17. Bodenschutzforum der IHK Ostbrandenburg in Fürstenwalde.
Von dem ehemaligen Tanklager an der Berkenbrücker Chaussee in Fürstenwalde ist kaum noch etwas zu sehen. Dort, wo noch von einigen Jahren 603 unterirdische und 40 oberirdische Tanks lagerten, wachsen heute Hunderte junge Bäume. Nur die leichten Bodenwellen, die beim genauen Hinschauen zu sehen sind, deuten noch auf die 10 bis 50 m³ großen Tanks hin, die sich nahe der Spree im Boden befanden.„Konversion zu Grün“ heißt hier das Stichwort: Die Stadt Fürstenwalde hat aus vielen ehemaligen Militärflächen grüne Flächen gemacht, die zu einem Spaziergang einladen – darunter auch das ehemalige Tanklager der Roten Armee an der Berkenbrücker Chaussee. „Konversation zu Grün“ – das war das Hauptthema des 17. Bodenschutzforums der IHK Ostbrandenburg, das in diesem Jahr in Fürstenwalde stattfand.
Generationenaufgabe: Umwandlung von ehemaligen Militärflächen
„Fürstenwalde ist stark von Konversation betroffen“, erklärte der Bürgermeister der Stadt, Manfred Reim, beim Bodenschutzforum. Die Umwandlung militärischer Flächen für zivile Nutzung sei eine Generationenaufgabe. Ein Teil der Fürstenwalder Flächen sei für die gewerbliche Nutzung freigegeben worden. „E.ON edis und die Fabrik Sun Two der Odersun AG“, nannte Reim zwei Beispiele für Unternehmen, die sich in Fürstenwalde auf einem Konversionsstandort angesiedelt haben.
Aber nicht nur die Umwandlung in Gewerbeflächen, sondern auch die Konversion in Grünflächen spielt bei der Nutzung ehemaliger Militärflächen in Fürstenwalde eine große Rolle: Von den 545 Hektar Militärflächen hat die Stadt bisher 450 Hektar umgewandelt, das sind etwas mehr als 80 Prozent. „Die Konversion zu Grün umfasst etwa 200 Hektar“, berichtete Wigbert Bengtsson, der bei der Stadt Fürstenwalde mit der Stadtplanung und -entwicklung betraut ist. Die restlichen Flächen seien in Wohn- und Gewerbeflächen, Gemeinbedarf sowie einen Verkehrslandeplatz umgewandelt worden.
Bei der Umwandlung von Militär- in Grünflächen muss einiges bedacht werden: Mögliche Altlasten müssen entsorgt, Gebäude abgerissen werden – das alles kostet. Beim 17. Bodenschutzforum der IHK Ostbrandenburg erläuterte Peter Kramer, Umweltamt Landkreis Oder-Spree, die fachbehördliche Begleitung durch die Untere Bodenschutzbehörde. Die Sichtweise eines beteiligten Ingenieurbüros schilderte Dietmar Grund, von der Energie und Umweltschutz Consult GmbH in Fürstenwalde, die den Rückbau und die Sanierung umwelttechnisch begleitetet hat.
Jens Ramm von der Investitionsbank des Landes Brandenburg informierte die Teilnehmer des Bodenschutzforums über Möglichkeiten der finanziellen Förderung von Konversionsmaßnahmen, denn Konversionsprojekte sind meist teuer. Die Umwandlung des ehemaligen Tanklagers beispielsweise kostete knapp 3 Millionen Euro. Die Stadt Fürstenwalde trug davon einen Anteil von etwas mehr als 200.000 Euro, der Rest wurde aus EFRE-Mitteln und von der Bundesanstalt für Arbeit durch die Vergabe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen finanziert.
Die Arbeit hat sich gelohnt
Im Falle des ehemaligen Tanklagers mussten über 600 Tanks aus dem Boden ausgehoben werden, anschließend stand die mechanische Entfernung der Bitumenschicht sowie die Zerlegung der Tanks an. Außerdem wurden tanktechnische Anlagen, Straßen und Gleise entfernt und Gebäude abgerissen. Viel Arbeit, aber die hat sich gelohnt. Davon haben sich die Teilnehmer des 17. Bodenschutzforums vor Ort selbst überzeugt: Heute erinnern noch das Hinweisschild sowie die Skulptur aus einem Stück Tank am Eingang des Geländes an das ehemalige Tanklager.
Ein weiteres Thema auf dem Bodenschutzforum: Prof. Dr. Rainer Macholz von der Prof. Dr. Macholz Umweltprojekte GmbH berichtete über ein Forschungsprojekt, an dem sein Unternehmen im Rahmen des Forschungsverbunds BioRefine beteiligt ist. Ziel des Projektes mit drei Modellliegenschaften in Brandenburg – darunter auch ein ehemaliges Tanklager – ist die Bewertung von Schadstoffen im Flächenrecycling auf Basis der so genannten Bioverfügbarkeit der Schadstoffe – das hieße, dass nur die biologisch wirksamen Schadstoffgehalte bei der Bewertung der Schadstoffbelastungen und Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt würden. Diese Beurteilung würde insgesamt zu einer geringeren bewertungsrelevanten Schadstoffkonzentration im Boden führen – mit der Folge, dass weniger Geld und Zeit notwendig wären, um bestimmte Flächen umzunutzen.
Sandra Hölscher

