23.2.2007
Blickpunkt: Berliner Umlandgemeinden suchen ihren Platz

Jüttner, Heinrich
Heinrich Jüttner, Bürgermeister in Schöneiche  Foto: Th. Kunze

Beim ersten Unternehmerstammtisch diskutierten Unternehmer und Vertreter aus elf Gemeinden über Möglichkeiten und Hindernisse der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung.

Die Unternehmer und Kommunalvertreter von Schöneiche und Umgebung sind noch immer sauer auf die Landesregierung. Das östliche Umland von Berlin wurde nämlich aus ihrer Sicht bei der Umstrukturierung der Wirtschaftsförderung im Land vergessen. Die Höchstförderung gibt es nur noch für die so genannten Wachstumskerne. Die Gemeinden im Speckgürtel von Berlin gehören nicht dazu. „Das ist ein Unding. In unseren elf Kommunen leben 150.000 Menschen, die Region ist vergleichbar mit der Landeshauptstadt Potsdam“, schimpft Heinrich Jüttner beim Unternehmerstammtisch. Die IHK Frankfurt (Oder), der Mittelstandsverein Schöneiche und die Gemeinde selbst diskutierten dabei mit Unternehmern über die Zukunft des östlichen Berliner Umlands.

Die Nichtanerkennung als Wachstumskern hat der Region trotzdem einen Vorteil gebracht. „Die Gemeinden sind enger aneinandergerückt und arbeiten nicht mehr gegen-, sondern miteinander“, sagt Jüttner. Gemeinsam wurde eine Entwicklungskonzeption für das östliche Berliner Umland entwickelt. Die Region will ein attraktiver Standort für Wirtschaft, Bildung und Gesundheit sein. Zusammen wollen Erkner, Rüdersdorf, Schöneiche und die anderen Gemeinden ein Verkehrskonzept und ein Leitbild für die Region entwickelt.

Selbstbewusster auftreten

Beim ersten Unternehmerstammtisch wurde über die Bereiche Arbeit und Bildung diskutiert. „Wir haben doch etwas vorzuweisen“, machte ein Unternehmer seinen Kollegen Mut. „Die Landschaft ist toll, Berlin mit vielen potentiellen Kunden liegt vor der Haustür und die Unternehmen von hier sind leistungsfähig. Es gibt genug Gründe, als Region optimistisch und selbstbewusst aufzutreten.“ Andere Redner mahnten an, sich mehr um die Jugend der Region zu kümmern. Es sollten nicht viele Berufsmessen, sondern eine qualitativ hochwertige angeboten werden, an der sich möglichst viele Unternehmen beteiligen. Eine Schuldirektorin wünschte sich mehr Kontakt von den Firmen zu ihrer Schule, so könnte das Verständnis für die Wirtschaft verbessert werden und auch die Schüler für eine künftige berufliche Tätigkeit in der Region gewonnen werden.

„Wir müssen unsere Jugend besser einbeziehen, sie viel mehr über die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Region informieren“, forderte Reiner Clement vom Mittelstandsverein Schöneiche. Er hat eine widersprüchliche Entwicklung in seinem Ort festgestellt. „Von den 80 Ausbildungsplätzen in Schöneiche, sind die meisten von Pendlern besetzt. Aber 90 Prozent der 200 Jugendlichen des Ortes erlernen außerhalb von Schöneiche ihren Beruf.“ Die Firmen im östlichen Umland von Berlin  benötigen aber ebenfalls guten Nachwuchs. Hier bot Ulrich Lehmann vom Bereich Berufsbildung der IHK Hilfe an. „Die Kammer unterhält auf der Internetseite www.ihk-ffo.de eine Lehrstellenbörse, hilft den Unternehmen mit dem Bewerbercheck bei der Auswahl und organisiert auch viele Berufsorientierungsveranstaltungen.“

Stärken besser ausspielen

„Unsere Region hat eine Chance, wenn wir unsere Stärken ausbauen und die Schwächen verringern“, sagte Schöneiches Bürgermeister Heinrich Jüttner. Das östliche Berliner Umland verfügt über innovative und international agierende Firmen und besitzt ein großes Gewerbeflächenpotential. Außerdem ist die Papierbearbeitung ein Branchenschwerpunkt der Region. Allerdings gibt es nur wenige große Firmen, die meisten Unternehmen haben nur drei bis acht Mitarbeiter. „Außerdem haben wir einen Pendlerüberschuss. Es fahren mehr Leute von hier nach Berlin zur Arbeit, als umgekehrt.“

Zwei Stunden lang haben Unternehmer, Kommunalpolitiker und IHK-Vertreter auf dem ersten Unternehmerstammtisch in Schöneiche über das östliche Berliner Umland diskutiert. Nicht alle Möglichkeiten und Sorgen der Region wurden dabei schon behandelt. Einige Themen wurden angerissen, andere noch gar nicht angesprochen. „Die Diskussionsrunden sollen deshalb fortgesetzt werden“, versprach Klaus Kröpelin von der IHK. „Wenn Unternehmen und Kommunen gemeinsam die Entwicklung der Region forcieren, hat das östliche Berliner Umland eine gute Zukunft vor sich“, resümierte der Moderator des Abends.
Clement, Reiner
Reiner Clement vom Mittelstandsverein Schöneiche  Foto: Th. Kunze

alt Wilko Döll

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.
Um einen neuen Kommentar zu schreiben, können Sie sich als registrierter Benutzer hier einloggen.
Falls Sie noch keinen Login haben, können Sie sich hier registrieren.
Wirtschafts-TV FORUM TV News FORUM Newsletter