Produkt des Monats November bei der IHK Ostbrandenburg: Innovations- und Technologieberatung. Die Kammer will über neue Entwicklungen aufklären und informieren sowie Unternehmer und Wissenschaftler zusammenbringen.
„Wenn nach einer Internet-Ausschreibung in Ostbrandenburg für Kugelschreiber fünf Firmen aus den westlichen Bundesländern reagieren, sich aber nicht ein Unternehmen aus der Region an der Ausschreibung beteiligt, dann haben wir ein Problem.“ Jens Jankowsky, Referent für Innovation und Technologie bei der IHK Ostbrandenburg, versteht manche Firmen aus Ostbrandenburg nicht. „Offensichtlich glauben viele Unternehmen noch immer, dass die Kunden nur über den Firmenhof kommen und Aufträge auslösen.“ Genau hier sieht er einen Ansatzpunkt für seine Arbeit bei der IHK. „Meine Aufgabe ist es, das Verständnis für Innovationen und moderne Technologien zu wecken sowie Forscher, Entwickler, Verwaltungen und Praktiker miteinander ins Gespräch zu bringen.“Die Bürotür von Jens Jankowsky ist deshalb immer offen für Besucher. Wenn IHK-Mitgliedsunternehmen eine Frage zu Innovationen oder Technologien haben, kennt er eine Antwort. „Wir beraten bei Fragen zum Patent- und Schutzrecht sowie zu Zertifizierungen und können bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten auch zwischen Unternehmen untereinander sowie zwischen Firmen und Hochschulen vermitteln“, erklärt der Referent. Er versteht sich als Werber für neue Ideen und Helfer bei der praktischen Umsetzung.
Infoportal im Internet eingerichtet
Die Kugelschreiber beispielsweise wurden über den Vergabemarktplatz des Landes innerhalb des Projektes KEGO ausgeschrieben. Das Kompetenzzentrum für den elektronischen Geschäftsverkehr im Oderland KEGO besteht seit über zehn Jahren und wurde von den beiden Ostbrandenburger Kammern eingerichtet. „Damit wollen wir die Unternehmen einerseits über alle Möglichkeiten und Probleme des elektronischen Geschäftsverkehrs und des Internets informieren sowie ihnen andererseits auch Kontakte zur IT-Wirtschaft anbieten“, sagt Jankowsky.
Viele Angebote zu Innovationen und Technologien wären ohne ein schnelles Internet nicht möglich. Nach einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung sind Unternehmen mit einem schnellen Internetanschluss im Durchschnitt innovativer als Firmen mit einem langsamen Zugang zum Netz. Das moderne Informationsmedium sorgt aber gerade in Ostbrandenburg für Probleme. Einige Unternehmen unterschätzten noch immer die Möglichkeiten des Mediums und andere Firmen würden das Internet gern intensiver nutzen, scheitern aber an den technischen Zugangsmöglichkeiten. Für beide Gruppen fühlt sich Jens Jankowsky zuständig. „Ich will die Zauderer aufklären und die Willigen gern schneller ins weltweite Netz bringen.“ Besonders in den ländlichen Regionen ist der Zugang zum Internet noch immer nur mit sehr geringem Tempo möglich.
IHK zeigt Wege zum schnellen Internet
Deshalb hatte die IHK Ostbrandenburg im Jahr 2007 die Idee, einen Brandenburger Breitbandatlas anzulegen. Inzwischen arbeiten alle sechs Kammern des Landes an diesem besonderen Atlas mit. „Wir erfassen damit einen Großteil des Bedarfs für das schnelle Internet und wissen jetzt, wo das Internet noch langsam ist“, erklärt der Technologie-Referent. Rund 13.200 Interessenten haben bislang im Land den Wunsch geäußert, schneller als bisher ins Internet zu wollen. Das Problem für das schnelle Internet sind die hohen Kosten für die Leitungen. In Ballungsräumen mit vielen Nutzern sind Investitionen für die Infrastruktur schnell amortisiert. Das flache Land mit weiten Leitungswegen, hohen Baukosten und wenigen Nutzern aber meiden die Leitungsbetreiber. Mit dem Breitbandatlas wird der genaue Bedarf erfasst und auf die einzelnen Kommunen aufgegliedert.
