10.1.2011
Blickpunkt: Betriebsblindheit vermeiden

Bernhard Belitz
Bernhard Belitz. Foto: W. Döll.

Erfolgreicher Unternehmer engagiert sich ehrenamtlich bei der IHK

Wenn Bernhard Belitz über das Oderbruch redet, gerät er schnell ins Schwärmen. „Es ist ein weites, schönes Land“, sagt der 60-Jährige. Gemeinsam mit seiner Frau ist er dort regelmäßig mit dem Fahrrad oder auf Inlinern unterwegs. Den Deichabschnitt zwischen Groß Neuendorf und Güstebieser Loose mag Bernhard Belitz besonders. „Dort können der Blick und die Gedanken schweifen, dort finde ich Ruhe und Kraft.“ Im Oderbruch, genauer gesagt in Letschin, lebt der 60-Jährige mit seiner Familie. Seine berufliche Heimat aber ist Eisenhüttenstadt.

Erfolgreiches Unternehmen aufgebaut

„Im damalige Eisenhüttenkombinat habe ich BMSR-Techniker (Betriebs-, Mess-, Steuer- und Regelungstechniker) gelernt“, erinnert sich Bernhard Belitz. Später studierte er Automatisierungstechnik und arbeitete fortan als Ingenieur im riesigen Eisenhüttenkombinat. Mit der Wende in der DDR aber war das Eisenhüttenkombinat am Ende. Der große Betrieb wurde privatisiert und umstrukturiert. „Zusammen mit Partnern habe ich deshalb 1991 die Unitechnik Automatisierungs GmbH gegründet“, blickt Bernhard Belitz zurück. Er ist heute einer von zwei geschäftsführenden Gesellschaftern. „Es gab damals keine Alternative zu dieser Neugründung.“ Zwölf Mann waren am Anfang dabei, heute sind gut 85 Mitarbeiter im Unternehmen tätig.

Unitechnik entwickelt für Maschinenbaufirmen komplette Automatisierungssysteme. Von der Projektierung bis zum fertigen Schaltschrank reicht das Aufgabenfeld. Das Unternehmen hat sich bei seinen Kunden und auch in der Öffentlichkeit einen guten Ruf erworben. Im vergangenen Jahr gab es gleich zwei Auszeichnungen für Unitechnik. Die IHK Ostbrandenburg und die Märkische Oderzeitung überreichten den Zukunftspreis, die Länder Berlin und Brandenburg folgten mit dem Innovationspreis. Bernhard Belitz ist in seinem Unternehmen gut ausgelastet und findet trotzdem noch die Zeit, um bei der IHK Ostbrandenburg ehrenamtlich im Ausschuss für Mittelstandspolitik und Infrastruktur mitzuarbeiten. „Ich bin da schon eine Ewigkeit dabei.“

Über den Ausschuss Wirtschaftsbedingungen mitgestalten

Als für den Ausschuss ein Vorsitzender gesucht wurde, ließ er sich nicht lange bitten. „Der Ausschuss ist wichtig, denn wir Unternehmer können mit unseren Ideen und Vorstellungen die Wirtschaftsbedingungen im Land mitgestalten“, sagt der 60-Jährige. Immerhin trägt der Ausschuss zur Meinungsbildung bei. „Wenn das Land beispielsweise über die IHK Stellungnahmen zu bestimmten Probleme oder Vorhaben einholt, werden die von uns im Ausschuss mit erarbeitet.“ Der Ausschuss hat sich so unter anderem an der Diskussion über den Bau der Oderlausitztrasse beteiligt und auch seine Meinung zur Arbeitnehmerfreizügigkeit deutlich gemacht.

Ab dem späten Frühjahr können Polen überall in Deutschland ungehindert eine Arbeit aufnehmen. Anders als in vielen Stammtischdiskussionen sieht Bernhard Belitz darin keine Gefahr für den Arbeitsmarkt, sondern eine Chance für die deutsche Wirtschaft. „Wir haben doch jetzt schon Probleme, nach einer Stellenanzeige in der Zeitung geeignete Leute zu finden“, erklärt der Geschäftsführer. „Viele Firmen kommen durch die Freizügigkeit vielleicht zu neuen Mitarbeitern und sichern damit den Erhalt des Unternehmens am Standort und davon hat doch auch die Region etwas.“ Andererseits überschätzt Bernhard Belitz die neue Regelung aber auch nicht. „Brandenburg könnte für viele arbeitssuchende Polen auch nur ein Durchreiseland sein, denn die Löhne sind in den alten Bundesländer einfach höher, das wissen auch viele Polen.“

Über solche und andere Probleme diskutiert der Ausschuss für Mittelstandspolitik und Infrastruktur. Einmal pro Quartal treffen sich die Mitglieder. Sie kommen dabei fast immer in einer Firma eines Ausschussmitglieds zusammen. „Das schützt vor Betriebsblindheit“ erklärt Belitzt. „Wir lernen so immer andere Unternehmen mit deren Sorgen, Nöten und auch Erfolgen kennen.“ Davon profitieren alle Ausschussmitglieder. Untereinander geben sich die Ausschussmitglieder gern auch mal praktische Tipps. Die Firma Unitechnik benötigt beispielsweise Mitarbeiter mit sehr guten Englischkenntnissen und hat deshalb eine besonderes Art der Schulung aufgebaut. Darüber ist Bernhard Belitz mit einem anderen Ausschussmitglied ins Gespräch gekommen, der in seiner Firma nun eine ähnliche Ausbildung aufbauen möchte.    

Mitarbeit im Ausschuss auch für andere offen

Bernhard Belitz wünscht sich noch ein größeres Interesse für den Ausschuss. „Es wäre schön, wenn sich noch mehr Unternehmer mit ihren Ideen einbringen würden.“ Die Mitarbeit im Ausschuss ist für ihn keine vergeudete, sondern gut investierte Zeit. „Dort erfahren wir auch, welche Themen die IHK gerade behandelt und wir Mitglieder können unsere Kammer auch auf Themen aufmerksam machen, die von der IHK für uns behandelt werden sollten.“ Bernhard Belitz nimmt deshalb regelmäßig teil an den Ausschusssitzungen, auch wenn dadurch neben seinem beruflichen Einsatz kaum noch Zeit für Hobbys bleibt.

„Ein richtiges Hobby habe ich eigentlich gar nicht, ich kümmere mich in meiner Freizeit um unser großes Grundstück im Oderbruch“, erzählt der 60-Jährige. Natürlich hat er die Steuerung für das automatische Hoftor selbst gebaut. Zurzeit durchfährt er es nicht mit dem Fahrrad, sondern mit dem Auto. Spätestens im Sommer aber wird er mit seiner Frau wieder auf dem Deich entlang der Oder unterwegs sein.

alt Wilko Döll

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