Dr. Milos Stefanovic, Mitglied der Zukunftspreis-Jury. Foto: Bernd Gurlt
Interview mit Dr. Milos Stefanovic, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Brandenburg, über den Zukunftspreis Ostbrandenburg, ein erfolgreiches Geschäftsjahr und einen neuen Wirtschaftsbeirat.
Was sind Ihre wichtigsten Erfahrungen von der jüngsten Zukunftspreis-Verleihung?Die Veranstaltung hat eine ganz neue Stufe erreicht: Der festliche Rahmen im wunderschönen Hotel Esplanade in Bad Saarow, die Zahl der Gäste, die Teilnahme des Wirtschaftsministers, die Medienpräsenz – all das spricht für das hohe Niveau, das wir mittlerweile erreicht haben.
Daneben ist auch die Spanne der namhaften Förderer enorm. Der höchste Sprung zeigte sich im letzten Jahr, als ZURICH, Deutsche Bank, die EWE und eben das Hotel Esplanade hinzukamen. Es ist äußerst erfreulich, wie sich überregional tätige Unternehmen in Ostbrandenburg engagieren. Und natürlich freut mich auch, dass der Preis bei den Gewinnern einen hohen Stellenwert genießt. Die Begeisterung stand den Siegern ins Gesicht geschrieben.
Noch ein Wort zu den Gewinnern...?
Sie könnten unterschiedlicher gar nicht sein, und das ist das Besondere des Zukunftspreises. Wer sich die Filme im Internet anschaut, der sieht die positiven Erwartungen, mit denen diese Unternehmer in die Zukunft blicken. Mich persönlich hat auch berührt, dass wir viel inhabergeführten Mittelstand unter den Gewinnern haben. Und natürlich freut mich auch die Identifikation der ehemaligen Preisträger mit dem Zukunftspreis, von denen einige zur Veranstaltung gekommen waren und mitfeierten. Man ist eben stolz auf den Zukunftspreis, und zwar zu Recht.
Welche Erwartungen haben Sie an den Zukunftspreis 2007?
Die Veranstaltung sollte das hohe Niveau halten. Vielleicht sollte man aber langsam anbauen in Bad Saarow, denn die Zahl der Gäste nimmt zu. Was die Vielfalt der Preisträger betrifft: Dadurch, dass immer andere gewinnen – bisher war es ja so -, bleibt der Zukunftspreis bunt und abwechslungsreich. Mir ist also nicht bange.
Auch die Bürgschaftsbank hat sich gut entwickelt. Was sagt die jetzt veröffentliche Jahresbilanz 2006 aus?
Wir konnten das Rekordjahr von 2005 wiederholen. Sowohl in der Menge als auch in den abnehmenden Risiken. Rund 350 Unternehmen wurden mit Ausfallbürgschaften für Kredite und Beteiligungen in Höhe von fast 83 Millionen Euro unterstützt. Übrigens: Unter den verbürgten Unternehmern befinden sich auch einige Zukunftspreisträger.
Die Preisträger passen also ganz gut zur Bürgschaftsbank, oder?
Klar, wir sind 100prozentig auf den Mittelstand ausgerichtet. Das heißt: Unsere Kunden haben nicht über 250 Mitarbeiter und sind auf maximal 50 Mio. Euro Umsatz beschränkt. Als besonders wirkungsvoll hat sich unser Programm „Bürgschaft ohne Bank“ erwiesen, kurz BoB. Vor neun Jahren haben wir es ins Leben gerufen, weil wir auch den ganz Kleinen helfen wollen. Für sie verbürgen wir auch Kredite unter 20.000 Euro. Das Besondere: Der Unternehmer kommt zuerst zu uns und geht danach mit der Bürgschaft zur Hausbank. Das Instrument ist inzwischen so verbreitet, dass jede dritte Bürgschaft ein BoB-Fall ist. Die maximale Obergrenze haben wir auf 250.000 EUR erhöht. Das heißt: Bis zu diesem Betrag erleichtert BoB den Zugang zu Krediten.
... nur in Brandenburg?
Wir waren die Erfinder, konnten das Programm aber inzwischen in elf weitere Bundesländer exportieren.
Neuerdings sind Sie ja nicht „nur“ Banker und Zukunftspreis-Jurymitglied. Sie sind auch Vorsitzender des neuen "Beirat zur Begleitung der Neuausrichtung der Wirtschaftsförderpolitik des Landes Brandenburg". - Wie kam es dazu?
Wirtschaftsminister Junghanns hat sich Kompetenz aus verschiedenen Bereichen geholt. Beispiel: Für die Kammern sitzt der Frankfurter IHK-Hauptgeschäftsführer Gundolf Schülke in dem Beirat. Ich selbst vertrete 1800 Unternehmen, die wir gegenwärtig mit einer laufenden Bürgschaft betreuen. Damit habe ich selbst und haben wir als Bürgschaftsbank ständig das Ohr am Mittelstand. Wir können das, was wir von unseren Unternehmen hören, direkt an den Wirtschaftsminister weitergeben. Deshalb finde ich es gut, dass Herr Junghanns diesen Beirat gegründet hat und keine Entscheidungen fernab vom täglichen Geschehen treffen will.
Um welche Entscheidungen geht es?
Wir betrachten vor allem die Förderlandschaft in Brandenburg und wollen hier schnell reagieren. Weil die Wirtschaft nicht stillsteht, sondern sich ständig entwickelt, müssen sich auch die Förderstrukturen entwickeln. Wir begutachten die Konzentration auf Branchen und Teilregionen; prüfen, was zielführend ist und was noch effektiver gestaltet werden kann.
Vielen Dank für das Gespräch!
Im Gespräch mit Thilo Kunze: Dr. Milos Stefanovic (links). Foto: Bernd Gurlt
Thilo Kunze

