Hier beherbergte Walther Rathenau deutsche Dichter wie Gerhart Hauptmann und Fritz von Unruh. Foto: Schlichtholz.
Bad Freienwalde bietet als Ausflugsziel neben preußischen Erinnerungen die Gelegenheit zur körperlichen Ertüchtigung
"Freienwalde – hübsches Wort für hübschen Ort. Seine Rechtschreibung schwankt;aber ob wir Freienwalde schreiben (von „frei im Wald“) oder Freyenwalde (von Freyja im Wald)... Freienwalde hatte von Alters her ein Schloss, erst ein Uchtenhagensches, dann ein Kurfürstliches, zuletzt ein Königliches... Es ist eine Bergstadt, aber nicht minder ist es ein Badeort, eine Fremdenstadt", schrieb Theodor Fontane in seinen Wanderungen über das zwischen den Hügeln des Barnim und den Wiesen des Oderbruchs eingebettete Städtchen.
Der gichtkranke Landesherr
Sein Aufstieg vom unscheinbaren Dorf zum ersten preußischen Staatsbad begann 1684 mit der Entdeckung eines "mineralischen Quellwassers" zur Heilung von Leib- und Gliederschmerzen. Im Jahr darauf gründete der gichtkranke Landesherr, Kurfürst Friedrich Wilhelm, den Freienwalder Gesundbrunnen, den er selbst noch oft besuchte.
Die verwitwete Königin
Etwa einhundert Jahre später kam Friederike Luise regelmäßig nach Freienwalde. Die Königin fand Gefallen an dem idyllischen Ort und ließ sich deshalb auf dem Apothekerberg ihren sommerlichen Witwensitz bauen. Nach ihrem Tod bewog die Hofkammer den Verkauf und 1909 erhielt der Großindustrielle Dr. Walther Rathenau aus Berlin den Zuschlag.
Der Industrielle, Zeitkritiker und Politiker
„Der spätere Außenminister verfasste hier viele seiner wissenschaftlichen Schriften, griff in Musestunden aber auch gern selbst zu Pastellstiften und Papier“, erzählt Karl Friedrich Hinkelmann, der noch etliche Anekdoten zu berichten weiß. Weiter erfährt man: „Im Schloss waren Gäste immer herzlich willkommen, so u.a. Anette Kolb, Gerhart Hauptmann und Carl Sternheim. Fritz von Unruh schrieb hier sogar während eines Sommeraufenthaltes das Drama, Louis Ferdinand - Prinz von Preußen“. 1919 gab Rathenau im Rahmen der von ihm gegründeten Stiftung sein Haus zur Besichtigung frei, das nach umfangreicher Sanierung heute wieder als museales Kleinod unter den preußischen Schlössern zur Audienz bittet.
Der heutige Schlossherr empfiehlt
„Meine Führung beginnt im Vestibül, dass seiner Zeit von Rathenau neu gestaltetet wurde. Über das Treppenhaus geht es in die obere Etage. Hier“, schwärmt Hinkelmann, „sind zum Teil einmalige Briefe, historische Fotos, selbst gemalte Pastelle, Zeichnungen und zwei original erhaltene Schreibtische des ehemaligen Hausherrn zu sehen“. Parterre laden wie vor gut 200 Jahren noch immer die Repräsentationsgemächer zum Besuch. Die königliche Beletage mit Speise- und Sommersaal, Toiletten- und Frühstückszimmer sowie Blauem Salon macht durch die gezeigten Originalmöbel, Gemälde, Büsten und Porzellane die ursprüngliche Ausstattung und die Schlossgeschichte vorstellbar.
Anschließend noch zwei Empfehlungen vom Museumsdirektor, Dr. Reinhard Schmook: „Nur wenige Minuten entfernt findet man unser Oderlandmuseum. Im Loebenschen Freihaus, einem der schönsten Gebäude aus dem 18. Jahrhundert direkt am Markt, erzählen antike Fundstücke, Dokumente und historische Fotos über die Oderbruchbesiedlung und man erfährt z. B., dass Bad Freienwalde der älteste Kur- und Badeort der Mark Brandenburg ist. Auch Wanderfreunde kommen bei uns auf ihre Kosten. Die Berge, die Freienwalde im Südwesten begrenzen, werden von weithin sichtbaren Aussichtstürmen wie Bismarck-, Eulen-, Schanzen- und dem Aussichtsturm auf dem Galgenberg gekrönt. Auf unserem zwölf Kilometer langen Wanderweg kann man alle vier Aussichtspunkte erreichen und die herrliche Natur von oben genießen“. Hier kann das wohl deutschlandweit einmalige Turm-Diplom erstiegen werden.
Königin Friederike Luise ließ sich dieses Sommerpalais in Bad Freienwalde bauen. Foto: Schlichtholz.
Hans-Joachim Schlichtholz

