23.03.2009
Blickpunkt: Ludwig Georg Braun: Acht Jahre erfolgreicher Einsatz an der DIHK-Spitze

Braun, Ludwig Georg
Ludwig Georg Braun.  Foto: DIHK

DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben blickt auf die Präsidentschaft zurück.

Nach acht Jahren erfolgreicher Amtszeit legt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, satzungsbedingt sein Amt nieder.

"Das Jahrhundert der Frau – Die ungewöhnlichen Ansichten des neuen DIHT-Chefs Ludwig Georg Braun“, schrieb die Berliner Morgenpost am 15. Februar 2001. Lange vor anderen in der Wirtschafts- und Verbandswelt  brachte er die Themen  Familie und Beruf, Kinderbetreuung und frühkindliche Förderung auf die Agenda. Heute, acht Jahre später, sind die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Förderung von Innovation und Forschung und die Forderung nach einer besseren Bildungspolitik fester Bestandteil politischer Arbeit aller demokratischen Parteien. Das sind nur einige der großen Verdienste, die Ludwig Georg Braun sich in seiner DIHK-Präsidentschaft erworben hat.

Vater des Ausbildungspaktes

„Welchen Beitrag leisten wir für zusätzliche Ausbildungsplätze?“ Mit diesem Satz wurde Braun der Vater Ausbildungspaktes. Gegen alle Skepsis unterzeichnete er mit den damaligen Bundesministern Wolfgang Clement und Edelgard Bulmahn im Jahr 2004 die Übereinkunft zur Erhöhung der Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen. Der Erfolg ist beispielhaft: Seit Beginn des Paktes konnte die Zahl der Neuverträge um etwa 20 Prozent gesteigert werden.

Mit unermüdlichem Einsatz hat Braun auch für eine Reform der Erbschaftsbesteuerung gekämpft. Selbst wenn Koalitionszwänge das zum Jahresende 2008 gefundene Kompromissergebnis erkennbar prägen, hat der DIHK-Präsident doch eine wesentlich schädlichere Lösung mit verhindern können. Gestritten hatte er für eine einfache Steuer mit niedrigem Satz und wenigen Ausnahmen.

Beharrlich war sein Einsatz für die erleichterte Beschäftigung ausländischer Fachkräfte. Bereits im Oktober 2003 warnte Braun vor der Abwanderung qualifizierter Fachkräfte. Doch erst als im Jahr 2005 über 140 000 – und damit so viele Deutsche wie noch nie seit 1954 – das Land verließen, wachten Politik und Teile der Gesellschaft auf. Es ist nicht zuletzt Brauns unermüdlichem Wirken in dieser Sache zu verdanken, dass die Regierung entschieden hat, ausländischen Absolventen deutscher Hochschulen nach Abschluss ihres Studiums die Aufnahme einer Beschäftigung hierzulande zu erleichtern – angesichts des wachsenden Fachkräftemangels ein wichtiges Ergebnis.

Glaubwürdiger Familienunternehmer

Nicht nur auf die Politik warten, sondern bei sich selber anfangen, lebte Braun als Chef eines international tätigen Unternehmens, der B. Braun Melsungen AG, vor. Er verkörpert im besonderen Maße den „ehrbaren Kaufmann“. Als global agierender Unternehmer ist er dennoch dem Standort Deutschland treu. Sein Einsatz für bessere Rahmenbedingungen und für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schlägt sich auch in seinen Unternehmen nieder: Seine an den verschiedenen Standorten geschlossenen Zukunftssicherungsverträge beweisen Kreativität trotz tariflicher Zwänge. Gleichzeitig bietet die B. Braun Melsungen AG seinen Beschäftigten Lösungen für verschiedene Lebenssituationen. Zum Beispiel ermöglicht das Angebot der Familienteilzeit, Berufstätigkeit und familiäre Aufgaben miteinander in Einklang zu bringen.

Internationaler Einsatz

In seiner Funktion als DIHK-Präsident hat sich Braun besondere Verdienste durch seinen großen Einsatz für die europäische Integration, für eine innovationsfreundliche Rechtsetzung auf europäischer Ebene sowie für die Förderung effizienter Energienutzung erworben. Dem überzeugten Europäer Braun war es ein besonderes Anliegen, die Schlagkraft der IHK-Organisation in Brüssel zu erhöhen – zugunsten der deutschen Unternehmen.

Bei zahlreichen Jubiläen der Auslandshandelskammern überraschte der Weltbürger Braun die Anwesenden mit einer Festrede in der jeweiligen Landessprache. Nicht nur seine unternehmerisches Engagement in Lateinamerika, sondern vor allem seine persönliche Affinität zu dieser Region haben ihm als Vorsitzendem der Lateinamerika Initiative der deutschen Wirtschaft (LAI) eine besondere Glaubwürdigkeit verliehen.

Darüber hinaus hat Braun die internen Veränderungsprozesse des DIHK mit gestaltet: Mit dem vom ihm vorangetriebenen Beschluss, das kaufmännische Rechnungswesen einzuführen, wurde eine entscheidende Grundlage für die Gesundung und Konsolidierung der DIHK-Finanzen gelegt. Der DIHK erstellt seit dem 1. Januar 2002 handelsrechtliche Einzel- und Konzernabschlüsse. Finanzen sind Vertrauenssache! Mit der neu geschaffenen  Transparenz, Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit der DIHK-Finanzen wurde ein Fundament für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den IHKs und deren Mitgliedsunternehmen gelegt. Wichtige Impulse leistete Braun zudem beim Umstieg auf ein modernes, beitragsfinanziertes Altersvorsorgemodell.

Ludwig Georg Braun war in den letzten acht Jahren gefragter Gesprächspartner von Politik, Verbandsvertretern und Gewerkschaftern. Seine Integrität sowie sein Wille, zu pragmatischen Lösungen zu gelangen, haben dabei die Gespräche geprägt. In Interviews wählt Braun gern klare Worte. So wundert es nicht, dass die Berliner Morgenpost schreibt: „Dieser Mann wird niemals in Sabine Christiansens Talksendung auftreten. Denn dem neuen DIHT-Präsidenten Ludwig Georg Braun ist der Sonntag heilig.“ Daran vermochte auch Anne Will bis heute nichts zu ändern.

alt Martin Wansleben, DIHK-Hauptgeschäftsführer

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