06.03.2007
Freizeit: Mittelalterliches Spektakel am lebendigen Leib erleben

Dragomera
Das nachgebaute Slawenschiff Dragomera.  Foto: Heidrun Lange

Brandenburger feiern das Land und Stadt beim 850jährigen Jubiläum der Mark.

Der Schmied hämmert glühendes Eisen und der Narr wird über den Platz gescheucht, weil er gepatzt hat. Es gab in der Stadt Brandenburg wilde Zeiten, die jedes Jahr in der Altstadt auf mittelalterliche Weise neu aufleben. Gaukler, Minnesänger und Handwerker werden verpflichtet, die historische Innenstadt in eine märchenhafte Arena zu verwandeln und die Besucher in eine fesselnde Zeitreise vergangener Jahrhunderte zu schicken.
Die Brandenburger sind stolz auf ihre Geschichte. Im Domstift kann man sie verfolgen. Erste urkundliche Belege für ihre Existenz stammen aus dem Jahre 948. Lange Zeit tobten hier heftige Kämpfe mit den Slawen, bis  schließlich am 11.Juni 1157 Albrecht der Bär als Sieger einzog und das ehemalie Brennaburg zur Askanierresidenz erhob.

Über 200 Termine

Das 850jährige Jubiläum der Mark Brandenburg wird dieses Jahr mit mehr als 200 Veranstaltungen gefeiert. Im Mittelpunkt des Programms steht die Stadt Brandenburg an der Havel. Fast so wie damals, wird es Feste und Markttage geben, wo  Schmied, Töpfer, Bogenbauer, Schmuckhersteller ihre Waren feilbieten. Im Slawendorf  werden Fladengebäck, Kräuter und Essenzen oder Met in irdenen Bechern gereicht. Gut gestärkt kann es zum Axtwerfen, Bogenschießen oder Handwerken gehen.    
"Hier wird die Geschichte nicht vorgeführt, sondern gelebt", sagt Monika Behnke vom Tourismusverein Brandenburg. "Wandeln Sie doch einmal durch die Gänge des sakralen Gemäuers des Dominikanerklosters St.Pauli," empfiehlt die Touristikerin denjenigen, die Brandenburg bereits besucht haben, aber nicht über Nacht in einem der zahlreichen Hotels und Pensionen geblieben sind. Das nun sanierte, über 700
Jahre alte Pauli-Kloster bietet eine eindrucksvolle Kulisse für Aufführungen und Inszenierungen des event-Theaters Brandenburg, bekannt als Brandenburger Klostersommer.

Viele Impulse  

Von Brandenburg an der Havel sind in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder entscheidende Impulse für wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen ausgegangen. So wurde zum Beispiel das Brandenburger Stadtrecht auf zahlreiche märkische Orte und auch auf Berlin übertragen. Hier befand sich mit dem so genannten Brandenburger Schöppenstuhl schon im Mittelalter die oberste Gerichtsbarkeit der Mark. Eine Tradition, die das Brandenburgische Oberlandesgericht in der Havelstadt heute fortsetzt. Und Lehmann-Blechspielzeug, Brennabor-Autos, Arado-Flugzeuge sowie der legendäre "Opel-Blitz" sind nur einige Beispiele für die interessante Industriegeschichte.

Mit dem nachgebauten Slawenschiff "Dragomira" kann man die Havelstadt vom Wasser aus erkunden. Links und rechts des Flusses sieht man den mächtigen Dom, die großen Kirchen St. Katharinen, St. Gotthardt und St. Nikolai und das Altstädtische Rathaus wo der steinerne Roland wacht. Der Blick gleitet über liebevoll restaurierte Häuserfassaden in den historischen Straßen und Gassen und ehemalige Fabrikgebäude.

Wenn an den Sommerabenden über dem Wasser das Feuerwerk auflodert, dann tauchen Kerzen, Fackeln und Öllampen den Markt weithin sichtbar in geheimnisvolles Licht.      
                                                                          

alt Heidrun Lange

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