Gemeinsam mit den Vertretern der Orte wird dann nach einem Weg zum schnellen Internet gesucht. „Der Markt regelt leider in Randregionen nicht den Zugang zum Netz, da sind die Politik, die Kommunen und wir gefragt“, betont Jens Jankowsky. Die IHK bietet deshalb den Orten Hilfe an. Es werden in Veranstaltungen mögliche Zugangstechnologien vorgestellt. Gleichzeitig gibt es Informationen zu den Förderbedingungen für den schnellen Internetzugang der Kommunen. Bislang haben 103 Orte im Brandenburger Infrastrukturministerium solch eine Förderung beantrag. „Wir als IHK können aber nur Empfehlungen aussprechen und die Rahmenbedingungen bei der Breitbandstrategie des Landes mitgestalten. Die Entscheidungen liegen natürlich bei den Kommunen und dann beim Fördergeldgeber.“
Neues Informationssystem für die Wirtschaft wird entwickelt
Die Arbeit mit dem Breitbandatlas hat sich bislang gelohnt. Gut 4.000 Interessenten haben inzwischen einen schnelleren Internetzugang erhalten. Jens Jankowsky lehnt sich trotzdem nicht zufrieden zurück, sondern denkt an die Zukunft. „Nach heutigem Stand der Technik sind Glasfasernetze für den großen und schnellen Datenverkehr nötig, also müssen diese Netze ausgebaut werden“, fordert er. Selbst wenn sich Kommunen den Ausbau mit den teuren Glasfaserkabeln jetzt noch nicht leisten können, sollte bei Baumaßnahmen daran gedacht werden. „Beim Straßen- oder Wegebau müssen gleich genügend Leerrohre mit verlegt werden.“
Die neuen Leitungen sind auch nötig, weil im Internet ständig neue Angebote hinzukommen, die immer wichtiger für die Unternehmen werden. Auch die IHK Ostbrandenburg arbeitet zusammen mit den anderen Kammern und dem Land an einem bislang in Deutschland einmaligen Informationssystem. „Wir entwickeln ein Standortauskunftssystem für die Wirtschaft“, verrät Jens Jankowsky. Der Unternehmer oder potenzielle Investor soll somit künftig per Mausklick erfahren können, welche freien Grundstücke es im gewünschten Gewerbegebiet gibt, welche Firmen sich in direkter Nachbarschaft befinden und welches Profil das Gymnasium der Nachbarstadt hat. Solche und andere relevanten Daten, die für eine Standortentscheidung wichtig sind, sollen im neuen Portal enthalten sein.
Ideen fördern und verbreiten
Zum Aufgabengebiet des Bereiches Innovation und Technologie der IHK gehört aber auch die Aufklärung über neue Entwicklungen. So soll das innovative Klima gestärkt werden.„Wir unterstützen deshalb beispielsweise auch die Energiemesse in Prenzlau oder die Nana-Truck-Tour durch Ostbrandenburg“, sagt Jens Jankowsky. Außerdem werden regelmäßig Ideenschmieden veranstaltet. Die nächste findet am 1. Dezember in Eberswalde statt. Unternehmen stellen dort neue Produkte und Dienstleistungen vor. Auch die FIRST LEGO League wird in der Region gefördert. Bis zum 19. November beschäftigen sich Kinder und Jugendliche mit den Themen Robotik und Medizintechnik. „Damit wollen wir junge Leute für moderne Technologien begeistern, Kooperationen mit den Unternehmen fördern und gleichzeitig auch zur Fachkräftesicherung in der Region beitragen.“
Wilko Döll

