9.3.2007
Blickpunkt: Keine Angst vor üblen Gerüchen

Carsten Christ
Firmenchef Carsten Christ.  Foto: W. Döll

In Ostbrandenburg werden erstmals Ausbildungsplätze für den Beruf Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice angeboten.

Carsten Christ hat ein Problem. Der Geschäftsführer der Mayer Kanal- und Rohrreinigung GmbH in Rüdersdorf sucht gute Leute für die Bedienung seiner Hightechmaschinen. „Ich richte deshalb für den kommenden Herbst zwei neue Ausbildungsplätze in der Firma ein“, erzählt der Unternehmer. Er will junge Leute zu Fachkräften für den Rohr-, Kanal- und Industrieservice ausbilden. Bislang gab es diesen Ausbildungsberuf in Ostbrandenburg noch nicht. „Dieses Berufsbild ist erst im Jahr 2002 in Zusammenarbeit mit der IHK und dem Verband Deutscher Rohr- und Kanal-Technik-Unternehmen entstanden“, erklärt Carsten Christ. Deutschlandweit gibt es erst 200 Ausbildungsplätze für den neuen Beruf, obwohl die Branche die Spezialisten dringend benötigt.

„Unsere Kanalreinigungs- oder Kamerafahrzeuge sind zweihundert- bis dreihunderttausend Euro teure Hightechmaschinen und müssen bislang von Anlernkräften bedient werden“, ärgert sich der Unternehmer. 29 Mitarbeiter beschäftigt er in seiner Firma in Rüdersdorf. Sie sorgen mit moderner Technik dafür, dass Rohre und Kanäle nicht verstopfen. Neben der Wartung und Pflege gibt es auch einen Havariedienst. Zu den Kunden der Rüdersdorfer Firma gehören Kommunen, Unternehmen und Privatleute in Berlin und Brandenburg. Die Firma hat gut zu tun in der Region und will sich deshalb selbst Spezialisten heranziehen.

Ausbildung dauert drei Jahre

„Wer Interesse und die nötigen Voraussetzungen hat, kann sich bei uns für den neuen Ausbildungsberuf bewerben“, sagt Carsten Christ. Gesucht werden Schüler mit dem Abschluss der zehnten Klasse. Sie sollten über solide Grundkenntnisse in Physik, Chemie und Mathematik verfügen und sich auch für Fernsehtechnik und EDV interessieren. Für den Umgang mit den Kunden sind gute Umgangsformen gefragt. „Außerdem ist eine gute körperliche Fitness nötig, schließlich muss auch mal ein schwerer Kanaldeckel bewegt werden.“

Die Ausbildung für den neuen Beruf dauert drei Jahre. Die praktische Lehre erfolgt in der Rüdersdorfer Firma, bei Wasser- und Abwasserverbänden und in Partnerunternehmen. Weil der Ausbildungsberuf noch recht neu ist und es bislang erst eine Berufsschule dafür gibt, wird der theoretische Teil der Ausbildung im Blockunterricht in Gelsenkirchen absolviert. „Die Kosten für die Fahrten dorthin und für die Unterkunft werden wir aber übernehmen“, verspricht Christ. Im ersten Lehrjahr verdienen die Auszubilden 498 Euro, im dritten Jahr werden dann 769 Euro gezahlt.

Umgang mit Rohrzange und Computer wird gelernt

In der Ausbildung lernen die jungen Leute, wie Rohr- und Kanalsysteme berechnet und gebaut werden, wie sie funktionieren und wie sie gewartet und gepflegt werden müssen. Auch der Umgang mit typischen Werkzeugen wie Rohrzange oder Flecks  wird unterrichtet. Zu den weiteren Schwerpunkten der Lehre gehören die Ausbildung an großen Spezialfahrzeugen für die Rohr- und Kanalreinigung sowie der Umgang mit Drucksystemen und der Einsatz moderner Computer- und Fernsehtechnik.

Carsten Christ würde seine beiden Lehrstellen im Herbst gern mit jungen Leuten aus der Region besetzen. „Wir leben in diesem Landstrich, erhalten von hier unsere Aufträge und würden deshalb auch der Region gern etwas zurückgeben“, sagt der Geschäftsführer von der Mayer Kanal- und Rohrreinigung GmbH. Der neue Beruf soll deshalb auch den Schulen der Umgebung vorgestellt werden. Am 13. März will er um 14 Uhr auf seinem Firmengelände mit Lehrern und Schülern ins Gespräch kommen. Acht Schulen hat er eingeladen. Vielleicht findet er so zwei geeignete Kandidaten für den neuen Ausbildungsberuf.

alt Wilko Döll

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