20.06.2011
Unternehmen: "Wir sind breit aufgestellt"

UnitechnikONLINE
Immer den Überblick behalten: Geschäftsführer Eckhard Wilberg (links) und Hardware-Planungsingenieur Uwe Kranzusch.  Foto: Gerrit Freitag

Unitechnik profitiert vom chinesischen Markt - und hat einen Roboter zum Verladen von Fluggepäck entwickelt

„Ein Erfolgsrezept ist, dass wir breit aufgestellt sind." Weshalb die Unitechnik Automatisierungs GmbH, freut sich Geschäftsführer Eckhard Wilberg, auch die krisenbedingt schwierige Zeit letztlich gut überstand – „ohne Entlassungen, ohne Kurzarbeit, ohne soziale Abstriche". Zwar sei der Umsatz in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) gesunken, schwarze Zahlen aber habe Unitechnik immer geschrieben. Und jetzt, nach der Krise, geht es wieder richtig los. Beispielsweise bei ArcelorMittal in Bremen. Dort machte man mit Automatisierungsprojekten im Stahlwerk allein 2010 über eine Millionen Euro Umsatz, 2011 wird es wohl das Doppelte.

EKO - erste wichtige Referenz

Mit der Stahlbranche ging bei Unitechnik vor zwanzig Jahren, das Jubiläum wurde gerade groß gefeiert, auch alles los. Im benachbarten EKO, heute ArcelorMittal Eisenhüttenstadt, zog man den ersten Großauftrag an Land – in Konkurrenz zu Weltkonzernen. Mit der Modernisierung einer Beizanlage für Stahlband hatte man eine erste wichtige Referenz vorzuweisen, weitere Projekte im EKO, etwa beim Engineering für das Warmwalzwerk, folgten.

Walzen auf Tausendstel Millimeter Dicke

Doch mit der Steuerung von Anlagen in der Stahlindustrie allein wollte Unitechnik nicht mehr sein Geld verdienen. So tat man sich für immer mehr Projekte mit Maschinen- und Anlagenbauern zusammen. Um beispielsweise am laufenden Band Walzanlagen für Aluminiumfolie zu planen, zu errichten und in Betrieb zu nehmen. Besonderheit: Hier werden Alufolien bis auf eine Dicke von fünf my heruntergewalzt – ein my (heute eigentlich Mikrometer) ist ein Tausendstel Millimeter. Eine absolute Spitzenleistung. Sie findet in der Lebensmittelverpackung, etwa auf der Innenseite von Tetrapaks, Verwendung.

40 Ingenieure

Allein 20 Walzwerke mit Eisenhüttenstädter Beteiligung stehen in China. Das ist für die Firma ein lukrativer Markt. Aber, sagt Eckhard Wilberg, „damit verlangen wir unseren Mitarbeitern auch viel ab". Schließlich sind sie Wochen und Monate von den Familien getrennt, wenn solch ein Projekt realisiert wird. Dabei gilt im Gegensatz zu Konzernen: Der Entwickler, der die Software für eine Anlage geschrieben hat, nimmt sie auch vor Ort in Betrieb. „Da ist der Lernfaktor riesengroß." 1991 hatte man mit zwölf Mitarbeitern begonnen. Heute kümmern sich 90 Unitechniker, darunter 40 Ingenieure, um Projektierung, Entwicklung und Instandsetzung genauso wie um Montage, Bauleitung oder Schaltschrankfertigung. Und der Geschäftsführer betont: „Unsere Arbeit funktioniert nur gut, wenn die Familien der Mitarbeiter mitziehen."

Zukunftspreis weckt Interesse von potenziellen Mitarbeitern

In Sachen Belegschaft können Preise hilfreich sein. Eisenhüttenstadt ist nicht gerade ein Standort, an den sich gestandene Ingenieure gern locken lassen. Zukunftspreis und Innovationspreis Berlin-Brandenburg aber, sagt Eckhard Wilberg, hätten das Interesse von potenziellen Mitarbeitern an Unitechnik geweckt.

Verladen eines einzigen Koffers bedarf 1,2 Millionen Rechenoperationen

Noch nicht in Serie gegangen ist eine ganz andere Unitechnik-Innovation: Ein Roboter, der auf Flughäfen Gepäck vom Band nehmen und ordentlich in Container verladen kann. Und damit den Menschen schwere Arbeit erspart. Vor vier Jahren hat man mit der Entwicklung begonnen – alles andere als ein Kinderspiel. Schließlich sind für das Verladen eines einzigen Koffers 1,2 Millionen Rechenoperationen nötig. Die Pilotanlage wird im Juli Vertretern von Fraport, dem Betreiber des Flughafens Frankfurt/Main, präsentiert. Denn Fraport will im Herbst entscheiden, welcher Anbieter eine Anlage zu Testzwecken aufbauen darf – mit der Option auf mehr.

Gute Erfahrungen mit Kooperationen

Klappt es nicht auf dem direkten Weg, auf einem Flughafen Fuß zu fassen, wird Unitechnik aber längst nicht aufgeben. Dann will man sich eine Firma suchen, die Gepäckverteilungsanlagen baut und als krönenden Abschluss diesen Roboter gebrauchen kann. Mit solchen Kooperationen hat man ja, wie bei den Alufolien, gute Erfahrungen gemacht.

alt Hajo Zenker

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