Für viele Frauen ist es nicht leicht, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Foto: MEV
"Unser Land braucht mehr Kinder! Die Deutschen sterben aus! Frauen mit Nachwuchs im goldenen Käfig!" - eine Meldung hetzt die andere, aber alle haben sie das gleiche Thema. Gleichstellungspolitik.
Die Frage nach den Berufschancen einer Mutter bleibt seit Jahren unbeantwortet. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen glaubt, mit ihrem neugegründeten Netzwerk "Erfolgsfaktor Familie" die Lösung für dieses Problem gefunden zu haben. Doch hat sie das? Bewegt sich diesbezüglich was in den Köpfen der deutschen Unternehmer?Thomas Herrschelmann, Familienbeauftragter der IHK Frankfurt (Oder), kennt die gedanklichen Barrieren der Unternehmer; doch er sieht auch Fortschritte. "Natürlich gelten Zahlen viel, und wenn eine Frau wegen der Kinder ausfällt, bedeutet dies für das Unternehmen einen höheren Aufwand. Trotzdem erkennen die Unternehmen den Ernst der Lage und stellen sich darauf ein." Unter dem "Ernst der Lage" ist der in den nächsten Jahren zu erwartende Fachkräftemangel, nicht nur in Ostdeutschland, gemeint. Die Vereinbarung von Beruf und Familie wird Herrschelmann zufolge in den nächsten Jahren eine zunehmende Rolle spielen.
Conergy AG und PCK Raffenerie GmbH zeigen, wie es geht
Die Conergy AG aus Hamburg hat bereits umgesattelt. Das Unternehmen bietet seinen Mitarbeitern einen Kindergarten, in dem die Knirpse von ausgebildeten Fachkräften betreut werden. Auch die PCK Raffenerie GmbH in Schwedt greift ihren Angestellten, davon 340 Frauen, durch intensive Kinderbetreuung unter die Arme. Die betriebsinterne Betreuungsstätte stellt sich sogar auf die Schichten der Eltern ein, so dass die Sprösslinge auch mal zu ungewöhnlicheren Zeiten in die Obhut anderer gegeben werden können.
"Heute geht es darum, gute Leute an sich zu binden. Die Unternehmer wissen schon, dass sie umdenken müssen", weiß Herrschelmann. Dass "Umdenken" nicht so schnell passiert wie Kaffee trinken sei ihm klar. Freilich ist es nicht neu, dass Menschen in gesellschaftliche Modelle traditionell reinwachsen. Deshalb dauert es länger, bis eingefahrene Gesellschaftsstrukturen umgekrempelt werden. Eine Analyse des DIHK zeigt, dass in Deutschland gerudert wird. Die 500-Unternehmen-Marke (so viele Betriebe machen mit) ist beim Netzwerk "Erfolgsfaktor Familie" laut DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun bereits geknackt worden.
In der von ihm und der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen initiierten Plattform im Internet suchen viele Unternehmen nach Lösungen, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Dort tauchen Fragen auf, wie zum Beispiel: Wie kann der Einstieg von Müttern und Vätern organisiert werden, damit es für Unternehmen und Eltern gut funktioniert? In dem Internetforum finden sich Ansprechpartner, Erfahrungsberichte, Präsentationen sowie eine Kooperationsbörse.
IHK bietet spezielle Angebote für Frauen
Auch die IHK Frankfurt (Oder) stellt sich auf den gesellschaftlichen Umbruch ein. So werden spezielle Programme für Gründerinnen und Unternehmerinnen angeboten. "Der Lotsendienst und die Beratungen stehen Frauen und Männern gleichermaßen zur Verfügung. Wollen die Frauen jedoch völlig unter sich sein, verweisen wir sie weiter an Netzwerke wie Connecta. In der Hinsicht agieren wir als Multiplikatoren.", sagt Petra Löbnitz, Starthilfe bei der IHK Frankfurt (Oder). Die IHK unterstützt die Frauen auch durch Ausschreibungen von Wettbewerben, wie etwa mittels einer Nominierung beim Wettbewerb "Unternehmerin des Landes Brandenburg 2007". Weiterhin bietet die Kammer diverse Veranstaltungen an, wie das Seminar "Frauen am Start - Netzwerke helfen auf die Beine" von Anfang November 2006.
Auch die Neuzeller Klosterbrauerei betreibt eine familienfreundliche und offene Unternehmenskultur. "Wir haben zwar noch keinen Betriebskindergarten, aber wir kümmern uns um unsere Mitarbeiten und nehmen Rücksicht auf Familien.", sagt Stefan Fritsche, Chef der Brauerei. In dem Biertempel gebe es keine Barrieren oder eine verbissene Stimmung innerhalb des Teams. Für Fritsche ist dies "ein Indikator für familienfreundliche Unternehmen".
Kontakt
Thomas Herrschelmann
Familienbeauftragter bei der IHK
Telefon: (0335) 56 21-238
E-Mail: herrschelmann@ihk-ffo.de
Thomas Herrschelmann, Familienbeauftragter der IHK Frankfurt (Oder). Foto: Th. Kunze
Katharina Fichtner

