Petersplatz und Petersdom Foto: W. Döll
Die ewige Stadt am Tiber ist im Frühjahr besonders reizvoll.
Die Gegensätze zwischen meiner Heimatstadt Frankfurt (Oder) und Rom könnten größer nicht sein. Schon am Flughafen bekommen wir davon den ersten Eindruck. Ein überaus freundlicher Taxifahrer erwartet uns. Er schnappt sich unser Gepäck und dann braust er mit uns in atemberaubender Geschwindigkeit zum Hotel in der Innenstadt. Zwischendurch zeigt er immer wieder aus dem Autofenster und erklärt uns in englischer und italienischer Sprache die Sehenswürdigkeiten Roms. Fast nebenbei steuert er sein großes Taxi durch die immer enger werdenden und überfüllten Straßen. Als er unseren Respekt und die Begeisterung bemerkt, legt er als Zugabe einen kleinen Umweg ein und steuert am Petersplatz vorbei unser Hotel an. Als wäre es das Normalste auf der Welt hält er in dritter Reihe direkt vor der Hoteltür. Seelenruhig bugsiert er unser Gepäck durch die eng geparkten Autos hindurch.Leben und leben lassen lautet das Motto der Römer. Autofahrer und Fußgänger betrachten die wenigen Ampeln und Verkehrszeichen bestenfalls als Empfehlung. Weil aber alle so handeln, gerät der scheinbar chaotische Verkehr nie ins Stocken. Der Römer findet Parkplätze, wo keine sind und anders als der Frankfurter Autofahrer, kennt er nicht nur das Reißverschlussverfahren, sondern fährt auch danach. Diese Gelassenheit der Römer fällt uns später auch am ständig umlagerten Trevibrunnen oder der dicht besetzten spanischen Treppe auf.
Ergriffen im Petersdom
Unser erster Spaziergang durch Rom führte uns aber nicht in die von Touristen überfüllten Geschäftsstraßen der Innenstadt, sondern direkt vom Hotel zum wenige hundert Meter entfernten Petersplatz. Als wir dort ankamen, hatten sich schon zehntausende Leute versammelt. Ein Sprachenwirrwarr hallte über den Platz, das plötzlich verstummte. Die Stimme von Benedikt XVI. schallte über den Petersplatz. Der deutsche Papst stand oben am offenen Fenster seines Palastes und sprach das sonntägliche Mittagsgebet. Nach jedem Wechsel der Ansprache ertönte von einer anderen Ecke des Platzes donnernder Applaus. Ergriffen standen wir am Rande des Platzes und hörten, wie Benedikt XVI. auch in unserer Sprache den Segen erteilte.
Diese Ergriffenheit kam später mehrfach über uns. Als wir durch die Vatikanischen Museen schlenderten, bestaunten wir die Pracht und den Reichtum der Sammlungen. In der Sixtinischen Kapelle waren wir überwältigt von der Wirkung der Meisterwerke Michelangelos. Mit offenem Mund bestaunten wir die Deckenfresken und versuchten, jede Einzelheit in uns aufzunehmen. Später im riesigen Petersdom ging es uns ähnlich. Größe und Pracht des Gebäudes ließen uns in Ehrfurcht verstummen.
Respekt vor alten Baumeistern
Zu dieser Ergriffenheit gesellte sich mehr und mehr Bewunderung und Anerkennung für die Baumeister der Vergangenheit. Als wir durch das Kolosseum und das Forum Romanum spazierten sowie den Pantheon besuchten, bewunderten wir die Ideen, die Kunst und die Präzision der alten Meister. Mit einfachsten Mitteln schufen sie grandiose Bauwerke.
Rom aber ist keineswegs nur eine alte Stadt, die von ihrer Vergangenheit lebt. In den engen Gassen der Altstadt und den kaum breiteren Verbindungsstraßen pulsiert das Leben. Maler, Musiker, Pantomimen und andere Kleinkünstler sowie dutzende Händler sorgen für ein besonderes Flair. Jeder Rombesucher sollte diese Atmosphäre bei einem Capuccino in einem der vielen Cafes auf der Piazza Navona, dem wohl schönsten Platz der Stadt, genießen. Frauen gehen beim Flanieren durch die Straßen der Altstadt die Augen über. Boutique reiht sich an Boutique. Designer mit Weltruf buhlen um die Gunst der Touristen. Edelchic ist angesagt.
Bei diesem Riesenangebot fällt die Auswahl nicht leicht. Die Verkäuferinnen sind dabei nicht immer hilfreich, denn sie wissen, dass unter hundert in die Boutique kommenden Besuchern bestenfalls eine Kundin ist. Wer aber ernsthaftes Kaufinteresse zeigt, wird mit Aufmerksamkeit und Freundlichkeit überschüttet. Als wir nach langer Suche endlich eine passende Tasche gefunden hatten, sprach die Verkäuferin plötzlich deutsch mit uns und fragte, ob wir mal schnell zum Wochenendeinkauf von Berlin aus nach Rom geflogen wären.
Schneller Weg nach Rom
Nein, wir verbrachten eine ganze Frühlingswoche im hektischen und doch bezaubernden und liebenswerten Rom. Die Verkäuferin aber brachte uns auf eine Idee. Die Entfernung zwischen Frankfurt (Oder) und Rom ist zwar groß, der Weg in die ewige Stadt aber schnell zurückgelegt. EasyJet fliegt jeden morgen um 7 Uhr von Berlin-Schönefeld aus in die alte Stadt und bietet dort täglich um 19.40 Uhr einen preiswerten Rückflug an. Der eigentliche Flug dauert nicht viel länger als die Autofahrt von Frankfurt (Oder) zum Berliner Flughafen. Wir nahmen auf unserer Tour die Hilfe eines preiswerten Parkservices an und stellten bei einer Firma in Waltersdorf unser Auto ab, wurden mit dem Gepäck von dort zum Flughafen gebracht und von dort nach dem Rückflug auch wieder abgeholt. Schon von Frankfurt (Oder) aus hatten wir uns auch die Fahrten zwischen dem Römischen Flugplatz Ciampino und dem Hotel organisiert. Die Reise von Frankfurt (Oder) bis ins Stadtzentrum von Rom dauerte so nur knappe fünf Stunden. Ein besonderes Wochenende wäre also jederzeit möglich. Es muss ja nicht unbedingt zum Einkaufen sein.
Die spanische Treppe in Rom Foto: W. Döll
Wilko Döll

