Gunnar Hemme mit der Stele zum Zukunftspreis. Foto: W. Döll
Eine kleine Firma aus der Uckermark beliefert tausende Kunden in Brandenburg und Berlin täglich mit Milch und Milchprodukten.
„Was in der heimischen Lüneburger Heide funktioniert, müsste auch in der Uckermark klappen, war mein Gedanke vor dem Umzug hierher.“ Die Idee von Gunnar Hemme ging auf. Seit 1998 betreibt er in Schmargendorf bei Angermünde mit Erfolg einen Milchverarbeitungsbetrieb. Der studierte Landwirt stammt aus einer alten Bauernfamilie. „Ich bin der jüngste von drei Söhnen, den heimischen Hof aber erhält traditionell immer der Älteste, also habe ich mich in der Fremde umgeschaut.“In Schmargendorf fand er einen guten Milchlieferanten und für den Anfang auch Mieträume für seine Produktionsanlagen. Frischmilch und Joghurt waren die ersten Erzeugnisse der Firma Hemme-Milch. Zwei Dinge waren damals und sind auch heute noch dem Chef des kleinen Unternehmens besonders wichtig. „Wir erzeugen Qualitätsprodukte und wir bringen unsere Milcherzeugnisse direkt zum Kunden“, betont Gunnar Hemme.
Tausende Kunden beziehen Milch aus Schmargendorf
Die Kleintransporter mit der lustigen Kuh auf dem Blechkleid sind inzwischen nicht nur in der Uckermark, sondern auch im Barnim, im Berliner Speckgürtel und der Hauptstadt selbst unterwegs. Fast 3.000 Haushalte, Kindertagesstätten, Betriebsküchen sowie einige Restaurants und Seniorenheime werden pro Woche angesteuert. „Die Milch, die wir am Nachmittag ausfahren, war am Morgen noch in der Kuh“, erzählt er mit einem Lachen im Gesicht. Mit vier Mitarbeitern hat Hemme vor Jahren in der Uckermark angefangen, jetzt gehören neun Beschäftigte und zwei Auszubildende zur Firma. Direkt neben seinem Milchlieferanten besitzt der Unternehmer inzwischen eigene Firmenräume mit modernen Milchverarbeitungsanlagen.
„Anfangs hatte ich einige schlaflose Nächte, aber mein vorher durchgerechnetes Konzept ging auf und die geplanten Umsatzzahlen kamen“, blickt der Firmenchef zurück. Bereut hat er den Aufbau eines eigenen Unternehmens in der Fremde nie, zumal er mit seiner Idee und der Leistung seiner Firma nicht nur wirtschaftliche Erfolge, sondern auch öffentliche Anerkennung erzielte. Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt (Oder) und die Märkische Oderzeitung ehrten ihn 2004 mit dem Zukunftspreis Ostbrandenburg. „Wenn andere sagen, man ist gut und erfolgreich, ist das etwas anderes, als wenn man den Erfolg nur selbst an den Zahlen sieht“, sagt Hemme.
Neue Produkte erweitern das Sortiment
Die Auszeichnung war ihm aber auch Ansporn, über weitere Veränderungen im Warenangebot seiner Firma nachzudenken. Neben der Frischmilch und mehreren verschiedenen Joghurtsorten liefert Hemme-Milch inzwischen auch Frischkäse, Quark und Molke aus. Demnächst kommen noch Butter, Buttermilch und ein spezieller gekörnter Frischkäse zum Angebot hinzu. „Diesen speziellen Frischkäse hat ein russischer Großhändler aus Berlin bei uns bestellt.“ Für die gesamte Produktion verarbeitet die kleine Firma inzwischen eine Million Liter Milch pro Jahr in Schmargendorf.
Mehr Selbständigkeit und Eigenverantwortung nötig
„Wenn es uns gelingt, weiterhin qualitativ hochwertige Waren anzubieten und wir konsequent unser Milchmannprinzip umsetzen, dann hat unsere Firma auch weiterhin eine gute Zukunft“, glaubt Hemme. Er wünschte sich aber für das Unternehmertum in Deutschland mehr Unterstützung von der Politik. „Der Staat soll nicht alles bis ins kleinste Detail immer regulieren, sondern die Leute zu mehr Selbständigkeit und Eigenverantwortung erziehen, auch im sozialen Bereich“, fordert der Unternehmer.
Er selbst hat Verantwortung für sich und andere übernommen und eine florierende Firma in der strukturschwachen Uckermark aufgebaut, dabei aber auch einige gravierende Unterschiede zu seiner niedersächsischen Heimat festgestellt. „Hier gibt es leider mehr Pessimisten als Optimisten“, hat Gunnar Hemme beobachtet. „Aber das wird sich auch noch ändern.“
G. Hemme bekommt von IHK-Sprecher Th. Kunze die Stele zum Zukunftspreis. Foto: W. Döll
Wilko Döll

