27.11.2009
Blickpunkt: Graue Haare sind gut fürs Geschäft

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Wirtschaftsjunior K. Jockisch. Foto: W. Döll.

Wirtschaftsjunior spöttelt über sich und sorgt sich um den Ruf der Region

„In meiner Gegenwart wird nicht gejammert.“ Klaus Jockisch hat feste Grundsätze. „Mit Jammern allein wird nichts besser!“ Der 34-Jährige lebt und arbeitet in Frankfurt (Oder). Geboren aber wurde er in Görlitz. Diese Stadt mag er noch immer und besucht sie auch regelmäßig. „Görlitz besitzt ein besonderes Flair, das Frankfurt leider nicht hat.“ Trotzdem will er von der Oder nicht mehr weg. Hier mag er die Sonnenaufgänge an den Oderwiesen, den Helenesee, die aus seiner Sicht farbenfroher gewordene Innenstadt und auch die Leute. Das in Frankfurt mitunter weit verbreitete Jammern lässt er nicht an sich heran. Bei den Wirtschaftsjunioren hat er davon ohnehin noch nie etwas bemerkt. „Weil das Leute sind, die ihr Leben selbst in die Hand genommen haben.“

Auch Klaus Jockisch ist ein aktiver Mensch. Seit 13 Jahren ist er als selbstständiger Finanzdienstleister tätig. Im Team von Finikon vermittelt er Baufinanzierungen, Geldanlagen sowie Versicherungen. Er kennt den Wirtschaftsstandort sehr genau. „In Baden-Württemberg ist die Sparrate pro Einwohner dreimal höher als hier bei uns“, erklärt der Finanzexperte. Trotzdem ist er noch immer am Markt. Allerdings nimmt die Zahl seiner grauen Haare von Jahr zu Jahr zu. „Die sind gut fürs Geschäft, schaffen Vertrauen“, spöttelt er. Seine Branche agiert in einem wirtschaftlichen Halbkreis. „Polen spielt für uns Finanzdienstleister noch keine Rolle“, erklärt Klaus Jockisch. Also sind die Wege recht weit. Im Berliner Speckgürtel wird mehr als in der Oderregion gebaut, deshalb werden dort eben auch mehr Baufinanzierungen benötigt.

Wirtschaftsstandort wird schlecht geredet

Er schätzt trotzdem auch den Wirtschaftsstandort Frankfurt (Oder). „Er ist besser als sein Ruf und wird zu Unrecht oftmals schlecht geredet“, kritisiert der 34-Jährige. „Hier sind in der Solarbranche und in den Call-Centern viele neue Arbeitsplätze entstanden.“ Auch die Infrastruktur in Frankfurt stimmt. Er lobt besonders die guten Verkehrsanbindungen per Straße und Bahn nach Berlin, die Schulen der Stadt und die ansprechenden Kulturangebote in Frankfurt (Oder). „Viele Leute denken, nur mit niedrigen Steuern werden Firmen angelockt, dabei haben diese anderen Faktoren mindestens die gleiche Bedeutung“, betont Jockisch. Auch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Region nicht extrem getroffen. „Im Frühjahr wollten noch einige Kunden ihre Bauvorhaben verschieben oder gar aufgeben“, erzählt der Finanzdienstleister. „Aber nur zwei Bauherren haben wirklich Veränderungen an ihren ursprünglichen Projekten vorgenommen.“

Ehemalige Frankfurter sollen zurückkehren

Für die Zukunft wünscht sich Klaus Jockisch, dass Leute nach Frankfurt ziehen und einige ehemalige Frankfurter wieder zurückkehren. Aus seiner Abiturklasse ist nur noch er in der Stadt. „Wenn hier schon in der Schule den Jugendlichen gesagt wird, ihr müsst Euch woanders eine Ausbildung suchen, dann stimmt etwas nicht.“ Klaus Jockisch engagiert sich auch deshalb für seine Stadt und hat sich den Wirtschaftsjunioren angeschlossen. „Das ist ein Kreis ohne Standesdünkel, das sind Leute, die etwas bewegen wollen.“ Er fördert besonders die Aktionen der Wirtschaftsjunioren für Schüler und Stundenten. „Wir haben beispielsweise Wirtschaftsstudenten bei einem Gründerspiel begleitet“, schwärmt Jockisch. Mit fünf Euro Startkapital haben die Studenten nach wenigen Wochen Gewinn erwirtschaftet. Einige dieser Studentenfirmen bekamen Auftragsanfragen aus Berlin. „Ideen und Tatkraft sind in der Region also vorhanden.“

Sein Interesse und sein Engagement für die Region hatte für Klaus Jockisch auch Folgen. Vor einigen Jahren war er bei einer Messe auf die Wirtschaftsjunioren gestoßen. Er schloss sich ihnen an und inzwischen ist er der Präsident der Wirtschaftsjunioren Ostbrandenburg. „Wer viele Anregungen gibt und Kritik äußert, muss sich nicht wundern, wenn er das Heft des Handelns in die Hand gedrückt bekommt.“

alt Wilko Döll

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