04.04.2007
Unternehmen: Der Aufstieg mit 50

BK - Kunststoffe Bernau
Die Firmengründer W. Grünberg (l.) und G. Latka im neuen Hochregallager für technische Laminate in Bernau-Waldfrieden. Foto: Jörg Kühl

BK - Kunststoffe Bernau GmbH startet als Mittelständler durch, erobert mit Qualität Marktanteile - und gewinnt den Zukunftspreis.

Zwei Fachleute der Kunststoff-Verarbeitung wollten nicht hinnehmen, dass ihr Bernauer Betrieb in den 90-er Jahren abgewickelt wird. Kurz entschlossen wagten sie den Neuanfang. Heute zählen „Bernauer Kunststoffe“ zum ausgewählten Kreis der Automobil- und Energie-Zulieferindustrie.
„Unsere Produkte sieht keiner, weil die meistens fest eingebaut sind“, sagt Wolf Grünberg. Der Diplomingenieur hat 1994 gemeinsam mit Gerd Latka die Firma „BK – Kunststoffe Bernau GmbH“ gegründet. Zum Produktspektrum zählen Vorprodukte für den Automobilbau, wie Kohlebürsten-Halterplatten für Lüftermotoren, Gleitscheiben für Anlasser, Zahnräder für Fensterheber. Die Bernauer fertigen ebenso Dichtungsringe für Erdgasleitungen und zunehmend Gleitlager für Windkraftanlagen. Mit Gleitscheiben für Auto-Anlasser sei das Unternehmen Alleinhersteller. Etwa sieben Millionen Euro Umsatz macht die Firma im Jahr.

Regional verwurzelt

Zurzeit sind vier Azubis im Unternehmen beschäftigt. „Wir übernehmen soziale Verantwortung“, begründet Grünberg, dass die Firma seit zehn Jahren kontinuierlich ausbildet. Verantwortung zeigt sie auch bei ihren Sponsoringaktivitäten. So unterstützt das Unternehmen das Festival Alter Musik und ist Sponsor des Bernauer 24-Stunden-Laufs.
Die regionale Verwurzelung ist den beiden Firmengründern nicht in die Wiege gelegt worden: Latka stammt aus Oberschlesien, sein Kollege Grünberg aus Thüringen. Wie sie den Standort Brandenburg sehen? „Diese Frage stellt sich für uns doch gar nicht. Die Firma war schon lange hier und die Mitarbeiter auch.“ Der einzige Wermutstropfen sei, dass es in der Region zu wenig branchenerfahrene Fachkräfte gebe: „Wir suchen schon länger einen CNC-Experten, finden aber keinen“.

Ein wichtiges Geheimnis

Das Material, aus dem die Produkte gestanzt, gefräst, gebohrt und geschliffen werden, heißt Hartpapier, obwohl es mit Papier nicht viel zu tun hat. „Eher ließe sich das Ganze mit Bakelit vergleichen, das 1909 von dem belgischen Chemiker Leo Hendrik Baekeland erfunden wurde“, erklärt Latka. Dabei handelt es sich um Duroplastik,  um ein Material, das sich kaum formen lässt. Der Stoff ist so widerstandsfähig, dass er nur mit Diamant-Werkzeugen bearbeiten werden kann. Wie die Techniker die bogenförmige Krümmung der Windkraft-Gleitlager hingekriegt haben? „Das ist unser Geheimnis“, sagt Grünberg. Für viele Fertigungsprozesse und Verfahren zur Bearbeitung technischer Laminate besitze man das Patent. Grünberg und Latka arbeiteten seit den Siebziger Jahren im Bernauer Schichtpressstoffwerk (SPW), das zu DDR-Zeiten bis zu 500 Beschäftigte im Kernbereich beschäftigte. Nach der Wende wurde das Werk von der Firma Degussa/Hüls Troisdorf übernommen, die den ehemaligen DDR-Betrieb auf hundert Mitarbeiter herunterfuhr. 1994 kam überraschend das Aus. Hüls Troisdorf trennte sich von dem Bernauer Fertigungszweig. „Am nächsten Tag beschlossen wir beide als Zwei-Mann-Unternehmen neu anzufangen“, erinnert sich Grünberg. Der Schritt in die Selbstständigkeit sei aus blanker  Not heraus erfolgt: „Schließlich waren wir beide um die fünfzig. Da hätten wir es in einer anderen Firma schwer gehabt.“

Stetiger Erfolg

Der Erfolg gab ihnen Recht. Kontinuierlich konnten sie die Belegschaft bis inzwischen auf 21 Mitarbeiter ausbauen. 1997 bezog die Firma eine neu errichtete Halle in Bernau-Waldfrieden, 2005 kam eine zweite Halle hinzu, weil die Laminatfabrik aus allen Nähten platzte. Latka schreitet zu einer beleuchteten Glasvitrine, in der eine Auswahl der Produkte ausgestellt ist. Der Diplomchemiker nimmt vorsichtig eines der Plastikteile heraus, so wie ein Juwelier ein wertvolles Schmuckstück präsentiert.
Obwohl Latka und Grünberg nun schon seit Jahrzehnten in der Kunststoff-Branche tätig sind, finden sie den Rohstoff immer noch faszinierend: Grünberg benutzt einen musikalischen Vergleich: Das Ausgangsmaterial könne „regelrecht komponiert werden“.

alt Jörg Kühl

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.
Um einen neuen Kommentar zu schreiben, können Sie sich als registrierter Benutzer hier einloggen.
Falls Sie noch keinen Login haben, können Sie sich hier registrieren.
Wirtschafts-TV FORUM TV News FORUM Newsletter