Rainer Stehr und seine Lehrlinge. Foto: W. Döll
Unternehmen suchen Fachkräfte für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen und bilden sie sich selbst aus.
„Früher habe ich Maler, Schuster oder Bäcker für die Arbeit in meinem Betrieb anlernen müssen, seit kurzer Zeit gibt es für unsere Branche endlich einen richtigen Lehrberuf“, freut sich Rainer Stehr. Er ist der Chef der kleinen Firma Raika Transporte in Ahrensfelde bei Berlin. Drei junge Leute werden dort zur Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen ausgebildet. Der Job wird oft unterschätzt. „Wir fahren nicht nur mit dem Auto durch die Gegend, klingeln bei einer Oma, geben ein Paket ab, kassieren ein Trinkgeld und düsen wieder los“, erzählt Patrick Geue. Der 20-Jährige ist im zweiten Ausbildungsjahr. „Wenn er weiter so gut arbeitet und die Note zwei in der theoretischen Ausbildung hält, kann er seine Lehre vorzeitig beenden und wird sofort von mir übernommen“, verspricht Rainer Stehr.Seit 1990 führt er seine kleine Firma. Neun Mitarbeiter sind mit ihren Fahrzeugen in ganz Deutschland unterwegs und befördern für Kunden Ersatzteile, Dokumente, lebende Tiere und alles, was sonst noch transportiert werden muss. Rainer Stehr arbeitet mit festen Firmenpartnern zusammen und ordert auch über seine Internetseite neue Kunden. Vor zwei Jahren stieg er in die Berufsausbildung ein, denn die Transportbranche hat sich enorm entwickelt. „Die Fahrer übernehmen immer mehr logistische Aufgaben, müssen Daten elektronisch verarbeiten und sich mit den Vorschriften für den Transport ganz unterschiedlicher Güter auskennen, Anlernkräfte packen das nicht mehr.“
Zweijährige Ausbildung
Zwei Jahre dauert die Ausbildung. Wer noch einen kaufmännischen Teil zusätzlich absolvieren möchte, lernt ein Jahr länger. Die praktische Lehre erfolgt im Unternehmen und die Theorie wird im Oberstufenzentrum in Potsdam gebüffelt. Wer die Ausbildung erfolgreich beendet, kann später bei Transport- und Logistikunternehmen, im Versandhandel oder auch bei der Post arbeiten. Bewerber sollten über einen Abschluss der 10. Klasse verfügen und gute Noten in Deutsch, Mathematik, Englisch und Geografie haben. „Außerdem müssen sie auch körperlich fit sein und gute Umgangsformen haben, schließlich treffen sie jeden Tag mit unseren Kunden zusammen“, erklärt Rainer Stehr.
In der zweijährigen Ausbildung lernen die jungen Leute den Umgang mit Paketen und Transportgütern, die Vorschriften für die Transportsicherung, die Lenk- und Ruhezeiten und auch die Bedienung moderner Datentechnik. „Sie müssen den Weg der Transportgüter verfolgen können und erlernen deshalb auch den Umgang mit Scanner und Incab-Geräten, das sind die elektronischen Datenspeicher, auf der die Kunden den Empfang ihrer Güter quittieren“, ergänzt Ausbilder Silvio Baumgart. In der Ausbildung werden aber auch das richtige Kundengespräch sowie der Umgang mit den Transportfahrzeugen und mit Kartenmaterial erklärt.
Nach erfolgreicher Lehre winkt fester Arbeitsplatz
Marco Große ist begeistert von seinem Lehrberuf. „Ich bin ständig auf Achse, lerne jeden Tag neue Orte und Leute kennen und bin verantwortlich für ihre Transportgüter.“ Der Berliner hat nach der Schule keinen Ausbildungsplatz gefunden und wurde dann von der Agentur für Arbeit zu einem geförderten Praktikum an die kleine Transportfirma vermittelt. Marco Große fand Gefallen am Job und sein Chef war von seiner Arbeitseinstellung angetan. Er erhielt deshalb im vergangenen Jahr eine Lehrstelle. Bei Patrick Geue war der Weg etwas anders. Die Schule hatte er früher nicht sonderlich ernst genommen. Viele Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz blieben deshalb erfolglos. Erst Rainer Stehr gab ihm eine Chance und schickte ihn zum IHK-Bewerbercheck nach Eberswalde. Dort bedankte sich Patrick Geue mit überdurchschnittlichen Ergebnissen. Er erhielt die Lehrstelle.
Im kommenden Herbst will Rainer Stehr erneut einen Ausbildungsplatz anbieten. Wer die Lehre gut absolviert, hat bei ihm auch eine Übernahmechance, denn der Transportbranche geht es zurzeit recht gut. Der ständig wachsende Internethandel und die gute wirtschaftliche Gesamtentwicklung sorgen für gut gefüllte Auftragsbücher.
Firmenchef Rainer Steht verteilt die Tagesaufgaben. Foto: W. Döll
Wilko Döll

