21.12.2006
Unternehmen: Enertrag feiert Erfolge mit eigenem Netz

Müller
Enertrag-Vorstand und Firmenmitgründer Jörg Müller.

Mit Windstrom aus der Uckermark den Zukunftspreis gewonnen.

Ostbrandenburg hat erfolgreiche und kreative Mittelständler. Mit ihren Geschäfts-ideen und international marktfähigen Produkten stärken sie die Region. Für die Jugend bieten sie Chancen im Land zu bleiben. Zu ihnen gehören die zehn Preisträger des von der MOZ und der IHK Frankfurt (Oder) ausgelobten Zukunftspreises Ostbrandenburg. Wir stellen sie in einer Serie vor. Heute Teil I: die Enertrag AG.

Spitzentechnologie aus dem Nirgendwo

Dauerthal (MOZ) Nördlich von Prenzlau liegt Dauerthal. Zehn Häuser, mehr nicht. „Vielleicht 40 Einwohner“, so genau weiß das selbst Stefan Wagner nicht und der arbeitet hier. Dass es am und im ehemaligen Gutshof am Dorfrand neben reichlich Natur auch Spitzentechnologie aller erster Güte gibt, kann man als Außenstehender kaum glauben. Stefan Wagner klärt auf.
Kaum über dreißig Jahre alt gehört der studierte Politologe als Unternehmenssprecher zur derzeit 125-köpfigen Mannschaft der Enertrag. 80 arbeiten in der Uckermark, 45 deutschlandweit sowie in Frankreich und Groß-britannien. Hinzukommen fünf Auszubildende. Das Unternehmen ist international aufgestellt und gehört mit zu den größten Betreibern von Windkraftanlagen in Deutschland. Seine Chefs sind Mitte vierzig. Sie haben das Unternehmen aus der Taufe gehoben und die Enertrag zu dem gemacht, was sie heute ist.
Eine in der Region verwurzelte Firma mit internationalem Anspruch.
Vorstand und Firmenmitgründer Jörg Müller ist Sachsen-Anhaltiner und hat in Moskau Kernkraftwerksbau studiert. Mit dem Aufbau der Uckerwind Ingenieurgesellschaft legte er den Grundstein für die heutige Enertrag, die gegenwärtig daran forscht, Windkraft „grundlastfähig“ zu machen, wie Experten sagen. Gegenwärtig muss für jedes Kilowatt Windkraft ein Kilowatt bei einem konventionellem Kraftwerk gebaut werden, um die Stromversorgung zu jeder Zeit zu sichern. Wind ist eben nicht kontinuierlich vorhanden. Gelingt es, betriebswirtschaftlich Windstrom zu speichern, wäre das ein Technologiesprung. Neben dieser Entwicklungsarbeit kümmert sich Geschäftsführer Werner Diwald
um das Kaufmännische.

Was ist wichtiger - Ästhetik oder Effizienz?

Auch das läuft dank des Erneuerbaren Energien-gesetzes, das Windenergie subventioniert. Trotzdem gibt es Akzeptanzprobleme in Teilen der Bevölkerung. Die Riesen-Windkraftanlagen in der Landschaft der Uckermark finden manche nicht schön. Auf der anderen Seite bringt Enertrag Steuern und Arbeitsplätze in die strukturschwache Region. Davon erhofft sich auch Landwirt Harald Ficht-ner aus Kleisthöhe ein zweites Standbein als Energiewirt. Das Modell ist beispielhaft. Die Enertrag liefert die Biogasanlage und übernimmt die Betriebsführung. Harald Ficht-ner bringt Mais und Roggen von 300 Hektar Anbaufläche. Für Fichtner, der seit der Wende selbstständig ist und mit Frau Birgit und zehn weiteren Beschäftigten 1600 Hektar Land bearbeitet, ist das ein gutes Unternehmenskonzept, auch weil Enertrag ein starker und verlässlicher Partner ist.
Mit dem Geschäftsmodell der Biogasanlagen, das die Landwirte der Uckermark langfristig zu Energiewirten macht, fördert der Windenergieerzeuger nicht nur Akzeptanz, sondern bringt auch mehr Geld als bisher in die Region. Davon zeugen recht imposante Zahlen: 500 Megawatt (MW) hat Enertrag am Netz. So groß ist ein Block im Vattenfall-Braunkohlekraftwerk Jänschwalde (Spree-Neiße). Zudem ist die Firma Technologieführer in der Branche.

Internationalität an oberster Stelle

Enertraganlagen werden auf Land wie auf See automatisch gesteuert. Das Unternehmen verfügt einmalig in Europa über ein 110 Kilometer langes eigenes Erdkabel-Netz in der Uckermark mit entsprechenden Umspannwerken, über die heute problemlos Windstrom ins Vattenfall-Höchstspannungsnetz  eingespeist wird.
Die 500 MW kommen derzeit aus 342 Windkraftanlagen, die wiederum eine Milliarde Kilowattstunden Strom im Jahr liefern. Das reicht, um den Jahresbedarf von 300 000 Haushalten oder einer Million Menschen zu decken. Zudem: Die Anlagen sind über Europa verteilt. Sie stehen in Deutschland, in Frankreich und in Großbritannien. Mit Bougainville in der Picardie besitzt die Enertrag seit 2005 drei Windfelder in Nordfrankreich. Und die Entwicklung geht weiter. Weitere 196 Anlagen sind im französischen Ärmelkanal geplant, die jährlich vier Milliarden Kilowattstunden Elektroenergie erzeugen.
Auch in England hat das Unternehmen Fuß gefasst. Der Jahresumsatz beträgt 250 Millionen Euro, und bis dato wurden etwa 730 Millionen Euro investiert. Jährlich fließen aus dem Unternehmensgewinn etwa 900 000 Euro an Steuern in die Kommunen der Uckermark. Die Summe könnte sich noch erhöhen, wenn die Investitionskosten eingefahren sind.

alt Hans-Georg Wackwitz

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