27.04.2010
Blickpunkt: Schüler erkunden Unternehmen

Zukunftstag 2010, E.ON edis
Konrad Schotte, Azubi bei E.ON edis, zeigt Schülern vor dem Werkstattwagen einen Mittelspannungsprüfer.  Foto: S. Hölscher

Zukunftstag 2010 lockt Mädchen und Jungen in die Betriebe

Welche Ausbildungsmöglichkeiten in der Region gibt es? Welche Zugangsvoraussetzungen haben die verschiedenen Berufe? Wie sieht es in einem Unternehmen hinter den Kulissen aus? Genau darum ging es am 22. April: Einen Einblick in Unternehmen bekommen und das Arbeitsleben hautnah erleben – diese Gelegenheit nutzten mehr als 5.000 Brandenburger Jugendliche am achten Zukunftstag für Mädchen und Jungen.

Ein besonderes Angebot gab es für Schüler aus den Landkreisen Barnim und Oder-Spree. Die Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg hatte gemeinsam mit den Barnimer Netzwerk Fachkräftesicherung für Barnimer Schüler eine Bustour zu Betriebsbesichtigungen in Fürstenwalde und mit dem Verein „Kita-Schule-Wirtschaft im Landkreis Oder-Spree“ Betriebsbesichtigungen für Fürstenwalder Schüler im Barnim organisiert. Das Ziel dieser Aktion war es, den Jugendlichen einen Blick über den Tellerrand hinaus zu ermöglichen und  ihnen Ausbildungsberufe außerhalb ihres Landkreises nahezubringen. Für die Schüler aus dem Barnim begann der Zukunftstag bereits früh am Morgen. Gegen 7 Uhr ging es für die 17 Mädchen und Jungen, die sich im Vorfeld für die Betriebsbesichtigungen angemeldet hatten, mit dem Bus nach Fürstenwalde.

10.000 Autoreifen am Tag

Die erste Station der Jugendlichen: Die Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH, die mit 750 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Fürstenwalde ist. „Wir sind Teil eines weltweit agierenden Unternehmens“, erklärte Mirko Heinschke, der Ausbildungsverantwortliche, seinen jungen Besuchern. 10.000 Autoreifen werden täglich in dem Fürstenwalder Werk produziert. Das Unternehmen ist Erstausrüster für Hersteller wie BMW, Audi und Skoda, die Ansprüche an die Reifen sind hoch: Sie müssen bei unterschiedlichen Witterungsverhältnissen optimale Bremsleistungen bringen, sind für das Kurvenverhalten eines Fahrzeugs mitverantwortlich und müssen auch bei Geschwindigkeiten über 250 km/h fehlerfrei funktionieren.

So hoch wie bei Goodyear Dunlop die Anforderungen an die Reifen sind, so hoch sind auch die Anforderungen an die Mitarbeiter und die zukünftigen Auszubildenden. „Deshalb müssen alle zukünftigen Azubis bei uns ein rigoroses Auswahlverfahren bestehen“, so Heinschke. „Wenn die Azubis gute Leistungen bringen, dann steht auch einer Übernahme nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung nichts im Wege“, berichtete der Ausbildungsverantwortliche. Die Fürstenwalder bilden Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik, Mechatroniker, Industriemechaniker, Elektroniker und Zerspanungsmechaniker aus.

Heiße Sache in der Gießerei

Nach Dunlop Goodyear erlebten die Barnimer Schüler den Alltag in einer Gießerei: bei der Duktil Guss GmbH. Beim Betriebsrundgang ging es vorbei an den beiden Schmelzöfen. Vorbei an den vollautomatischen Formanalgen, die das bis zu 1550 Grad Celsius heiße flüssige Eisen in die vorgegebene Form gießen. Vorbei am Prüflabor, wo die Qualität des Gusses getestet wird, bis in die Kernmacherei, wo die Kerne der Gussteile gefertigt werden. „Die Chancen für junge Menschen bei Duktil Guss sind gut“, sagte Reinhard Rummert, Produktionsleiter und verantwortlich für die gewerbliche Ausbildung. In der Gießerei, die hundertprozentige Tochter der Hawle Armaturen GmbH ist, werden vornehmlich Armaturen und Kundenprodukte wie Anhängerkupplungen für die Fahrzeugindustrie und Weichenteile für die Deutsche Bahn gegossen.

