14.01.2010
Blickpunkt: Ich bin dann mal weg!

Zwischen Port Rush und Giant's Causeway (J. Scheunemann).JPG
Die "Grüne Insel" hat beeindruckende Küstenlandschaften zu bieten.  Foto: J. Scheunemann

Nicht nur ein Traum: Ein Auslandspraktikum während der Ausbildung

Janine Scheunemann macht bei der IHK Ostbrandenburg ihre Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Während eines Auslandspraktikums lernte sie den Arbeitsalltag in Irland kennen: Ein Erfahrungsbericht.

Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon mal darüber nachgedacht, während seiner Ausbildungszeit für ein paar Wochen ins Ausland zu gehen? Egal, ob der Gedanke schon etwas länger existiert oder gerade erst gesponnen wurde – wenn sich die Entscheidung erst einmal gefestigt hat, stellen sich einem viele Fragen. Gibt es solche Möglichkeiten überhaupt? Wie wird so etwas organisiert? Wer hilft mir dabei?

Ich absolviere meine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation bei der IHK Ostbrandenburg, bin 21 Jahre alt und stelle mir immer öfter die Frage, wie es später mit mir beruflich weitergehen soll. In der heutigen Situation kann man sich nie wirklich sicher sein, ob man nach der Ausbildung auch einen Arbeitsplatz finden wird. Deswegen ist es meiner Meinung nach sehr wichtig, bei späteren Bewerbungen als eine unter vielen hervorzustechen. Wie wäre es also mit einem Auslandspraktikum?

Wie der Stein ins Rollen kam

Vor etwa einem Jahr bin ich im Internet zufällig auf eine Seite gestoßen, die uns Azubis in der betrieblichen Erstausbildung die Chance bietet, praktische Ausbildungs- und Berufserfahrungen in einem anderen europäischen Land zu sammeln. Auf der Internetseite von Azubi-Mobil (www.azubi-mobil.de) gab es viele wertvolle Informationen und einige meiner Fragen wurden gleich beantwortet.

Wie der Zufall es wollte, hat die IHK-Projektgesellschaft mbH, ein Tochterunternehmen der IHK Ostbrandenburg, das Projekt vorgestellt. Für mich saß der Ansprechpartner gleich um die Ecke. Ich habe nicht lange gefackelt und mich sofort dort gemeldet. Dem Auslandspraktikum stand nach einem kurzen, aber intensiven Gespräch nichts mehr im Weg. Mein Wunsch, dieses in Irland zu absolvieren, wurde dabei auch berücksichtigt. Ich war total begeistert und konnte es kaum erwarten, aber bis zur Abreise musste ich dann noch fast sechs Monate warten.

Lust auf Neues

Ev Larsen, Ausbildungsbegleiterin bei der IHK-Projektgesellschaft mbH, und Matthias Werner, Mobilitätsberater bei der IHK Ostbrandenburg, haben mich in den sechs Monaten bei der Reisevorbereitung sehr unterstützt. Bei Problemen oder den unendlich vielen Fragen konnte ich mich immer an beide wenden. Ich erfuhr, dass es für mich nach Londonderry in Nordirland geht und in welcher Firma ich arbeiten würde.

Da ich aber bis zum letzen Tag keine Angaben zur Gastfamilie hatte, wurde mir schon ziemlich mulmig. Aber das ist ein Risiko, was man gerne eingeht. Und unter der Brücke musste auch noch keiner schlafen. Natürlich hatte ich ein bisschen Angst, ob alles gut gehen wird und wie ich die vier Wochen, die mir vorher ziemlich lang vorkamen, überstehen würde. Aber die Neugier und Freude, mal etwas Neues zu entdecken und zu erfahren, waren dann doch größer als die Angst.

Das Abenteuer beginnt

An einem Samstag ging es dann los Richtung Irland. Von Irland war ich schon immer fasziniert, vor allem von der Landschaft. Ich konnte es kaum erwarten, die grüne Insel endlich live zu erleben. Schon im Landeanflug auf Dublin stand mir der Mund offen und meine Augen wurden immer größer. Als ich dann aus dem Flugzeug Richtung Gepäckschalter ging, wurde mir dann tatsächlich erst bewusst, dass ich ganze vier Wochen auf mich alleine gestellt sein würde. Ich war bis dahin noch nie alleine weg, schon gar nicht so lange und so weit von Daheim.

Nette Gastfamilie, nette Kollegen

Da man ja schon in der Grundschule mit dem Englischunterricht anfängt und bis zum Ende der Ausbildung nie damit aufhört, hatte ich keine große Angst vor der Sprache. Nur davor, dass mich keiner versteht. Mit dem Bus ging es dann spät abends, vier Stunden lang, quer durch Irland nach Londonderry. Am Busbahnhof wurde ich schließlich sehr herzlich von meiner Gastfamilie in Empfang genommen. Da alles ziemlich schnell ging, habe ich erst in meinem Zimmer realisiert, dass das meine Gasteltern waren. Wir haben uns in den vier Wochen wirklich sehr gut verstanden. Es war selbstverständlich für mich, mit im Haushalt zu helfen. Der Abwasch Zuhause macht sich ja auch nicht von alleine.

