7.2.2011
Blickpunkt: Erhaltene Hilfe zurückgeben

Dieter Schulz 1
Dieter Schulz. Foto: W. Döll.

Gewiefter Techniker engagiert sich im Sachverständigenausschuss der IHK Ostbrandenburg

„Ich bin ein Unbequemer“, sagt Dieter Schulz über sich. Irgendwie aber passt diese Aussage nicht zu dem 57-Jährigen. Der Mann mit dem grauen Resthaar schaut mit offenen Augen in die Welt und strahlt Vertraulichkeit aus. „Ich sage immer meine Meinung, das kommt nicht bei jedem gut an, da muss ich halt aufpassen.“ Ein schelmisches Flackern gerät in seinen Blick. In der DDR hat er in der Schieds- und in der Konfliktkommission mitgearbeitet und sich für andere eingesetzt. „Mit diesen Kommissionen wurde damals für Arbeiter mehr erreicht als mit den früheren Gewerkschaften“, blickt Dieter Schulz Jahrzehnte zurück. Also hat er sich für seine Arbeitskollegen engagiert und Verbesserungen durchgesetzt, auch wenn seine Betriebsleiter dagegen waren. „Ich habe denen dann gesagt, das ist ein Beschluss der Kommission und der muss umgesetzt werden, oder ich muss das der oberen Kommission melden.“ Der Schalk in den Augen des 57-Jährigen lässt sich nicht mehr übersehen.

Vom Angestellten zum Unternehmer

Heute ist Dieter Schulz ein Unternehmer. Zusammen mit vier Partnern hat er nach der Wende die Kühlfahrzeugbau GmbH in Gusow aufgebaut. Angestellte hat das Unternehmen nicht, die Gesellschafter waren immer auch die Arbeiter der Firma. Der kleine Betrieb stellt Fahrzeugausrüstungen, Überdachungen für Terrassen, Metallschmuck und Sanitärtrennwände für öffentliche Gebäude her. Nach einem langen Weg der Suche hat Dieter Schulz seine berufliche Heimat gefunden. Im früheren Chemie-Kombinat in Schwedt hat er vor Jahrzehnten den Beruf eines Technikers gelernt. „In dem riesigen Betrieb war ich einer unter vielen, das passte mir nicht.“ Also ging der gebürtige Seelower zurück ins Oderbruch. Dort arbeitete er in verschiedenen Betrieben und machte nebenbei seinen Meister. „Ich habe es nie lange an einer Stelle ausgehalten, wollte immer was Neues ausprobieren“, erinnert sich Dieter Schulz. Seine letzte Wanderstation war ein Baubetrieb für landwirtschaftliche Anlagen. Der entwickelte Isolierelemente für Tierställe. Das Projekt wurde nie fertig. Die Wende kam dazwischen.

Dieter Schulz aber sitzt mit seiner Firma noch heute auf dem alten Betriebsgelände in Gusow. Technisch und fachlich fiel ihm der Aufbau der eigenen Firma nicht schwer. Er und seine vier Mitstreiter kannten die Region und ihr Arbeitsgebiet sehr gut. Für den organisatorischen und rechtlichen Neubeginn des Betriebes suchte und fand er Hilfe bei der IHK. „Die Zeit des wirtschaftlichen Neuaufbaus nach der Wende war überaus spannend, denn wir waren alle Lernende“, erinnert sich der 57-Jährige. „In vielen Behörden ging es irgendwie gemütlicher als heute, fast familiär zu.“ Er ist noch immer dankbar für die Hilfe, die er damals von einer Mitarbeiterin der IHK erhielt. „Sie hat mir von der neuen Art der Betriebsorganisation und Führung vieles geduldig erklärt und für all meine Fragen auch Antworten gefunden.“ Als die IHK dann einen Sachverständigenausschuss aufbaute, überlegte er nicht lange und stieg mit ein. „Ich wollte für die erhaltene Hilfe etwas zurückgeben.“

Sachverständige helfen bei Streitfällen

Inzwischen sind fast zwei Jahrzehnte ins Land gezogen und Dieter Schulz arbeitet noch immer im Sachverständigenausschuss der IHK Ostbrandenburg mit. „Sachverständige sind wichtige Leute“, erklärt der gewiefte Techniker. „Sie können in Streitfällen zwischen Unternehmen und Kunden vermitteln und sind auch bei Gerichtsprozessen im Einsatz.“ Der Ausschuss kümmert sich darum, dass immer genügend Sachverständige in der Region vorhanden sind und sie auch bestens für ihre Tätigkeit ausgebildet werden. Für alle Branchen und Wirtschaftsbereiche gibt es sie. Der Weg vom Fachmann zum öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen aber ist weit. Der Ausschuss bereitet die künftigen Sachverständigen auf diesen Weg vor, begleitet sie bis zur Prüfung und behält auch danach ihre Arbeit im Blick. Vor allem berät er die hier behördlich agierende IHK in allen praktischen Fragen des Sachverständigenwesens.

Dieter Schulz selbst ist kein Sachverständiger, sieht darin aber keinen Nachteil. Er liest und beurteilt Gutachten deshalb auch aus einer etwas anderen Sicht. „Ich prüfe, ob die Gutachten auch verständlich sind“, sagt der 57-Jährige. „Mit Fachchinesisch kann kein Kunde und im Streitfall vor Gericht auch kein Richter etwas anfangen, also achten wir als Ausschuss auch darauf, dass die Gutachten der Sachverständigen auch für alle beteiligten Seiten verständlich und nachvollziehbar sind.“ Wenn er ein Gutachten zur Ansicht erhält, beschäftigt er sich damit einige Tage, obwohl er in seiner Firma eigentlich genug zu tun hat. Für Dieter Schulz ist das Lesen der Gutachten trotzdem keine verlorene Zeit. „Ich komme dadurch mit vielen Fachgebieten in Kontakt und kann damit auch selbst noch etwas lernen.“ Außerdem freut auch er sich über Anerkennung. „Natürlich ist es auch schön, wenn meine Meinung gefragt ist.“

Arbeit bestimmt sein Leben

Viel Freizeit bleibt Dieter Schulz bei seinem beruflichen und ehreamtlichen Engagement nicht mehr. „Urlaub mit Wegfahren hatte ich zum letzten Mal in den 70er Jahren“, erzählt er und klingt nicht einmal traurig dabei. „Es hat sich halt alles so ergeben.“ Wenn doch mal Zeit übrig ist, kümmert er sich um sein großes Grundstück oder setzt sich an den Computer. Der Techniker hat die Bildbearbeitung für sich entdeckt. „Ich kombiniere verschiedene Fotos und kann dann Kunden zeigen, wie beispielsweise ihr Haus mit dem alten Zaun oder eben mit einer neuen, schmiedeeisernen Variante aussieht.“ Irgendwie kommt Dieter Schulz eben nicht weg von der Arbeit und den technischen Lösungen.
Dieter Schulz 2
D. Schulz an seinem Firmenschreibtisch. Foto: W. Döll.

alt Wilko Döll

Kommentare

Es sind noch keine Kommentare vorhanden.
Um einen neuen Kommentar zu schreiben, können Sie sich als registrierter Benutzer hier einloggen.
Falls Sie noch keinen Login haben, können Sie sich hier registrieren.
Wirtschafts-TV FORUM TV News FORUM Newsletter