Energieberater Heiko Seelig. Foto: W. Döll
Der effektive und kostengünstige Energieeinsatz ist besonders in Zeiten des Klimawandels wichtig für eine ökonomisch und ökologisch ausgeglichene Unternehmensbilanz.
„Wer Energie sparen möchte, muss erst einmal investieren.“ Energieberater Heiko Seelig meint damit aber keineswegs nur finanzielle Investitionen. „Auch Denkleistung muss investiert werden, denn erfolgreiche Energiesparpläne lassen sich nur mit Kopf, Herz und Verstand umsetzen.“ Bevor ein Unternehmen an das Energiesparen geht, sollte erst eine gründliche Analyse des Verbrauchs erfolgen. Dabei muss geprüft werden, welche Energiemenge für die Heizung von Büro- und Produktionsräumen nötig ist und wie viel Strom für die Beleuchtung verbraucht wird. „Erst danach können Experten das Einsparpotential der einzelnen Unternehmen berechnen“, sagt Seelig. „Planmäßiges Vorgehen ist dabei viel effektiver und kostengünstiger als blinder Aktionismus.“Es gibt viele Möglichkeiten, den Energieverbrauch in Unternehmen zu senken und damit auch die Produktionskosten zu drücken. Für die Erzeugung von Wärme für die Heizung und die Warmwasserbereitung können beispielsweise Solarkollektoren eingesetzt werden. Für die Anschaffung müssen pro 100 Quadratmeter Kollektorfläche rund 10.000 Euro eingeplant werden. Die Anlage senkt aber die laufenden Energiekosten und zahlt sich so schon nach einigen Betriebsjahren aus. Außerdem wird der Bau solchen Anlagen in Deutschland auch gefördert. „Viele verschiedene Träger bieten dafür bei uns rund 4.600 Förderprogramme an“, erklärt der Energieberater. Der Laie blickt da kaum noch durch, mitunter werden deshalb nicht alle zur Verfügung stehenden Fördermittel abgerufen.
4.600 verschiedene Förderprogramme
Hilfen im Förderdschungel für solarthermische Anlagen geben Energieberater, die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und auch das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle. „Die KfW hilft mit zinsgünstigen Krediten, denn sie hat verschiedene Programme zur Co2-Reduzierung und das Bundesamt fördert beispielsweise den Bau solarthermischer Anlagen mit 40 Euro pro Quadratmeter Kollektorfläche“, sagt Seelig. Interessenten können sich über Solaranlagen, ihren Bau und die Finanzierung aber auch im Internet informieren. „Unter www.solarserver.de werden Prinzipien erklärt sowie Förderprogramme und Baufirmen vorgestellt.“
Auch Photovoltaikanlagen können die Energiekosten in Unternehmen senken. Interessierte Firmen müssen dafür nur auf ihrem Gelände Solarkollektoren aufstellen. Der aus dem Sonnenlicht gewonnene Strom wird dann an die Energieversorger verkauft. „Die sind per Gesetz zur Abnahme verpflichtet und müssen zurzeit pro Kilowattstunde Sonnenstrom 49,21 Cent (netto) an den Lieferanten zahlen“, rechnet Heiko Seelig vor. Die hohen Anschaffungskosten der Solarstromanlagen amortisieren sich allerdings erst nach einigen Jahren.
Auch Energiekonzerne unterstützen das Sparen
Heizkosten für Bürowärme und Warmwasserbereitung können aber auch mit dem Einsatz von Wärmepumpen gesenkt werden. Die entziehen der Luft, dem Grundwasser oder dem Boden Energie und geben sie in Form von Wärme wieder ab. „Weil diese Pumpen mit Strom betrieben werden, wird die Anschaffung von einigen großen Energieerzeugern mit 500 Euro pro Anlage gefördert“, sagt Heiko Seelig.
Zur Senkung der Energiekosten tragen aber auch eine gute Wärmeisolierung und moderne Fenster bei. Auch für Sanierungen in diesem Bereich gibt es zahlreiche Förderprogramme von der EU, dem Bund und den Ländern. „Relativ neu und teilweise noch unbekannt ist die Förderung von Dachbegrünungen. Auch damit wird eine Wärmedämmung erreicht und gleichzeitig der Wasserhaushalt auf dem jeweiligen Grundstück reguliert“, erklärt der Fachmann.
Energieeinsatz richtig planen
Die Reduzierung des Energieverbrauchs kann für Unternehmen auch steuerlich sehr interessant sein. „Wenn beispielsweise für die Modernisierung von Anlagen Fremdkapital eingesetzt wird, ist indirekt auch das Finanzamt ein Förderer“, sagt Heiko Seelig.
Allerdings gibt es kein Patentrezept für das Energieeinsparen und somit auch für die Kostensenkung in den Unternehmen. „Das Einsparpotential hängt immer von den konkreten Bedingungen in der jeweiligen Firma ab.“ Heiko Seelig plädiert deshalb für eine genaue Planung und Berechnung des nötigen Energieeinsatzes. Erst danach können die dazu passenden Anlagen ausgewählt sowie die Finanzierung und die vielleicht mögliche Förderung organisiert werden.
Wilko Döll

