26.02.2007
Unternehmen: Lindenberg spielte Schicksal

Pritzsche, Frank
Als Mittelständler erfolgreich: Frank Pritzsche, Geschäftsführer der Hoffmann-Möbel GmbH.  Foto: GMD/G. Freitag

Nach Haft und Karriereknick in der DDR handelte Frank Pritzsche mit Möbeln. Heute führt er ein Unternehmen - und ist Gewinner des Zukunftspreises Ostbrandenburg.

Dass sich die Geschmäcker zwischen Ost und West immer noch unterscheiden, könne man auch am Möbelgeschmack erkennen. Insbesondere aber an der Farbwahl, ist sich Frank Pritzsche sicher. Er erklärt, warum die Westdeutschen eher Blau wählen, die Ostdeutschen aber Grün bevorzugen: „Blau steht für Selbstbewusstsein, Grün dagegen für Harmoniebedürftigkeit“, so der Möbelspezialist sicher.

Ehrgeiz entwickelt

Zu seinem jetzigen Beruf ist Pritzsche aber nur per Zufall gekommen. Oder durch das Schicksal. Sozusagen mit dem „Sonderzug nach Pankow“. Denn dieser Song wurde ihm Anfang der 1980er Jahre zum Verhängnis. Auf Partys spielte der Hobby-DJ Udo Lindenbergs DDR-kritisches Lied. Dies machte die DDR-Behörden auf ihn aufmerksam und eine Haft war die Folge. „Im Ingenieurbetrieb war ich von da an natürlich unten durch“, sagt er heute. Da spielte es auch keine Rolle, dass er nach knapp drei Wochen wieder rauskam.
Heute ist Frank Pritzsche Geschäftsführer eines der erfolgreichsten brandenburgischen Möbelhäuser mit Sitz in Guben. Möbel Hoffmann hat außerdem Filialen in Cottbus, Elsterwerda, Hoyerswerda und Frankfurt (Oder). In den Häusern arbeiten insgesamt etwa 160 Mitarbeiter, davon sechs Auszubildende. „Vor diesem Zwischenfall hätte ich nicht gedacht, einmal Ehrgeiz für das Möbelhaus zu entwickeln“, sagt er. Denn zunächst hatte Frank Pritzsche einen ganz anderen beruflichen Weg eingeschlagen. Nach Abitur und Studium arbeitete er als Maschinenbauingenieur. Die Konsequenz der Haft war aber eine berufliche Umorientierung. Pritzsche fing an, im Familienbetrieb mitzuarbeiten. Heute ist er im Möbelhaus in vierter Generation tätig.

Bereits in der DDR privat

Die Unternehmensgründung geht bereits auf seinen Urgroßvater Adolf Hoffmann zurück, der als Tapeziermeister 1898 im heutigen polnischen Teil Gubens seine Werkstatt mit Verkaufsfläche eröffnete. Nach den beiden Weltkriegen baut Pritzsches Großvater das Unternehmen zweimal wieder auf; zuletzt 1947 im deutschen Teil der nun geteilten Stadt Guben. Der Großvater konnte sich erfolgreich dem Einfluss der DDR-Behörden entziehen und war damals einer von nur zwei privaten Möbelhändlern im Bezirk Cottbus.
„In den 1980er Jahren hatten wir nichts als eine gähnende Leere in den Schaufenstern“, sagt Pritzsche. Deshalb besuchte er, als er das Haus 1986 von seiner Mutter übernahm, zunächst eifrig die Leipziger Messe, um Kontakte zu knüpfen. Kurz darauf fuhr er mit seinem Lkw durch die gesamte sozialistische Republik auf der Suche nach Möbeln. Meist waren das Möbel zweiter Wahl oder Restexemplare. „Aber man war damals froh, mit diesem Laden überhaupt etwas für die Bevölkerung zu bekommen“, sagt er. Die Fahrten wurden jedes Mal zu einem großen Erfolg. „Als der Lkw nach Guben zurückkam, wurde die Ware praktisch schon auf der Straße verkauft“, berichtet der Familienvater.

Der größte Erfolg  

Kurze Zeit später folgte der Mauerfall. Die Wende sah Pritzsche als einen Schritt in die Freiheit und als berufliche Herausforderung. „Die Hoffnung war, sich in einer Marktwirtschaft besser präsentieren zu können“, sagt er. Das Haus in Guben wurde neu gebaut, die Expansion ins Umland folgte. „Erfolg ist von Anfang an in Bilanzen gemessen worden“, ist sich Pritzsche sicher. „Und die sind bei uns immer steigend gewesen.“ Heute stehe das Unternehmen deshalb besser da denn je zuvor. 2006 habe die Firma den größten Erfolg gehabt. Der Umsatzzuwachs lag zehn Prozent über dem Durchschnitt der Branche. Das Unternehmen ist ein mittelständisch geprägter Möbelhandel. Und dies solle auch so bleiben. Deshalb will er vorerst auch kein weiteres Einrichtungshaus eröffnen, verrät der Geschäftsführer. Seine Kinder will er nicht dazu drängen, das Möbelhaus später weiterzuführen. Bei beiden Söhnen habe er jedoch gewisse Ambitionen für das Familienunternehmen erkannt. Beide haben bereits Praktika im Unternehmen gemacht, „aber ohne dass ich da Druck ausgeübt habe“, so Pritzsche. Er wisse, dass im Westen viele den Vätern im Unternehmen nicht folgen wollen. Deshalb sei es für ihn beruhigend zu wissen, dass zumindest seine beiden Söhne dem nicht abgeneigt sind.
Lindenbergs „Sonderzug nach Pankow“ löse heute keine  Emotionen bei ihm aus, sagt Pritzsche. Auch wenn das Schicksal damals hart war. Zumindest kurzfristig. Höchstens zum Schmunzeln würde ihn dies alles heute bringen. „Wenn ich den Lindenberg heute höre, denke ich nur, dass es coole Musik ist“, erklärt er.

alt Marcin Bobrowski

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