Christa Laskowski und Miriam Freiberg bei der Ausbildung Foto: W. Döll
Die Telekommunikation boomt in Ostbrandenburg. Seit Herbst bietet die Branche erstmals auch eigene Ausbildungsberufe an.
„Der eigentliche Umgang mit den Kunden macht am meisten Spaß, das ist viel spannender als die theoretische Ausbildung an der Berufsschule“, sagt Miriam Freiberg. Sie setzt sich ihr Headset auf, blickt auf ihren Computerbildschirm und nimmt den nächsten Anruf entgegen. Die 18-Jährige gehört zu fünf jungen Leuten, die seit dem vergangenen Herbst bei der telegate AG in Schwedt zur Servicefachkraft für Dialogmarketing ausgebildet werden.„Unser Unternehmen hat eine Vorreiterrolle bei der Einführung dieses neuen Ausbildungsberufes gespielt“, erklärt Niederlassungsleiterin Christa Laskowski. An ihrem Standort und an fünf weiteren Orten in Deutschland hat telegate insgesamt 30 Lehrstellen für den neuen Beruf geschaffen. Die Telekommunikationsbranche boomt in Deutschland, bislang aber mussten die Firmen Mitarbeiter aus anderen Berufszweigen einstellen und dann selbst anlernen. „Jetzt aber erhalten Berufseinsteiger eine solide Grundausbildung für die Arbeit im Call-Center.“
Zweijährige Ausbildung
Bewerber für den neuen Ausbildungsberuf sollten einen ordentlichen Abschluss der 10. Klasse sowie gute Noten in den Fächern Deutsch, Geographie und Englisch besitzen, über eine solide Allgemeinbildung und freundliche Umgangsformen verfügen sowie Spaß am Umgang mit Menschen haben. Zwei Jahre dauert die Ausbildung. Der theoretische Teil erfolgt wochenweise an der Berufsschule in Frankfurt (Oder), die praktische Ausbildung gibt es direkt bei telegate in Schwedt.
Die fünf Ausbildungsplätze waren in der Uckermark schnell vergeben. „Ich hatte Glück, aber auch die Aufnahmetests gut bestanden“, freut sich Miriam Freiberg, die aus einem Dorf bei Prenzlau zur Ausbildung nach Schwedt zog. Sie kommt mit der Ausbildung gut klar, nur das Fach Englisch bereitet ihr Probleme. Damit ist sie aber kein Einzelfall. „Leider sind die Englischkenntnisse bei vielen Brandenburger Schulabgängern nicht gut“, klagt Christa Laskowski. Das Unternehmen bietet deshalb neben der eigentlichen Lehrausbildung auch noch zusätzliche Englischstunden an. Auch mit dem freien Sprechen haben einige junge Leute nach ihrem Schulabschluss noch Probleme.
Kommunikation Schwerpunkt der Ausbildung
Die aber werden mit der soliden Ausbildung bei telegate schnell abgestellt. „Die richtige Gesprächsführung ist ein Schwerpunkt unserer Ausbildung“, erklärt die Niederlassungsleiterin. Dabei stehen die Kundenbetreuung und -bindung im Mittelpunkt. Zum Kommunikationstraining gehört aber auch der Umgang mit Stress. Außerdem lernen die künftigen Servicefachkräfte für Dialogmarketing auch, wie sie mit aggressiven oder ständig nörgelnden Kunden umgehen, ohne sie zu verlieren.
„Ja, solche Leute hatte ich auch schon am Ohr, aber dann muss ich trotzdem freundlich bleiben und versuchen, sie zu beruhigen“, erzählt Miriam Freiberg. Sie würde nach der Ausbildung gern dauerhaft bei telegate in Schwedt arbeiten oder vielleicht auch ein Jahr länger lernen und sich dann zur Kauffrau für Dialogmarketing qualifizieren. „Wenn die Leistung stimmt, bieten wir unseren Auszubildenden auch einen Arbeitsplatz an, schließlich haben wir ja mit der Berufsausbildung angefangen, weil wir unsere eigene Truppe stärken und unsere Marktpositionen ausbauen wollen“, sagt Christa Laskowski.
Die telegate AG besteht seit 1996 und gehört inzwischen zu den führenden Anbietern von Auskunfts- und Call-Center-Dienstleistungen in Europa. 2.600 Mitarbeiter sind europaweit für das Unternehmen tätig, rund 200 davon in Schwedt. Im Auskunftsgeschäft ist das Unternehmen in Deutschland die Nummer zwei hinter der Telekom. Mit der bekannten Rufnummer 11 88 0 hat telegate einen Marktanteil von über 30 Prozent erreicht. Im Jahr 2005 hat das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 150 Millionen Euro erzielt.
Miriam Freiberg wird Servicefachkraft für Dialogmarketing Foto: W. Döll
Wilko Döll