„Wir haben einen hohen Bedarf an Fachkräften“, so Rummert. Deshalb bilde das Unternehmen auch aus: Modellbauer, Gießereimechaniker, Werkstoffprüfer und Industriemechaniker. „Wenn die wirtschaftliche Lage, die Leistungen des Azubis und die soziale Komponente stimmen, dann steht einer Übernahme nach der Ausbildung nichts im Wege“, erklärte der Produktionsleiter. Nicht nur im Gießereibetrieb kann man bei Duktil eine Ausbildung absolvieren, auch in der Verwaltung werden regelmäßig Industriekaufleute ausgebildet.

Ausbildung bei EO.N edis

Der letzte Halt der Schülergruppe war die E.ON edis AG. Dort stellten zwei Azubis des Unternehmens, Carolin Antemann und Sebastian Hennig, ihnen die Ausbildungsmöglichkeiten bei dem Energiedienstleister mit Sitz in Fürstenwalde vor. Das Unternehmen bildet Industriekaufleute, Kaufleute für Bürokommunikation, Elektroniker für Betriebstechnik sowie Bachelor of Engeneering und Bachelor of Science aus. Ausbildung ist der E.ON edis AG, die 2000 Mitarbeiter hat und 1,3 Millionen Kunden in der Region mit Strom und Gas versorgt, wichtig. „Die Bewerbung muss die letzten Zeugnisse, ein Anschreiben, einen Lebenslauf und ein Bewerbungsfoto enthalten“, beschrieb Günter Fest, bei E.ON edis für die kaufmännische Ausbildung verantwortlich, die Anforderungen an die Bewerbung. Bewerber mit unentschuldigten Fehlstunden auf dem Zeugnis würden gleich aussortiert, denn „wir brauchen zuverlässige Mitarbeiter“, betonte Fest. Aus den Bewerbern werden schließlich diejenigen ausgewählt, die zum Eignungstest eingeladen werden.

„Wo mündet die Donau?“, fragte Fest die Schüler. Keine Antwort. „Was ist das Lieblingsessen von Obelix“, lautete seine nächste Frage. Und diesmal kannten die Jugendlichen die Antwort: Wildschwein. Beides Fragen aus dem Eignungstest von E.ON edis, mit denen Fest den Mädchen und Jungen deutlich machen wollte, wie unterschiedlich die Fragen sind. Neben Fragen zum Allgemeinwissen erwarten die Bewerber in dem Test außerdem Rechenaufgaben, Aufgaben zu Rechtschreibung und Grammatik sowie Konzentrationsaufgaben. Nach erfolgreich bestanden Eignungstest kommt dann das Vorstellungsgespräch. Wenn auch dort alles gut gelaufen ist, dann steht für die zukünftigen Auszubildenden die Unterzeichnung des Ausbildungsvertrages an. „Das machen wir immer im feierlichen Rahmen, bei dem die Eltern dabei sind“, so Fest. Dieses Bewerbungsverfahren hat auch Konrad Schotte durchlaufen. Jetzt ist er Auszubildender bei der E.ON edis AG, lernt Elektroniker für Betriebstechnik, ist im dritten Lehrjahr. Den Barnimer Schülern zeigte er am Zukunftstag, wie ein so genannter Werkstattwagen, der bei Netzstörungen zum Einsatz kommt, von innen aussieht.

Drei Unternehmen, drei unterschiedliche Tätigkeitsbereiche – am Zukunftstag gab es einiges zu sehen. „Auch wenn vielleicht nicht der Beruf dabei war, den ich einmal lernen will“, sagte einer der Schüler, „interessant waren die Einblicke auf jeden Fall.“ Die Jugendlichen aus dem Landkreis Oder-Spree hatten übrigens auch einen spannenden Zukunftstag: Bei ihnen standen Besuche bei der Repower Geothermie GmbH in Breydin, bei der DB Netz AG in Eberswalde und bei der Finow Automotive GmbH in Eberswalde auf dem Programm.
Zukunftstag 2010, Goodyear Dunlop Tires Germmany GmbH
Mirko Heinschke von Goodyear Dunlop erklärt zwei Jugendlichen, wie ein Reifen aufgebaut ist.  Foto: S. Hölscher

alt Sandra Hölscher

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