5.3.2007
Unternehmen: Mit Büchern durchs Leben und zum Erfolg

Karl-Heinz Möckel 2
Buchhändler Karl-Heinz Möckel  Foto: W. Döll

Der bekannteste Frankfurter Buchhändler wurde 60 Jahre alt.

Karl-Heinz Möckel kennt die Gründe seines Erfolgs genau. „Ich denke wie ein Kunde und behandle meine Käufer so, wie auch ich in einem Geschäft bedient werden möchte.“ Der nun 60-Jährige ist ein geachteter und erfolgreicher Buchhändler. Dabei sind die Bücher seine Berufung, nicht aber sein Beruf. Als Bankkaufmann hat er jahrelang bei der Staatsbank der DDR in Frankfurt (Oder) gearbeitet. Er war damals Mitglied der Ost-CDU, engagierte sich in der kirchlichen Gemeinde und sprach offen über seine Gedanken. Das blieb nicht ohne Folgen. „1985 wurde ich aus politischen Gründen aus der Staatsbank entlassen“, blickt der Jubilar zurück.

Seine Verbindung zu den Büchern aber konnte ihm niemand nehmen. Schon seit 1977 hat er den Büchertisch im Gemeindehaus am Frankfurter Karl-Ritter-Platz organisiert. Das Angebot wurde von den Lesern gut angenommen, denn damals gab es schon lange keine christliche Buchhandlung mehr in Frankfurt. „Die Obrigkeit hatte uns aber genau im Blick, das habe ich aber erst später aus meinen Stasiakten erfahren“, erzählt Möckel. Nach der Entlassung bei der Bank suchte er im Landgut Gronenfelde einen beruflichen Neueinstieg und kümmerte sich dort um die Finanzen. Mit der Wende aber machte er seine Berufung zum Beruf.

Private Hilfe aus dem Westen

„Es gab noch immer keine christliche Buchhandlung in der Stadt, aber den Bedarf für gute Bücher und fachliche Betreuung.“ Über Erfahrungen als Händler und über das nötige Kapital verfügte der Bücherfreund damals aber nicht. Die Hilfe kam aus dem Westen. Auf einer Buchmesse in Leipzig lernte er einen älteren Herrn aus Tirschenreuth kennen. „Albert Buck betrieb dort eine kleine kirchliche Buchhandlung und wurde mir mehr und mehr ein Berater und Freund“, blickt Möckel zurück. Mit Buck besprach er seine Ideen und Pläne. Ein anderer Kirchenvertreter sprang als Bürge für einen Startkredit bei einer Bank ein.

17 Jahre ist das her und noch immer ist die kleine Lukas-Buchhandlung in Frankfurt gut im Geschäft. „Fachliche Kompetenz, Zuverlässigkeit und ein sehr persönlicher, respektvoller und vertrauensvoller Umgang mit den Kunden sind ganz wichtig“, betont der Händler und erinnert sich an ein besonderes Erlebnis. Vor einiger Zeit orderte ein Wissenschaftler aus dem polnischen Poznan per Telefon eine ganze Autoladung mit Fachbüchern in der kleinen Frankfurter Buchhandlung. Als sich Möckel über den Auftrag wunderte, erfuhr er, dass der Wissenschaftler früher in Frankfurt studiert hatte und von dem kleinen Buchgeschäft überaus angetan war. „Der gute Umgang mit den Kunden zahlt sich eben auf Dauer aus.“

Neue Möglichkeiten nutzen

Das allein reicht aber trotzdem nicht, um im Wettbewerb mit den rund 7000 Buchhändlern in Deutschland bestehen zu können. Das Internet hat das Kaufverhalten vieler Bücherfreunde verändert. Möckel hat sich rechtzeitig darauf eingestellt. „Mein väterlicher Freund Buck gab mir schon zeitig den Tipp, das Internet zu nutzen“, erzählt der Händler. Also richtete auch Karl-Heinz Möckel für seine Lukas-Buchhandlung eine Homepage ein und bietet dort den Buchverkauf im Internet an. „15 bis 20 Prozent unseres Umsatzes erwirtschaften wir mit dieser Seite.“

Die meisten Kunden aber suchen direkt das kleine Geschäft auf, denn dort bereitet das Stöbern in den Büchern besonders viel Spaß. Neben guter Literatur gehört dort auch Kleinkunst zu Angebot. Außerdem entdeckt der findige Frankfurter Leser schnell auch ein besonderes Regal mit Werken von Autoren aus der Region. „Ich liebe meine Stadt und die Region“, sagt Karl-Heinz Möckel ganz einfach. Deshalb verlässt er mit seinen drei Mitarbeiterinnen auch regelmäßig das Geschäft und bietet Bücher in Kirchengemeinden oder auf besonderen Weihnachtsmärkten an.

Frankfurt (Oder) hat wirtschaftliche Chancen

Zum 60. Geburtstag wünscht sich der Jubilar nichts persönliches, er denkt auch an einem solchen Tag an seine Kunden und die Frankfurter. „Ich wünsche mir, dass alle Frankfurter die Ansiedlung der Solarfabriken in unserer Stadt als neue wirtschaftliche Chancen erkennen und etwas optimistischer ins Leben blicken.“ Vom Aufschwung erhofft er sich außerdem auch Bewegung auf dem Markt für Ladenflächen in der Stadt. Als er nämlich für seine Buchidee eine Verkaufsfläche suchte und sich Angebote von den großen Vermietern der Stadt holte, war er über deren Preise und Bedingungen erstaunt. „Meine Berater hatten damals über die Angebote in dieser Stadt nur gelacht und mich aufgefordert, gleich nach Frankfurt am Main zu gehen, da sind die Geschäftsmieten niedriger und die Einkommen der Kunden höher.“ Karl-Heinz Möckel aber blieb an der Oder und kam mit seinem Geschäft im Pfarrhaus der katholischen Kirche in der Franz-Mehring-Straße unter. Der nun 60-Jährige will dort noch lange seine Kunden empfangen.
Karl-Heinz Möckel
Karl-Heinz Möckel wurde Anfang März 60 Jahre alt  Foto: W. Döll

alt Wilko Döll

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