Die einzige Panzerfunfahrschule Deutschlands zieht zehntausende Touristen an.
Die T-Shirts sind fleckig vom Maschinenöl, die Augen aber glänzen. Axel und Jörg Heyse bereiten ein stählernes Ungetüm auf seinen nächsten Einsatz vor. Es ist ein alter Bergepanzer, der einst in einer osteuropäischen Armee im Einsatz war. Jetzt aber kutschieren damit Touristen über eine abgesperrte Fahrstrecke in Schönfelde bei Fürstenwalde. „Der T 55 T ist einer von 13 Panzern, die bei uns im Fuhrpark stehen“, erklärt Jörg Heyse. Zusammen mit seinem Bruder betreibt er die einzige Panzerfunfahrschule Deutschlands.Während ihrer Armeezeit wurden die beiden Heyses zu Panzerfahrern ausgebildet. Der Spaß am sehr unkonventionellen Fahren und die Begeisterung für die Technik blieben auch nach dem Truppenabschied zurück. Vor Jahren entdeckten sie dann durch Zufall auf einem Schrottplatz in Tschechien einen alten Bergepanzer. „Den bauten wir auf und holten ihn nach Deutschland“, blickt Axel Heyse zurück. Damit fuhren sie erst ganz privat in ihrer Freizeit. Als Freunde von diesem Hobby erfuhren, wollten auch die auf den Fahrersitz. „Wir hätten nie gedacht, dass es so viele kaputte Typen wie uns gibt.“
Panzerfahrlehrer statt Beamtenlaufbahn
Von dieser Erkenntnis bis zur Eröffnung der Panzerfunfahrschule war der Weg nicht mehr weit. Die Brüder gingen in die Selbstständigkeit und Axel gab dafür seine zukunftssichere Beamtenlaufbahn auf. Im Januar 2005 eröffneten sie schließlich ihr ganz ungewöhnliches Freizeit- und Tourismusunternehmen bei Schönfelde. Ein Bauer verpachtete den Heyses Land für den Panzerparcours. Nach und nach schafften sie alte Panzertechnik herbei. Vor dem Einsatz als Freizeitfahrzeug mussten die alten Kriegsgeräte demilitarisiert werden. Ein Teil der Panzerung und die komplette Bewaffnung wurden deshalb entfernt.
Die Brüder wurden vom Erfolg ihres Unternehmens geradezu überrollt. „Schon im zweiten Jahr des Bestehens mussten wir 15.000 Euro Gewerbesteuer an die Gemeinde zahlen“, erzählt Axel Heyse. Die Besucher kommen in Scharen zur Panzerfunfahrschule und nehmen dafür extrem lange Anfahrtswege in Kauf. „Unsere Gäste reisen natürlich aus ganz Deutschland, aber auch aus Japan, Neuseeland, Russland und Amerika an.“ Im vergangenen Jahr wurden 30.000 Besucher gezählt. „Diese Zahl haben wir in diesem Jahr schon im August erreicht“, meint Jörg Heyse. Den Panzerfahrspaß gönnen sich keineswegs nur Männer. „40 Prozent unserer Gäste sind weiblich, da klettern mitunter sehr zarte Persönchen in die Panzer und jagen dann durchs Gelände.“
Panzerfunfahrschule sorgt für Einnahmen in der Region
Ihre Unternehmensidee wurde für die Heyses zu einem wirtschaftlichen Erfolg. Ohne Fördermittel und Kredite haben sie ihre ungewöhnliche Firma aufgebaut. „Wir arbeiten mit 56 Partnerfirmen aus dem Umland zusammen und sorgen in Pensionen und Hotels für volle Häuser“, sagt Axel Heyse stolz. Ohne Panzerfunfahrschule würde Schönfelde kaum Besucher aus ganz Deutschland oder gar dem Ausland anlocken. „Wer aber zu uns kommt, bleibt meist ein Wochenende oder länger hier und lässt so nicht nur Geld bei uns, sondern auch im Umland.“
Weil der Besucherandrang so groß ist, haben die Heyses inzwischen zehn Mitarbeiter eingestellt. Sie sind als Panzerfahrlehrer oder Techniker tätig. „Wir könnten die Mitarbeiterzahl verdoppeln und die Gästezahl spielend erhöhen, der Bedarf wäre da“, sagt Axel Heyse. Wo Erfolg ist, gibt es aber auch Neider. Obwohl die Panzerfunfahrschule weit außerhalb von Ortschaften liegt, gab es Probleme und juristische Auseinandersetzungen mit einem zugezogenen Einwohner. „Wir konnten aber nachweisen, dass wir alle Umwelt- oder Lärmschutzwerte einhalten“, erklärt Jörg Heyse.
Anerkennung vom Bürgermeister fehlt
Mehr Unterstützung wünschten sich die Unternehmer auch vom Bürgermeister der Gemeinde Steinhöfel, von der Schönfelde ein Ortsteil ist. Auf der offiziellen Internetseite der Gemeinde sind in der Rubrik Tourismus Kirchen, Museen und Schlösser vermerkt, ein Hinweis zur Touristenattraktion Panzerfunfahrschule fehlt aber. „Ich habe ein ethisches Problem mit diesem Unternehmen“, sagt Bürgermeister Wolfgang Funke. „Mich stört das Firmenlogo und ich kann beim Spielen mit Kriegsgerät keinen Spaß empfinden.“ Außerdem gäbe es im Land genügend andere ehemalige Militärflächen für solche Vorhaben. „In der Gemeindevertretung gibt es aber eine Mehrheit für das Unternehmen und die akzeptiere ich“, betont Funke. Selbst der wirtschaftliche Vorteil, den die Panzerfunfahrschule der Gemeinde verschafft, kommt beim Bürgermeister nicht gut an. „Anderswo wird im Rotlichtmilieu Geld verdient, aber muss ich das deshalb gut finden?“
„Obwohl wir Arbeitsplätze hier geschaffen haben, Besucher anziehen, anderen Firmen der Region Aufträge und Einnahmen verschaffen, hat sich der Bürgermeistern noch nie bei uns auf dem Gelände blicken lassen“, schimpft Axel Heyse. „Wenn er ein ethisches Problem mit uns hat, soll er mit uns diskutieren und nicht über Medien auf uns schießen“, ergänzt Bruder Jörg. „Nur weil wir frühere osteuropäische Militärtechnik nutzen, sind wir noch lange keine Militärfans oder Ostalgieanhänger. Wir bieten unseren Kunden nur einen ganz besonderen Freizeitspaß, den es sonst nirgendwo gibt.“
Alte Militärtechnik ohne Waffen. Foto: W. Döll.
Wilko Döll

