27.07.2010
Service: Mit Passivität Geld sparen

Sparschwein

Passivhäuser sind gut für die Umwelt und gut für den Geldbeutel

Heiko Seelig denkt weit voraus. „Ab dem Jahr 2019 dürfen in der EU nur noch Null-Energie-Häuser gebaut werden“, erklärt der Energieberater. „Diese Gebäude müssen also ohne Heizung auskommen und dürfen auch das Warmwasser nicht mit Öl oder Gas, sondern nur alternativ aufbereiten.“ Was sich im ersten Moment für den Laien unmöglich anhört, ist für den Fachmann schon fast Wirklichkeit. „Hier in Deutschland setzen schon jetzt viele Bauherren auf das Passivhaus“, sagt Seelig. „Das ist eine Art Vorstufe des Null-Energie-Hauses.“

Das Passivhaus muss schon jetzt fast ohne zusätzliche Energiezufuhr auskommen. Der Jahresverbrauch darf 15 Kilowatt pro Quadratmeter Fläche nicht übersteigen. „In Öl umgerechnet sind das etwa 1,5 Liter pro Jahr und Quadratmeter“, erklärt Seelig. Bei einem durschnittlichen Einfamilienhaus wären das etwa 150 bis 200 Liter Öl im Jahr. Herkömmliche Häuser verbrauchen dagegen jährlich einige tausend Liter Öl für die Heizung und die Warmwasserbereitung.

Passivhäuser halten Wärme fest

Passivhäuser schaffen die enorme Energieeinsparung, weil sie anders gebaut sind und nicht über eine herkömmliche Heizung verfügen. „Ganz einfach gesagt, geben die Wände, das Dach, die Haustür und die Fenster so gut wie keine Wärme mehr an die Umgebung ab.“ Wände und Dach verfügen über eine exzellente Dämmung und die Fenster entsprechen den neusten technischen Möglichkeiten. „Moderne Fenster geben pro Stunde und Quadratmeter nur noch 0,8 Watt an die Umgebung ab“, erklärt der Energieberater. Bei alten Fenstern liegt dieser Wert bei fünf Watt. Außerdem besitzen Passivhäuser eine Besonderheit. „Sie sind absolut dicht. Kein Luftzug kann nach außen entweichen und damit geht auch keine Wärme, also Energie verloren.“

Diese Luftdichtheit erfordert allerdings auch eine Belüftungsanlage im Passivhaus. Sie regelt die Frischluftzufuhr, funktioniert aber gleichzeitig auch als Heizung, denn sie sorgt auch für die richtige Temperatur in den einzelnen Räumen. Sie arbeitet wie ein Wärmetauscher, nimmt beispielsweise die Wärme aus sonnenüberfluteten Zimmern und die Abwärme von technischen Geräten auf und nutzt sie für andere Zimmer oder für die Warmwasserbereitung. „Wird die Belüftungsanlage dann noch mit Thermosolarzellen auf dem Dach gekoppelt, kann auf eine weitere Energiezufuhr für die Heizung fast verzichtet werden“, sagt Seelig.

Auch alte Häuser lassen sich zum Passivhaus umbauen

Die hohen Energieeinsparwerte beim Passivhaus lassen sich beim Neubau schnell erreichen. Bei der Planung und Projektierung des Gebäudes müssen nur die energetisch günstigsten Baumaterialien und die entsprechenden Bauverfahren berücksichtigt werden. Schwieriger ist die Umrüstung eines altes Hauses zum Passivhaus. Türen und Fenster lassen sich noch relativ leicht anpassen. Bei der Hausdichtheit, dem Keller, Dach oder der Fassade aber könnte es Probleme geben. „Dort sorgen beispielsweise Erker oder Dachgauben für große Wärmeverluste, die nur schwer in den Griff zu bekommen sind.“ Trotzdem plädiert Heiko Seelig auch bei Altbauen für den Umbau zum Passivhaus. „Wenn ohnehin Bauarbeiten anstehen, sollte immer auch an den energetischen Aspekt gedacht werden“, empfiehlt der Energieberater. „Mein Gebäude erhält durch den energetischen Umbau sofort eine Wertsteigerung und nach einigen Jahren habe ich durch den geringeren Energieverbrauch auch die Kosten für den Umbau wieder rein.“  

Für den Neubau von Passivhäusern und der Sanierung bestehender Gebäude zum Passivhaus gibt es aber auch verschiedene Förderungen. Die KfW-Bank ist ein Ansprechpartner dafür. „Die Förderungen richten sich beim Neubau und der Sanierung jeweils nach dem Wert der erreichten Energieeinsparung“, betont Heiko Seelig. „Neben günstigen Krediten sind auch Investitionszuschüsse und ein Tilgungszuschuss möglich.“ Die genauen Zahlen sind natürlich vom konkreten Bauprojekt abhängig. „Wer also den Neubau eines Hauses oder die energetische Sanierung seines Gebäudes plant, sollte deshalb unbedingt vor Baubeginn mit einem Energieberater reden.“
Heiko Seelig
Energieberater Heiko Seelig. Foto: W. Döll.

alt Wilko Döll

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