In der folgenden Woche bekam ich von der Foyle Language School, die alles vor Ort für mich organisiert hatte, die Informationen von meiner Firma. Ich habe dort bei einem Versicherungsmakler, DC Mortgage Services, gearbeitet. Eine kleine Firma mit drei Mitarbeitern, die alle sehr nett waren. Das war für mich schon eine große Umstellung, da ich es gewohnt bin, von fast 100 Mitarbeitern umgeben zu sein. Ich hatte dort meinen eigenen Platz, von dem aus ich die Kunden empfangen habe. Zudem war ich für die ankommenden Telefonate sowie das Einsortieren und Erweitern der Kundenakten zuständig.

Keine Sprachprobleme

Mir hat die Arbeit dort sehr viel Spaß gemacht und ich hatte so gut wie keine Sprachprobleme. Im Alltag allgemein hatte ich nie wirklich Probleme, mich zu verständigen. Das war für mich so, als würde ich schon immer Englisch reden. Ich muss dazu sagen, dass jeder, der ein Auslandspraktikum absolviert auch eine Woche einen Englischkurs besuchen muss. Dieser hatte meine Erwartungen jedoch gesprengt. Ich kam mir vor wie in der Grundschule, was aber daran lag, dass man mich dort  falsch eingestuft hatte. Von Businessenglisch war dort nichts zu hören.

Die Insel entdecken

Im Vordergrund des Auslandspraktikums stand natürlich die Arbeit. Aber auch das Kulturelle kam dabei nicht zu kurz. Ein Wochenende war ich in Portrush, ganz im Norden von Nordirland, und habe die Landschaft um mich herum genossen. So grünes Gras habe ich vorher noch nie gesehen. Das war so saftig grün, dass man am liebsten reingebissen hätte. Auch ein stundenlanger Strandspaziergang inklusive Muschelnsammeln sowie Klippenerobern war selbstverständlich.

Ganz in der Nähe von Portrush ist der Giant’s Causeway. Übersetzt „Damm des Riesen“, der aus unendlich vielen gleichmäßig geformten Basaltsäulen besteht und im Meer endet. An meinem letzen Wochenende ging es mit dem Zug die Nordküste entlang nach Belfast. Da ich ziemlich früh angekommen bin, war die Stadt wie ausgestorben und es hat nur geregnet. Regen war eigentlich immer an der Tagesordnung, aber es gab auch Tage nur mit Sonnenschein.

Die Zeit ist nur so verflogen

Das Typische für Irland sind die kleinen Pubs, die dort an fast jeder Ecke zu finden sind. Es ist dort völlig normal für junge Leute, täglich um die Häuser zu ziehen, was für mich am Anfang sehr neu war. So etwas kenne ich von hier nicht. Mit dem Essen dort konnte ich mich überhaupt nicht anfreunden und deutsche Produkte waren sehr teuer. Da wurde sehr oft die Sehnsucht nach Bratwurst mit Sauerkraut oder einem schönen Schnitzel groß. Die vier Wochen dort in Londonderry sind rasend schnell vergangen. Ich war schon ein bisschen traurig, vor allem weil mich die Landschaft fasziniert hat. Die Vorfreude wieder nach Hause zu kommen und die lieben Daheimgebliebenen wiederzusehen, war dann aber doch größer.

Auslandspraktikum: Immer wieder

Ich kann jedem nur empfehlen, so ein Auslandspraktikum zu machen. Das kann nicht nur beruflich von Vorteil sein, es bringt einem persönlich auch sehr viel. Man lernt nicht nur eine ganz andere Kultur und neue Leute kennen. Auch die eigenen Sprachkenntnisse verbessern sich dadurch ungemein. Außerdem kann man seine erlernten Fähigkeiten erweitern und später auch sehr gut einsetzen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass mir diese Möglichkeit gegeben wurde. Ich würde es jederzeit wieder machen wollen.

Service für Unternehmen und Auszubildende
„Ab ins Ausland!“ – diesen Wunsch haben viele Auszubildende und Berufsanfänger. Der Mobilitätsberater der Industrie- und Handelskammern Ostbrandenburg und Cottbus, Matthias Werner, unterstützt Unternehmen dabei, den eigenen Auszubildenden und jungen Berufsanfängern einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen.

Für nähere Informationen und eine individuelle Beratung steht der Mobilitätsberater Matthias Werner telefonisch unter 0335 5621-1540 und per E-Mail unter werner@ihk-ostbrandenburg.de zur Verfügung.

Arbeitsplatz Irland (J. Scheunemann)
Kleine Firma mit netten Mitarbeitern: DC Mortgage Services.  Foto: J. Scheunemann

alt Janine Scheunemann

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