Klaus Hauptmann (M.) und seine Söhne Stefan (l.) und Guido von medphano präsentieren ihre bekanntesten Medikamente. Foto: G. Markert
Rüdersdorfer Arzneimittelhersteller setzt auf bekannte Produkte, auf das Aufspüren von Nischen - und gewinnt den Zukunftspreis.
Wenn alles niest und hustet, kann sich Geschäftsführer Klaus Hauptmann freuen. Denn dann gehen Fagusan, Pertussin und Co besonders gut über den Ladentisch. Mit den Hustensäften haben Kindergenerationen in der DDR Bekanntschaft gemacht. Auch heutzutage stehen sie in vielen Apotheken.Bis zu drei Tonnen Medikamente gehen am Tag durchs Hoftor der Firma medphano in Rüdersdorf. In der DDR war hier das Zentraldepot für Pharmazie und Medizintechnik, wo alle Medizinimporte ankamen. Doch dann fielen die staatliche Lenkung weg und auch die Importe aus dem Westen. Osteuropäische Hersteller dagegen wollten weiter liefern.
Hohes Risiko
Der damalige Chef Klaus Hauptmann und Winfried Noack, einst Direktor des Kombinats Germed, kauften das Objekt von der Treuhand für zwei Millionen
D-Mark. „Kein hoher Preis, aber das Risiko war hoch“, erzählt Hauptmann, der Chemiker und Diplomwirtschaftler ist. „Wir wussten nicht, ob das Konzept aufgeht.“ Sämtliche Arzneimittel brauchten die Nachzulassung für den bundesdeutschen Markt – 125 Anträge.
Der Pharmabetrieb begann, Arzneimittel selbst herzustellen, z.B. Analgin, denn die bulgarischen Hersteller „waren nicht gerade die zuverlässigsten Lieferer“, so Hauptmann. Das wohl bekannteste Schmerzmittel der DDR verkaufte die medphano jahrelang in hohen Stückzahlen. Doch Mitte der 90er Jahre entwickelte auch der Ostberliner Großbetrieb Berlin-Chemie Interesse an dem guten Namen und zog vor Gericht. Ein Tiefpunkt für die medphano – der Rechtsstreit dauerte Jahre und ging bis vor den Bundesgerichtshof. Schließlich durfte die Firma Analgin wieder als Analgin verkaufen und kam endlich in stabile Fahrwasser.
Günstig wurde teuer
Weitere Tiefschläge gab es trotzdem. Im Zuge der Gesundheitsreform stieg der Preis für die Zehnerpackung Analgin von 1,89 Euro auf über zehn Euro. Ziel der neuen Preisverordnung war es, teure Medikamente billiger zu machen. Das günstige Analgin wurde aber teurer. Die Auswirkungen bekam die medphano im vergangenen Jahr zu spüren. Der Umsatz fiel auf fünf Millionen Euro. 2003 lag er bei sechs Millionen. „Unseren Außendienst mussten wir entlassen“, so Hauptmann, „das waren acht sehr gute Mitarbeiter.“ Die meisten bleiben sonst bis zur Rente, viele sind schon von Anfang an dabei.
Erfolg in Nischen
Bisher hat die Firma aber Wege gefunden, um Verluste auszugleichen und zu wachsen. Zu den Erfolgsfaktoren gehört der Aufkauf umsatzstarker Marken. Aber auch einige um die medphano herum gegründete Unternehmen. Erst im vorigen Jahr kam die Spreewälder Arzneimittel GmbH zum Unternehmensverbund dazu. Sie produziert mit 25 neuen Arbeitsplätzen einen Teil der Arzneimittel. Außerdem setzen die Rüdersdorfer auf neue und rezeptfreie Produkte und Nischen, „wo die Konkurrenz überschaubar bleibt“. Wie zum Beispiel bei dem Brandwundenspray aus einem Silberpräparat, das es bisher nur als Crème gab.
Der Renner Hustensaft
Besonders stolz ist Klaus Hauptmann auf die „Fagusan-Story“. „Geschmeckt hat das Zeug nicht“, sagt er über die einst leuchtend rote Flüssigkeit. Trotzdem hat er die Marke vor ein paar Jahren gekauft. Heute ist der Hustensaft eher bräunlich und angenehm süß, aber vor allem eine sichere Bank für das Unternehmen: „Das Fagusan ist unser Renner“, so der 62-jährige Firmenchef. Doch schon längst verlässt sich der Betrieb nicht nur auf die Ost-Hits. Schließlich setzt die Firma das Gros mittlerweile bei Großhändlern in den alten Bundesländern ab. „Nur den Sprung vom Import zum Export haben wir noch nicht so geschafft, wie wir wollten“, ergänzt Marketingchef Stefan Rüdiger. Das soll sich ändern: Einzelexporten nach Mosambik und Georgien folgen jetzt Geschäfte mit Libyen und Jordanien. „Eingefahrene Gleise gibt es hier nicht“, sagt er – und genau das mache die Arbeit so reizvoll.
Firma verjüngt sich
Mittlerweile sind beide Söhne Hauptmanns in das Unternehmen eingestiegen. Der Sohn des zweiten Geschäftsführer Winfried Noack ist ebenfalls dabei. „Man kann schon von einem Familienunternehmen sprechen“, meint Hauptmann, „es sind eben zwei Familien“. Und die Firma hat einen Verjüngungsprozess vorgenommen: Das Haus bildet zurzeit sechs Azubis aus.
Ellen Werner

