Das Energieunternehmen bilanzierte in Oldenburg und Strausberg das schwierige Jahr 2008.
„Das vergangene Geschäftsjahr war ein in jeder Form ungewöhnliches Jahr“, sagte Dr. Werner Brinker, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Oldenburg. Bild und Ton der Bilanzveranstaltung wurden per Internet auch nach Strausberg, dem Leitungssitz der Geschäftsregion Brandenburg/Rügen, übertragen. „Gemessen an den Rahmenbedingungen können wir mit dem Jahresergebnis 2008 zufrieden sein.“ Der Rohölpreis kletterte zeitweise auf einen Tageswert von über 140 Dollar pro Barrel und lag am Jahresende bei etwa 50 Dollar. „Solche Preisdifferenzen innerhalb eines halben Jahres hat es noch nie gegeben“, betonte Brinker.Sinkender Strom- und steigender Erdgasabsatz
Die stark gestiegenen Beschaffungskosten für Strom und Erdgas wirkten sich direkt auf das Betriebsergebnis aus. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf jetzt 5,3 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) aber ging um fünf Prozent auf 422,9 Millionen Euro zurück. Die Produktionsrückgänge in der Automobilindustrie sowie der Holz- und Papierindustrie im vierten Quartal und der sinkende Verbrauch der privaten Haushalte sorgten bei der EWE AG für einen rückläufigen Stromabsatz. Gegenüber dem Vorjahr wurden sieben Prozent weniger Strom verkauf. „Die kühle Witterung und das Neukundengeschäft führten beim Gasabsatz aber zu einem Plus von acht Prozent“, bilanzierte der EWE-Vorstandsvorsitzende.
Erfreulich entwickelt hat sich bei der EWE AG das Auslandsgeschäft. In der Türkei wurden die Anteile am Erdgasversorger Kayserigaz erweitert, im Herbst sollen dort und bei Bursagaz weitere Anteile hinzugekauft werden. „Auch in Polen, wo wir seit 1999 aktiv sind, laufen Gespräche zum Ausbau des Geschäftes“, sagte Dr. Werner Brinker. Im Bereich der Telekommunikation konnte das Unternehmen die Zahl der Kunden um 21 Prozent erhöhen. Immerhin 671 000 Menschen werden von der EWE inzwischen auch mit Telekommunikationsdienstleistungen betreut.
Konjunkturschwäche beeinflusst Jahresstart
Die Konjunkturschwäche hat bei der EWE AG den Beginn des Jahres deutlich beeinflusst. Der Stromverbrauch ging bei allen Abnehmern zurück. Der strenge Winter führte allerdings zu einem erhöhten Verbrauch beim Erdgas. Allein die Haushalte bezogen im ersten Quartal 2009 zehn Prozent mehr Erdgas als im Jahr davor. Langfristig gesehen rechnet die EWE AG aber mit einem rückläufigen Erdgasabsatz. Immerhin sank in den vergangenen zehn Jahren der Durchschnittsverbrauch der EWE-Erdgaskunden um 24 Prozent. „Neue Brenntechnik und immer bessere Isolierungen der Häuser führen auch zu einem sinkenden Energieverbrauch, denn unsere Kunden handeln auch sehr preisbewusst“, erklärt der EWE-Vorstandsvorsitzende. Für das laufende Jahr erwartet das Unternehmen einen leichten Anstieg beim Umsatz und auch beim Gewinn. Beim Energieverkauf, besonders beim Strom, geht EWE von einem rückläufigen Absatz aus. Allerdings kann hier das Auslandsgeschäft für einen teilweisen Ausgleich sorgen.
Regionale Ergebnisse werden im Sommer vorgestellt
Die Ergebnisse für den Geschäftsbereich Brandenburg/Rügen wurden bei der Vorstellung der Jahresbilanz noch nicht genannt. Sie sollen im Sommer auf einer besonderen Veranstaltung in Strausberg vorgestellt werden. „Wir haben in der Region beim Erdgas inzwischen einen Versorgungsgrad von 85 Prozent erreicht und beliefern rund 169 000 Kunden“, sagte Dr. Ulrich Müller, Leiter der EWE-Geschäftsregion Brandenburg/Rügen, nach der Videokonferenz in Strausberg. In diesem Jahr werde EWE in der Region rund 15 bis 17 Millionen Euro investieren. Das Geld fließt unter anderem in den Ausbau des Erdgasspeichers bei Rüdersdorf. Trotz Wirtschaftskrise will das Unternehmen in Brandenburg und Rügen auch künftig seine Sponsor- und Spendentätigkeit fortsetzen. „Wir stehen zur Region“, betonte Dr. Ulrich Müller.
P. Stanislav, Leiterin Marketing in Strausberg, und Dr. U. Müller, Leiter der EWE-Geschäftsregion Brandenburg/Rügen. Foto: W. Döll
Wilko Döll

