13.08.2010

Software aus Strausberg überwindet Sprachbarrieren

Hans-Joachim Karl
H.-J. Karl zeigt seine Sprachsoftware. Foto: W. Döll.

XLingua erleichtert das Verständnis zwischen Nachbarn

Hans-Joachim Karl aus Strausberg hat Schülern, Germanisten, Journalisten und Übersetzern einen lang gehegten Traum erfüllt und ihnen ein ganz besonderes Sprachwerkzeug geschenkt. „XLingua ist kein Duden, kein Wörterbuch und keine Wortschatzsammlung, sondern ein völlig neues Hilfsmittel für den Sprachgebrauch“, erzählt der Diplom-Mathematiker. „Unsere Software bietet viel mehr Möglichkeiten als andere vergleichbare Angebote auf der Welt.“ Der Geschäftsführer des Computer Zentrums Strausberg hat die Software für das Internet zusammen mit seinen Mitarbeitern entwickelt.

Die Idee für XLingua entstand im Alltag. Als Polen der EU beitrat, wollte das Computer Zentrum auch im Nachbarland tätig werden. Hans-Joachim Karl begann deshalb, die polnische Sprache zu lernen. Die vielen Zischlaute der slawischen Sprache und ihre Grammatik mit den sieben Fällen bereiteten ihm anfangs Probleme. „Aber ich merkte schnell, dass auch Polen beim Erlernen der deutschen Sprache einige Sorgen haben“, erzählt Karl. Also schaute sich der diplomierte Mathematiker die Struktur der beiden Sprachen an und entwickelte dann eine Software für Deutsch und Polnisch. „Meine Idee war, die Grundwörter der jeweiligen Sprache zu erfassen und daraus alle möglichen Wortableitungen, also die Deklinationen, Konjugationen und die grammatikalischen Besonderheiten herzuleiten“, erklärt der Mathematiker. „Der Rest war im Zeitalter der heutigen EDV dann kein Problem mehr.“

Kinderleichte Bedienung

Inzwischen enthält XLingua 40.000 polnische Wörter. Über www.xlingua.de kann jeder im Internet die Sprachsoftware kostenlos nutzen. Die Bedienung ist kinderleicht. Wer beispielsweise für das deutsche Wort Grenze die polnische Übersetzung sucht, sieht sofort, dass es einmal das deutsche Substantiv Grenze und dafür zehn polnische Übersetzungen und es außerdem das deutsche Verb grenzen und dafür wiederum zwei polnische Verben gibt. Klickt der Internetnutzer nun auf eines dieser Verben oder Substantive werden sofort alle möglichen Zeitformen des Verbs, der Imperativ und auch die Konjunktivformen sowie die Deklination des Substantivs angezeigt. „Mit dieser Fülle der Sprachinformationen dürften wir mit unserer Software einzigartig sein“, sagt Karl. Die Suche und Anzeige kann natürlich in deutscher oder polnischer Sprache erfolgen und auch die Rückwärtssuche, also vom abgeleiteten Wort zum Grundwort, ist möglich.

Bislang ist XLingua in seiner jetzigen Form noch eine Art Prototyp und Hobby des Geschäftsführers. „Der Name XLingua ist aber inzwischen in Europa geschützt und wir sehen große Chancen, die Software auch zu vermarkten“, betont Hans-Joachim Karl. Schon jetzt arbeitet das Computer Zentrum mit mehreren Universitäten und Hochschulen in Polen zusammen.

Weitere Sprachkombinationen in der Entwicklung

„Was mit Deutsch und Polnisch funktioniert, geht aber natürlich auch mit anderen Sprachen“, deutet der Mathematiker an. Im Strausberger Computer Zentrum wird schon über ein XLingua-Angebot in Russisch nachgedacht. Ein anderes Projekt ist schon weiter. „Wir bauen XLingua gerade für die Sprachen Französisch und Wolof auf.“ Diese Variante soll im Senegal als Mittler zwischen den Bevölkerungsschichten dienen. „Die Bildungssprache ist dort Französisch, aber nur zehn Prozent beherrschen diese Sprache, die anderen Senegalesen sprechen Wolof.“ Ein Praktikant aus Afrika hat mehrere Wochen in Strausberg verbracht und im Computer Zentrum seine Diplomarbeit geschrieben und an XLingua mitgearbeitet. Im Sommer flog Hans-Joachim Karl in den Senegal zur Uni von Dakar. Das Interesse an der Software dort ist sehr groß, denn momentan werden neue Bildungsprogramme für das Land entwickelt. In Afrika ist die Internetanbindung aber nicht so verbreitet wie in Europa, das Handynetz ist jedoch ähnlich. „Also haben wir schon Applikationen entwickelt, wie die Software vom Handy aus genutzt werden kann.“

Hans-Joachim Karl spricht inzwischen halbwegs polnisch und versteht die Sprache des Nachbarlandes sehr gut. Die Software XLingua wird er trotzdem weiterentwickeln, denn er ist begeistert von ihren Möglichkeiten. „Sie trägt zum Verständnis der Menschen füreinander bei, denn jetzt kann jeder in sekundenschnelle per Internet oder Handy die richtige Übersetzung finden.“ Er freut sich, wenn ein polnischer Schüler die Software für seinen deutschen Abituraufsatz nutzt, ein deutscher Journalist das schwierige Wort aus dem Leitartikel einer polnischen Zeitung doch versteht oder ein polnischer Germanist die Wortspiele deutscher Dichter erkennt.

alt Wilko Döll

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