Wirtschaftsjunior schwärmt von Ostbrandenburg und will junge Leute dort halten
André Blietz ist ein erfahrener und gestandener Versicherungsfachwirt. Auf eine Erfahrung hätte er in seinem Leben allerdings gern verzichtet. Als vor einem Jahr ein Großfeuer in Eisenhüttenstadt ein Möbellager und mehrere Geschäftsräume vernichtete, ging auch sein Büro in Flammen auf. „Zum Glück konnte ich all meine Kundendaten noch retten und zum Glück hat mir meine Versicherung schnell geholfen“, erinnert sich André Blietz. Jetzt sitzt der Leiter der AXA-Generalvertretung mit seinen Mitarbeitern in einem neuen Büro am Rand von Eisenhüttenstadt. „Ich kann jetzt noch besser nachfühlen, was meine Kunden durchmachen, wenn sie einen Schaden erleiden.“Seine Kundschaft kommt aus der Region und wird in den beiden Büros der Generalvertretung in Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) betreut. André Blietz hat bei seinen Kunden einen Wandel beobachtet. Sie wenden sich mehr und mehr vom Internet ab und wieder den Vertretern zu. „Viele Informieren sich über Tarife im Internet, suchen dann aber verstärkt wieder die Gespräche mit uns vor Ort.“ Die Zahl der Versicherungskunden und deren Treue richtet sich immer nach der Stimmung und der Wirtschaftskraft der Region. „Wir merken sofort, ob es dem Stahlerzeuger Arcelor gut oder schlecht geht.“ Das größte Unternehmen von Eisenhüttenstadt bestimmt noch immer Wohl und Wehe der Region. „In Krisenzeiten greifen Kunden dann auch ihre Altersvorsorge an oder denken über Vertragskündigungen nach.“
Meckerer wollen nur eigenes Gewissen beruhigen
Diese Zeiten liegen aber zum Glück schon einige Zeit zurück. Die Region lebt im Aufschwung. „Der Wirtschaftsstandort hat sich stabilisiert, wir haben eine neue Papierfabrik bekommen, ein Kraftwerk entsteht und in Frankfurt (Oder) erweitern die Solarhersteller ihre Produktion“, freut sich der Versicherungsfachwirt. Er kann die vielen Meckerer über die Situation in der Region nicht verstehen. „Viele reden die Region nur deshalb schlecht, weil sie so nach eigener Untätigkeit ihr Gewissen beruhigen wollen.“
André Blietz macht keinen Hehl daraus, dass er Eisenhüttenstadt und die Umgebung mag. „Ich bin hier aufgewachsen, zur Schule gegangen, lebe und arbeite in Eisenhüttenstadt, ich bin hier auch über meine Kinder fest verankert.“ Auch deshalb hat er sich vor wenigen Monaten den Wirtschaftsjunioren angeschlossen. Versicherungskunden haben ihn auf die Gemeinschaft der jungen Unternehmer und Führungskräfte aufmerksam gemacht. „Die Wirtschaftsjunioren sind Leute, mit frischen, unverbrauchten Ideen“, sagt der Neue. „Sich mit solchen Leuten zu umgeben, ist überaus reizvoll.“
Jugend fördern und in der Region halten
Das Engagement der Wirtschaftsjunioren für die Jugend und die Schüler in der Region schätzt André Blietz besonders. Die Wettbewerbe zum Wirtschaftswissen der Schüler, die Verbindung von Schule und Wirtschaft sowie die Förderung von Diplomarbeiten will er deshalb unterstützen. „Wir müssen die Jugend fördern, wenn wir wollen, dass die jungen Leute hier bleiben.“ Für ihn besitzen deshalb auch die Wirtschaftsjunioren eine gewisse Vorbildfunktion. „Wir können den Schülern zeigen, dass es hier hochinteressante Firmen mit reizvollen Aufgaben gibt, dass es sich lohnt, sich hier zu engagieren.“
André Blietz setzt sich gerade deshalb auch für Existenzgründer ein. „Sie brauchen einfach eine bessere Unterstützung“, mahnt er. Nicht alle Förderprogramme sind aus seiner Sicht für die Jungunternehmer am Anfang hilfreich. „Es kommt vor, dass junge Firmen von Fördermitteln unterstützt in den Markt einsteigen und mit Dumpingpreisen agieren“, schimpft der erfahrene Versicherungsfachwirt. Mit dieser Praxis werden gleich zwei Probleme in der Region geschaffen. „Die Dumpingpreise ruinieren bestehende Firmen und nach der Förderzeit verschwinden dann auch die neuen Unternehmen wieder vom Markt.“ Er plädiert deshalb für eine bessere fachliche Hilfe für Existenzgründer. Ansprechpartner dafür könnten auch die Wirtschaftsjunioren sein.
Wilko Döll

