3.1.2011
Blickpunkt: Ostbrandenburger gehen mit Optimismus in das neue Jahr

Umfrage 2011 Jens Hoffmann
J. Hoffmann. Foto: W. Döll.

FORUM fragte Unternehmer und Kommunalvertreter nach ihren Wünschen für 2011

Jens Hoffmann, Chef der Hoffmann-Firmengruppe in Ladeburg bei Bernau:

"Ich blicke positiv auf das neue Jahr und gehe sehr optimistisch in die nächsten Monate. Ob das Jahr für die gesamte Wirtschaft gut wird, kann ich nicht sagen, aber wir sind gut aufgestellt und ich bin überzeugt, dass vor uns ein gutes Jahr liegt. Unsere Firmengruppe hat in den vergangenen Monaten eine Kiesgrube und ein Recyclingunternehmen übernommen. Wir sind damit im Bau- und Recyclingbereich sehr gut aufgestellt. Außerdem haben wir mit den Übernahmen neue Kunden gewonnen und auch unsere Mitarbeiterzahl auf gut 40 Beschäftigte vergrößert. Die Übernahmen sind sehr gut verlaufen, die Erweiterung hat sich gelohnt, wir sind gut im Geschäft und werden das auch in diesem Jahr bleiben."

Dieter Bosse, Inhaber des Hotels Eduardshof und Präsident des Wintersportvereins 1923 in Bad Freienwalde:

"Als Hotelbetreiber hoffe ich, dass viele Unternehmen im neuen Jahr ihre Tagungen nicht weiterhin in ihren eigenen Räumen ausrichten, sondern dafür, wie vor der Krise, auch wieder Hotels und natürlich auch unser Haus nutzen. Mit neuen Produkten wollen wir mehr touristische Gäste anlocken. Zusammen mit Partnern aus dem Barnim und Märkisch-Oderland haben wir beispielsweise das „Gepäckfreie Reisen“ entwickelt. Es ist für Radtouristen gedacht. Die können ganz unbeschwert mit ihrem Rad die tollen Wege der Region nutzen und von Station zu Station radeln. Sie müssen dabei aber kein Gepäck mitschleppen. Das übernehmen wir Hotelbetreiber für sie. Der Service kommt gut an und deshalb wollen wir gemeinsam ähnliche Produkte entwickeln.

Als Präsident des Wintersportvereins wünsche ich mir, dass Ende August ganz viele Besucher nach Bad Freienwalde kommen, denn da richten wir erstmals die German Masters im Skispringen der Senioren aus. Außerdem soll unsere tolle Nachwuchsarbeit fortgesetzt werden. Schon jetzt trainieren 18 Kinder und Jugendliche im nördlichsten Wintersportzentrum Deutschlands. Die Skisprungschanzen sind das ganze Jahr über nutzbar, da können auch noch weitere Sportler zu uns stoßen."

Nadine Auras, Präsidentin Wirtschaftsjunioren Ostbrandenburg

„Im kommenden Jahr wollen wir einen Fokus auf Mitgliedergewinnung für unseren WJ-Kreis legen. Es liegt an uns allen, für unseren Verband junger Unternehmer und Führungskräfte zu werben und Interesse zu wecken.  Wir wollen der jungen Generation mehr Mut zur beruflichen Selbstständigkeit machen. Dafür bieten wir Kontakte in die Region, Beratung und Unterstützung. Auch in regionalen Projekten, wie unserem Schulwettbewerb „Wirtschaftswissen im Wettbewerb“ oder mit der Vergabe des Preises der Wirtschaftsjunioren an Absolventen der Europa-Universität Viadrina wollen wir junge Menschen für die Wirtschaft interessieren.

Als Mutter zweier kleiner Kinder liegt mir persönlich auch eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf  am Herzen. Die Kinderbetreuungsangebote in Ostbrandenburg sind sicher nicht die schlechtesten. Aber gerade für Jungunternehmer und Führungskräfte ist es oft ein Drahtseilakt, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Individuellere und ganztägige Betreuungsangebote für den Nachwuchs könnten dabei sehr hilfreich sein.

Insgesamt hoffen die Ostbrandenburger Wirtschaftsjunioren, dass sich die wirtschaftliche Situation sich in 2011 weiter stabilisiert. Nach unserer Auffassung hatten sich die Auswirkungen der Wirtschaftskrise sich in einigen Branchen erst in 2010 gezeigt.“


Friedhelm Boginski, Bürgermeister von Eberswalde:

"Die vergangenen Jahre standen maßgeblich unter dem Einfluss der Wirtschafts- und Finanzkrise. Hiervon war Eberswalde auf Grund der besonders breit aufgestellten wirtschaftlichen Strukturen und Branchenvielfalt nur teilweise betroffen. Grund für uns, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Zumal wir in den kommenden Jahren im Nordosten des Landes Brandenburg mit einer attraktiven Förderkulisse ausgestattet sind. Ein deutlicher Standortvorteil, wenn es um Investitionen geht."  

