4.8.2010
Blickpunkt: Kommunikation statt Konfrontation

Rainer Knauber Vattenfall
R. Knauber, Generalbevollmächtigter der Vatenfall Europe AG. Foto: Vattenfall.

Die Vattenfall Europe AG setzt in der Diskussion über CCS auf Dialog und Sachlichkeit.

FORUM sprach mit Rainer Knauber, Generalbevollmächtigter der Vattenfall Europe AG, über die in Ostbrandenburg heftig diskutierte CCS-Technologie und über den Zukunftspreis Brandenburg.

Warum unterstützt nun auch Vattenfall als Förderer den Wettbewerb um den Zukunftspreis?

Wir sind ein Unternehmen, dass auch in Brandenburg tätig ist und für Innovation steht. Wir prägen und gestalten dieses Land mit und sehen in vielen Bereichen eine positive Entwicklung. Deshalb wollen auch wir andere Unternehmen unterstützen, die mit ihren Ideen an dieser Entwicklung teilhaben.

Wie will sich Vattenfall in den Wettbewerb einbringen?

Wir haben sehr viele Kontakte zur regionalen Wirtschaft und stoßen somit in einigen Firmen auch auf ganz besondere Ideen, die es Wert sind, ausgezeichnet zu werden. Wir werden deshalb für den Zukunftspreis werben und auch selbst Unternehmen für die Auszeichnung vorschlagen.

Welche Unternehmen haben den Zukunftspreis verdient?

Es geht um gute, innovative Geschäftsideen. Wer diese Ideen mit Mut, Engagement und wirtschaftlichem Sachverstand auf dem Markt umsetzt, hat einen solchen Preis verdient.

Auch Vattenfall selbst setzt bei der Stromerzeugung auf innovative Ideen und Zukunftstechnologien. Bei der Kohleverstromung will Vattenfall künftig das CO2 abtrennen und unter der Erde einlagern. Warum möchte Vattenfall die sogenannte CCS-Technologie einsetzen?

Das Problem bei der Stromerzeugung ist nicht die Kohle, sondern das CO2. Die Kohle wird in diesem Jahrhundert der wichtigste Energieträger bleiben. Ohne diese CCS-Technologie wird weiterhin CO2 in großen Mengen in die Atmosphäre entweichen und wir könnten die von Politik und Gesellschaft gewollten Klimaschutzziele nicht erreichen.

Welche Alternative gibt es zu CCS?

Wir müssten uns von den Klimaschutzzielen verabschieden oder aber den Energieverbrauch enorm senken. Der Weltklimarat hat ausgerechnet, dass ohne den Einsatz von CCS und anderen modernen Technologien bei gleichem Energieverbrauch die Temperatur auf der Erde um mehr als zwei Grad steigt. Es geht als nur um eine Frage: Wird Kohle verstromt oder wird sie mit CCS verstromt?

In Ostbrandenburg soll bei Beeskow und im Oderbruch getestet werden, ob dort eine unterirdische Einlagerung von CO2 möglich ist. In der Region gibt es gegen dieses Vorhaben Protest. Wie geht Vattenfall damit um?

Bei allen Großprojekten dieser Art wird es immer eine große Zahl von Einwänden geben. Wir treten diesen Einwänden mit Sachlichkeit und Fakten gegenüber, denn wir nehmen die Besorgnisse der Leute ernst. Wir möchten alle offenen Fragen aus dem Weg räumen und setzen deshalb auf Kommunikation und nicht auf Konfrontation.

Wie wollen Sie die Kritiker von CCS überzeugen und für die Technologie gewinnen?

Wir haben ja aus dem Bergbau gute Erfahrungen im Umgang mit besorgten Bürgern und Gemeinden und dort viele Probleme auch gemeinsam lösen können. Der Dialog zu CCS hat ja an vielen Stellen schon begonnen. Es ist beispielsweise ein CCS-Beirat gebildet worden, in dem Vertreter der Region mitarbeiten. In der Politik wird gegenwärtig diskutiert, ob die betroffenen Gemeinden über eine Speicherabgabe an der Wertschöpfung der CO2-Einlagerung beteiligt werden können. Wir sind offen für diese Diskussion. Wir wehren uns aber gegen falsche Aussagen. Es ist noch keine Entscheidung zur CO2-Einlagerung gefallen. Momentan wollen wir erst noch mit wissenschaftlichen Methoden prüfen lassen, ob der Untergrund überhaupt dafür geeignet ist. Sollte sich herausstellen, dass eine Einlagerung nicht möglich ist, werden wir daraus unsere Konsequenzen ziehen.

Die Politik behandelt CCS sehr gegensätzlich. Viele Regionalpolitiker sind dagegen, viele Landespolitiker dafür. Was erwartet Vattenfall von der Politik?

In Brandenburg wird erstmals solch ein CCS-Projekt realisiert. Die EU-Kommission betrachtet dieses Vorhaben als das beste Projekt dieser Art in Europa und fördert es mit 180 Millionen Euro. Von der Politik hoffen wir, dass dieses wichtige und zukunftsträchtige Infrastruktur- und Energieprojekt mit getragen wird und die Bedeutung und Notwendigkeit solcher Projekte auch vor Ort verdeutlicht werden. Außerdem erwarten wir, dass ein adäquater Rechtsrahmen für die Umsetzung dieser Zukunftstechnologie geschaffen wird. Deshalb freuen wir uns auch, dass nun im Herbst das Gesetzgebungsverfahren für CCS beginnt.

alt Wilko Döll

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