Der Flugplatz Strausberg hat sich zu einem gefragten und modernen Verkehrslandeplatz entwickelt.
„40 000 Flugbewegungen hatten wir im vergangenen Jahr hier bei uns auf dem Platz.“ In der Stimme von Michael Pestel liegt ein stolzer Unterton. „In Brandenburg gab es nur in Schönhagen mehr Starts und Landungen“, fügt der Betriebsleiter der Strausberg Flugplatz GmbH hinzu. Der Verkehrslandeplatz am Rande der Stadt wird von den Geschäfts- und Hobbypiloten gern angeflogen. „Die gewerblichen und die privaten Flieger bilden jeweils zur Hälfte unseren Kundenstamm.“ Sieben Mitarbeiter kümmern sich um den Flugbetrieb.Schon 1927 wurde in Strausberg das erste Flugfeld angelegt. „Damals waren hier noch Segelflieger aktiv“, sagt Pestel. 1935 übernahm das deutsche Militär den Platz, später wurde er von der Sowjetarmee und dann der Nationalen Volksarmee genutzt. Der Flugplatz lag direkt neben dem Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR. „Hier war die Verbindungsfliegerstaffel 14 der NVA stationiert und die war überwiegend für die Generalitäten im Einsatz.“ Heute starten und laden nur noch zivile Flugzeuge, Hubschrauber, Luftschiffe oder Ballone auf dem Flugplatz Strausberg.
Erweiterung geplant
Im Sommer ist der Verkehrslandeplatz von 8 bis 20 Uhr für den Sichtflug geöffnet. Flugzeuge mit einer Abflugmasse von acht Tonnen dürfen starten und landen. Demnächst soll der Platz erweitert werden. „Wir wollen die Landebahn von 1200 auf 1650 Meter verlängern“, erklärt der Betriebsleiter. Somit können künftig bis zu 14 Tonnen schwere Flugzeuge Strausberg anfliegen. Der Planfeststellungsbeschluss für die Erweiterung liegt schon vor. Außerdem soll auf dem Platz ein GPS-basiertes Instrumentenlandesystem installiert werden. Zum Sichtflug käme dann noch der Instrumentenflug hinzu. Schon jetzt verfügt die Landebahn auch über eine Befeuerung. Nach Anforderung kann sie somit auch im Dunkeln für Starts und Landungen genutzt werden.
Mit den Erweiterungen will sich der Flugplatz Strausberg auf die veränderten Bedingungen für die Fliegerei in Berlin und Brandenburg einstellen. „Der Flughafen Berlin-Tempelhof wurde schon geschlossen und steht für die gewerbliche und die Sportfliegerei nicht mehr zur Verfügung“, sagt Michael Pestel. Die Besitzer kleinerer Maschinen mussten sich neue Standorte suchen. Nach dem Bau des Großflughafens BBI in Schönefeld wird dann auch in Berlin Tegel der Flugbetrieb eingestellt. „Schönefeld aber ist für die kleinen Flieger überhaupt keine Alternative, denn auf dem Großflughafen steht der Verkehrsflug im Vordergrund, da stören die kleinen Flugzeuge nur.“
Auf Kundenansturm vorbereitet
Strausberg aber ist für den Kundenzuwachs aus Berlin gut gerüstet. Die Straßen zum Flugplatz sind ausgebaut, ein S-Bahnhof liegt in der Nähe, Empfangsgebäude, Tower und Flugplatzanlagen sind modern und gepflegt. Ein Fliegerhorst im alten NVA-Tower steht zur Übernachtung bereit, Restaurant und Flugplatzmuseum warten auf Besucher. Dazu gibt es am Rand des Flugplatzes mehrere Gewerbebetriebe aus dem Bereich der Fliegerei. Das Spektrum reicht dabei von der Flugschule, über gewerbliche Flieger bis hin zum Hersteller von Hochleistungssegelflugzeugen. Auch Hangars für die Unterbringung von privaten Flugzeugen sind vorhanden. „Wir blicken optimistisch in die Zukunft und sind bereit für die Piloten, die sich eine neue Basis suchen müssen“, betont Michael Pestel.
Viele Flieger haben bereits den Weg nach Strausberg gefunden. Zu den Besuchern gehören inzwischen auch Gäste aus der weiten Welt. Anfang April kam der berühmte Regisseur Roman Polanski mit seiner Filmcrew nach Strausberg. Auf dem Flugplatz drehte er mit Pierce Brosnan wichtige Szenen für seinen nächsten Film.
M. Pestel im Strausberger Tower. Foto: W. Döll
Wilko Döll

