05.03.2007
Meinungen: Wir setzen klare Ziele!

Braun, Ludwig Georg
DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun.  Foto: DIHK

Ein Kommentar von DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun.

Der Ausbildungspakt 2007-2010 hat das Potenzial zum Durchstarten. Die Voraussetzungen sind günstiger als 2004, dem Startjahr des ersten Ausbildungspakts: Die wirtschaftliche Situation der Unternehmen ist gut, und die Pakt-Strukturen vor Ort sind erfolgreich etabliert.

Ausbildungssituation heute besser als 2003

Die Ausbildungssituation ist deshalb heute viel besser als 2003, dem letzten Jahr vor dem Pakt. Im IHK-Bereich gibt es 27.000 mehr Ausbildungsanfänger, das ist ein Plus von 8,7 Prozent. Zusammen mit den mehr als 20.000 besetzten EQ-Plätze bieten die Unternehmen in Industrie, Handel und Dienstleistung daher rund 50.000 Jugendlichen jährlich mehr eine Chance als vor dem Ausbildungspakt. Ich bin zuversichtlich, dass die Ausbildungssituation sich auch Ende 2010 wiederum besser darstellt als heute. Freilich fällt der Erfolg nicht vom Himmel: Die Erfolge der letzten Jahre waren das Ergebnis der konstruktiven Zusammenarbeit in Berlin, viel mehr aber noch das Resultat unablässiger Akquise der ehren- und hauptamtlichen Ausbildungsplatzwerber bei Betrieben aller Größenklassen.

Damit werden wir auch fortfahren: 60.000 neue Ausbildungsplätze als neues Paktziel sind eine große Herausforderung. Trotz der erfreulichen Beschäftigungsentwicklung ist das alles andere als ein Selbstläufer. Überall dort, wo in einzelnen Unternehmen Arbeitsplätze verloren gehen, bedeutet das auch einen Verlust an Ausbildungskapazität. Dabei müssen für zehn Ausbildungsplätze, die bei einem insolventen Mittelständler verloren gehen, bis zu zehn neue Kleinbetriebe für die Ausbildung gewonnen werden. Und zusätzliches Potenzial ist wohl auch künftig eher bei Klein- und Mittelbetrieben als bei Großunternehmen zu erwarten.

IHKs sammelten 30.000 Angebote für Einstiegsqualifizierung

Die Industrie- und Handelskammern werden darüber hinaus bei den Betrieben für die Bereitstellung von Plätzen für eine Einstiegsqualifizierung (EQ) werben. Hier liegt die Messlatte jetzt bei 40.000. Die IHKs haben zuletzt rund 30.000 EQ-Angebote jährlich eingesammelt. Vor allem Jugendliche, deren Zeugnisse schlechter sind als deren Leistungsfähigkeit, erhalten hierdurch die Chance sich zu beweisen. Die Übergangsquoten in Ausbildung sind ungewöhnlich hoch – mit rund 70 Prozent doppelt so hoch wie bei vergleichbaren Maßnahmen der Berufsvorbereitung. Der Bundesregierung gilt deshalb besonderer Dank für die Erhöhung des Förderkontingents auf 40.000. Denn dieses neue Instrument stieß ob seines Erfolgs schon im zweiten Jahr an die ursprünglich vereinbarte Kapazitätsgrenze von bis dato 25.000 Plätzen.

Die meisten der neuen Ausbildungsplätze haben die IHKs bei Betrieben eingeworben, die zuvor nicht ausgebildet haben oder eine längere Zeit pausiert haben. Wir müssen auch weiterhin bestrebt sein, die Ausbildungsbasis zu verbreitern. Deshalb haben wir auch der neuen Paktvorgabe von 30.000 neuen Betrieben zugestimmt. Allerdings ist dieses Ziel nicht so einfach zu erreichen, wie manche Milchmädchenrechnungen suggerieren. Der mit rund 85 Prozent allergrößte Teil der Nicht-Ausbildungsbetriebe hat weniger als zehn Beschäftigte. Hier sind die Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Berufsausbildung längst nicht überall gegeben. Gerade wer Qualität will, muss hier sorgfältig mit den Zahlen umgehen.

Betriebe wollen ausbilden

Zudem machen die IHKs zunehmend die Erfahrung, dass Betriebe gern bereit sind, die Ausbildung aufzunehmen oder auszuweiten, wenn man ihnen geeignete Jugendliche verschafft. Die Schere zwischen den Anforderungen der Betriebe und der Leistungsfähigkeit vieler Jugendlicher geht weiter auseinander. Das führt in einigen Regionen zu der berechtigten Frage, ob es denn überhaupt möglich sein werde, neue Ausbildungsplätze und zusätzliche EQ-Angebote zu besetzen. Wenn Betriebe anbieten und niemanden finden, sinkt aber die Bereitschaft, weiterhin Plätze anzubieten.

Die Unternehmen sehen bei der Qualität der Schulabgänger noch keine Trendumkehr - trotz aller Anstrengungen der Kultusministerien. Es ist deshalb folgerichtig, dass wir die Zusammenarbeit von Paktpartnern und Kultusministerkonferenz intensivieren wollen. Wenn schon die Zahl der Schulabgänger rückläufig sein wird, können wir es uns nicht länger erlauben, dass nahezu jeder zehnte Jugendlichen ohne Schulabschluss bleibt und ein knappes Viertel zur PISA-Risikogruppe gehört, bei der die Ausbildungsreife in Frage steht. Ich erwarte, dass wir zum Ende der Paktlaufzeit auch auf diesem Gebiet ein positives Fazit ziehen können. Ich ermuntere die Kultusminister, sich hier ähnlich wie die Partner des Ausbildungspaktes klare quantitative Ziele zu setzen.

alt Ludwig Georg Braun

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