Heiko Seelig, Energieberater in Eiche:

"Als Energieberater werde ich mich naturgemäß auch im neuen Jahr mit dem Thema Energie beschäftigen. Durch die Dezentralisation der Energieversorgung haben die Bürger immer mehr Möglichkeiten, die energetische Selbstbestimmung zu erlangen. Wie auf keinem anderen Gebiet besteht dadurch die Chance, ökonomische, ökologische und demokratische Freiheitsgrade zurückzuerlangen. In Deutschland kann allein die Sonnenenergie den derzeitigen Energiebedarf aller Einwohner 95mal decken. Sonnen- oder Windenergie lassen sich durch keinen Energiekonzern der Welt monopolisieren. Wohl aber lassen sich diese Energieformen durch gezielte Desinformation diskreditieren oder instrumentalisieren. Für das Jahr 2011 wünsche ich mir, dass die Menschen ihre eigenen Potenziale erkennen. Vor allem aber hoffe ich, dass sie diese Erkenntnisse in Taten umsetzen, denn „es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ (Erich Kästner)."

Mirko Heinschke, Ausbildungsleiter Werk Fürstenwalde, Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH

„Wir fertigen am Standort Fürstenwalde PKW- Neureifen von einer sehr hohen Qualität für unsere Kunden. Für die Herstellung von diesen Reifen benötigen wir qualifizierte
Mitarbeiter. Hiermit beginnen wir natürlich schon in der Ausbildung. Somit hoffen wir auch für das Jahr 2011 auf starke Ausbildungsabschlüsse. Ein gutes Fachwissen wird in den sehr speziellen Fachabteilungen benötigt. Die Auszubildenden werden dann, nach ihrer Abschlussprüfung, sofort in den jeweiligen Fachabteilungen übernommen. Für das neue Ausbildungsjahr haben wir schon die ersten Ausbildungsverträge geschrieben und sind sehr optimistisch hier weiterhin starken Nachwuchs zu bekommen. Ich denke, wir werden auch im Jahr 2011 die Zusammenarbeit mit den Schulen und den  Oberstufenzentren weiter ausbauen.“

Peter Scur, Leiter Umweltschutz, Cemex OstZement GmbH, Rüdersdorf

Die Prognosen für die Bauwirtschaft in unserer Region sind leider nicht so gut. Ich hoffe, dass wir an dem allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung besser als im Moment erwartet, partizipieren können und vor allem wieder größere Industrie- und Infrastrukturprojekte angeschoben werden. Hieraus würde auch mehr Spielraum für unsere Nachhaltigkeitsziele im sozialen Engagement und im Umweltschutz erwachsen. Im Umweltschutz können wir wieder mit neuen Forderungen rechnen, ich denke  z. B. an den Emissionshandel oder die Richtlinie über Industrieemissionen. Hier würde ich mir wünschen, dass Politik und Verwaltung Augenmaß beweisen für sinnvollen Umweltschutz, gegen übertriebenen Bürokratismus und wettbewerbsverzerrende Kosten.

Volker Thews, T&P Transport-Logistik-Service GmbH und Thews & Partner OHG, Frankfurt (Oder)

„Wir wünschen uns einen wirksamen und spürbaren Bürokratieabbau, eine berechenbare Verkehrspolitik und Mauteinnahmen, die der Verwirklichung von Verkehrsprojekten dienen und nicht dem Stopfen von Haushaltslöchern. Wir brauchen keine Giga-Projekte, sondern ausreichende Mitteln für die Kommunen, um Straßenschäden schnell zu reparieren. Straßenbaumaßnahmen sollten aus finanziellen Gründen nicht erst im Spätsommer oder im Herbst beginnen dürfen, wie bei der Leipziger Straße in Frankfurt (Oder). Das ist für alle Bürger und Unternehmen nicht nur ein beträchtlicher wirtschaftlicher Schaden, sondern auch ökologischer Schwachsinn, im Sinne der geplanten Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes.

Wir haben uns in den vergangenen Wochen mit Aufklebern an all unseren Fahrzeugen sowie mit Unterschriftensammlung an dem Protest zu den geplanten Polizeireformen beteiligt. Unser Wunsch ist es, dass die Landespolitiker auf Volkes Stimme hören und deren Bedenken und Hinweise ernst nehmen. Insbesondere Unternehmen und Bürger in den grenznahen Regionen sind am stärksten von Straftaten betroffen. Gleichzeitig sinkt aufgrund fehlender Polizei die Aufklärungsquote.“
Umfrage 2011 Friedhelm Boginski
F. Boginski. Foto: W. Döll.

alt Wilko Döll

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