung hat der 32-Jährige schon getroffen. „Man kann damit nicht zeitig genug anfangen.“ Als Betreuer vieler kleiner und mittlerer Unternehmen weiß er genau, dass viele Firmenchefs die Nachfolgersuche auf die lange Bank schieben und im fortgeschrittenen Alter dann vor einem schier unlösbaren Problem stehen.„Viele erfolgreiche Unternehmer können einfach nicht loslassen“, glaubt Jörg Bönisch. „Sie haben ein ganzes Leben lang ihre Kraft, ihr Können, ihr Herzblut in ihre Firma gesteckt und halten sich dann im Alter für unersetzbar.“ Genau mit dieser Haltung aber gefährden sie die Existenz ihres Unternehmens. Der Steuerberater empfiehlt deshalb, rechtzeitig mit der Suche nach einem Nachfolger zu beginnen. „Spätestens mit 50 sollte jeder Firmenchef das Problem erkennen und planmäßig eine Lösung organisieren.“
Nachfolger in der eigenen Familie suchen
Viele Firmenchefs suchen innerhalb der Familie nach einem Nachfolger. „Die Vorzüge einer solchen Lösung liegen in der emotionalen Bindung und der Vertrautheit der Partner“, erklärt Jörg Bönisch. Alle beteiligten Seiten kennen ihre Stärken und Schwächen sowie die Firma und die Anforderungen an die Führungstätigkeit ganz genau. Andererseits wissen sie aber auch über die Sorgen oder Gewinnmöglichkeiten des Unternehmens bescheid. „Ist der Nachfolger innerhalb der Familie gefunden, sollte ein Zeitplan für die Übergabe aufgestellt werden.“ Darin muss geklärt sein, ob eine allmähliche Übergabe oder eine zu einem festen Termin erfolgen wird. Auch die Übergabemodalitäten sollten dort schon angedacht sein. Jörg Bönisch empfiehlt dafür innerhalb der Familie beispielsweise ein Gesellschaftermodell. „Die Anteile am Firmenbesitz und an der Verantwortung werden zwischen dem Inhaber und dem Übernehmenden dabei vertraglich von Jahr zu Jahr geregelt. Die Übernahme erfolgt sozusagen gleitend.“
Besteht kein Wunsch oder keine Möglichkeit der familiären Firmenübergabe sollte sich der Unternehmer rechtzeitig einen Nachfolger aufbauen. „Geeignete Kandidaten dafür gibt es im eigenen Unternehmen, bei Wettbewerbern oder auch in artverwandten Firmen“, glaubt der Steuerberater. Hat der Unternehmer einen Kandidaten gefunden, sollte er unbedingt in die Übergabepläne eingeweiht und allmählich auf die Übernahme vorbereitet werden. Sind sich beide Partner über die Nachfolge einig, ist dann sein Steuerberater der erste Ansprechpartner des Unternehmers.
Plan für Firmenübergabe aufstellen
Jörg Bönisch geht bei der Vorbereitung einer Firmenübergabe nach einem eingespielten Muster vor. „Erst höre ich mir die Idee meines Mandaten an und dann hole ich mir Partner an den Tisch, also beispielsweise einen Notar und nötigenfalls einen Rechtsanwalt.“ Gemeinsam entwickeln sie dann ein Konstrukt, wie die Übergabe der Firma erfolgen kann. Das schlagen sie dem Firmenbesitzer vor.
Der größte Stressfaktor im Prozess der Firmenübergabe ist die Bestimmung vom Kaufpreis des Unternehmens. „Hier muss sich der verkaufende Unternehmer entscheiden, ob er möglichst viel Geld erwirtschaften möchte oder ob er auch künftig die Existenz der Firma sichern will“, betönt Bönisch. Viele Firmenchefs überschätzen oft den rein materiellen Wert ihres Unternehmens und setzen einen viel zu hohen Verkaufpreis an. „Entscheidend für den Verkauf ist aber nicht der rein materielle Wert, sondern die Ertragslage des Unternehmens, schließlich muss der Käufer den Preis für den Erwerb ja auch irgendwie erwirtschaften.“ Gerade in Ostbrandenburg besteht noch ein anderes Problem. Das Eigenkapital ist bei vielen Unternehmern gering, sie sind also auf die Hilfe von Banken angewiesen. Die aber schauen sehr genau auf den Kaufpreis einer Firma und die zu erwartenden Gewinne. „Kompromisse und Feingefühl sind also zwischen Verkäufer und Käufer eines Unternehmens nötig.“
Kompromisslösungen sind gefragt
Ein allgemeines Musterbeispiel für eine Firmenübergabe aber gibt es nicht, weil die jeweilige Situation immer von der wirtschaftlichen Lage der Firma und den Interessen des Verkäufers und Käufers abhängen. „Was zivilrechtlich schön und sinnvoll erscheint, hat steuerlich oftmals einen Makel und umgekehrt“, erklärt Jörg Bönisch. Alle Beteiligten müssen deshalb gemeinsam nach einer Kompromisslösung suchen, die von allen mitgetragen werden kann. So könnten beispielsweise nur rentabel arbeitende Bereiche einer Firma verkauft und die anderen aufgelöst werden. Mitunter ist auch eine Ratezahlung des Kaufpreises sinnvoll, weil nur so die Existenz der Firma gesichert wird und der alte Eigentümer trotzdem einen Erlös erhält. Auch über den Termin des Eigentümerwechsels müssen die Beteiligten genau nachdenken. „In einem guten Geschäftsjahr macht es aus steuerlicher Sicht wenig Sinn, auch noch einen Veräußerungsgewinn zu erzielen. Den sollte der Verkäufer dann doch in das nächste Jahr oder vielleicht in seine Zeit als Rentner legen“, meint Steuerberater Jörg Bönisch.
Wilko Döll

