Eine erfolgreich geführte Unternehmensnachfolge
„Im großen und Ganzen lief es stressfrei“, überlegt Doreen Dehne nicht lange. „Es war optimal.“ Die 32-Jährige ist Chefin von drei Angestellten und einer Auszubildenden. Seit gut einem Jahr führt sie das „Buchhaus Jachning“ in Eisenhüttenstadt als Inhaberin. Doreen Dehne ist die Unternehmensnachfolgerin von Christel Jachning.So richtig habe sie nach dem Abitur nicht gewusst, was sie werden wollte. „Ich habe mich einfach drauflos beworben“, sagt Doreen Dehne. Gelesen habe sie schon immer gern, in ihrer Heimatstadt Beeskow war sie Stammleserin der Bibliothek. So landete sie 1996 als Lehrling im „Buchhaus Jachning“ bei Christel Jachning. Diese verkaufte seit 1967 hier Bücher. Die Volksbuchhandlung in der Lindenallee 9 war fünf Jahre zuvor eröffnet worden. 1991 wagte Christel Jachning den Gang ins Unternehmertum und kaufte das Geschäft. „Tja, ich habe nur eine Chefin gehabt in meinem Leben und ich kann mir heute nicht mehr vorstellen, in einem anderen Beruf zu arbeiten“, lacht Doreen Dehne. Offensichtlich war es die richtige Chefin. Christel Jachning hat ihr die Leidenschaft zum Buchhandel und die Verantwortung fürs Geschäft eingepflanzt.
Die Unternehmensnachfolge war noch weit weg
Im Geschäft und unter den Kolleginnen machte Christel Jachning deutlich, wie sie sich ihren Lebensabend und den Geschäftsausstieg vorstellte. Da die eigenen Kinder andere Berufe haben, die Enkelkinder noch zu jung waren, sprach die Inhaberin auch mit ihren Angestellten über die Unternehmensnachfolge. „Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht“, erzählt Doreen Dehne. „Bevor man irgendeinen Chef vorgesetzt bekommt, mach’ ich es doch lieber selbst. Aber irgendwie war das noch weit weg“ Schließlich wollte Christel Jachning über ihr Rentenalter hinaus arbeiten und Doreen Dehne gründete eine Familie.
Doch dann musste die Unternehmensnachfolge aus mehreren nicht vorhersehbaren Gründen schneller verwirklicht werden als geplant. Die Frauen waren sich einig und legten los. Noch vor den Gesprächen mit den Banken absolvierte Doreen Dehne einen Existenzgründerlehrgang bei der IHK. Die Verhandlungen bei den Kredithäusern zogen sich hin. Der Kredit konnte aber unter Mitwirkung vieler Beteiligter gestemmt werden.
Eine Marke gibt man nicht auf - der Name blieb
In Summen nicht zählbar war die Unterstützung durch Christel Jachning. Gemeinsam erledigten die Frauen Ummeldungen. Bei Verlagen, beim Deutschen Börsenverein, beim Vermieter, Stadtwerken und anderen Geschäftspartner traten sie gemeinsam auf. Stammkunden wie Schulen und Firmen wurden gemeinsam auf den Wechsel aufmerksam gemacht. Nicht nur ein Unternehmensberater hatte Doreen Dehne empfohlen, den Namen „Buchhaus Jachning“ zu behalten. Eine Marke gebe man nicht einfach so auf. Christel Jachning konnte auch tatsächlich von heute auf morgen den Schlüssel abgeben. „Sie sagte: ‚Sie haben viel gelernt und viele Erfahrungen gemacht. Sie haben gesehen, wie ich das gemacht habe. Jetzt gehen Sie Ihren Weg.“, erinnert sich Doreen Dehne. Jederzeit kann sie sich mit Fragen an ihre Vorgängerin wenden.
Die erste Investition galt einem neuen Warenwirtschaftssystem: „Jetzt brauchen wir nicht mehr im Regal nachzusehen, ob wir den Titel noch da haben.“ Dafür nutzte sie Fördermittel über ein Investitionsprogramm. Die IHK half ihr auch eine Auszubildende zu finden. „Frau Jachning war ja nicht mehr da und auch nicht mehr ihr Mann, der für uns die Auslieferung und viele Botengänge erledigte.“ Die junge Eisenhüttenstädterin passt ins Team und hat das Credo ihrer jungen Chefin längst verinnerlicht: „Kunden binden wir über unseren Service.“
Viel zu wenig Zeit bleibt Doreen Dehne für ihre Familie und das Lesen. Aber ihre vierjährige Tochter liebt bereits Bücher und hat schon gesagt: „Wenn ich groß bin, komme ich mit und verkaufe die Bücher für die Kinder und du die für die Großen.“
IHK/Norma Groß

