Das sind die Besten: Kathleen Barby vom Hotel Flora Fredersdorf und Anita Kowalczyk (links) von der Hotelfachschule Kolberg. Fotos (2): M. Sassenscheidt
Letzte Zeugnisübergabe im deutsch-polnischen Ausbildungsprojekt
Zwei Länder, zwei Sprachen, zwei Berufsausbildungen – deutsche und polnische Jugendliche wurden diesseits und jenseits der Oder gemeinsam ausgebildet. Das verlangte den jungen Menschen viel Einsatz ab. Nach vier Jahren ist es endlich soweit: Sie sind Hotelfachfrauen/ -männer sowie Hoteltechniker. Mit der Zeugnisübergabe endete das letzte Kapitel der deutsch-polnischen Berufsausbildung im Hotel- und Gastgewerbe.Bei der deutsch-polnischen Berufsausbildung wurden seit 2003 Jugendliche aus beiden Ländern gemeinsam ausgebildet. Sie schlossen zwei Berufsausbildungen ab. Die polnischen Azubis absolvierten in diesem Jahr sogar gleichzeitig ihr Fachabitur. Mit der Entscheidung für diese Art der Berufsausbildung lägen sie auch heute noch „voll im Trend der Zeit“, ist sich IHK-Hauptgeschäftsführer Gundolf Schülke sicher.
„Sie dürfen vollkommen zu Recht stolz auf die von Ihnen erbrachten Leistungen sein. Ich bin mir sicher, dass es in Europa nur wenige Fachleute in der Hotelbranche gibt, die zwei Berufsabschlüsse von zwei EU-Mitgliedsstaaten aufweisen können“, lobte Gundolf Schülke die Absolventen und appellierte: „Nutzen sie diesen Vorteil, den sie anderen gegenüber haben!“
Toleranz und Freundschaft
Diese „einzigartige grenzübergreifende Berufsausbildung“ sei für die jungen Leute auch immer wieder eine persönliche Herausforderung gewesen, betonte Angela Thormann, Projektleiterin vom Berufsbildungsverein Eberswalde e. V. Sie blickte auf die vierjährige Berufsausbildung zurück: Zehn deutsche und zwölf polnische Jugendliche begannen 2007 ihre Ausbildung. Im darauffolgenden Jahr trafen sie erstmals aufeinander und „lernten sich gegenseitig zu akzeptieren“, erinnert sich Angela Thormann. Nicht nur eine andere Mentalität, eine andere Kultur und eine andere Sprache konnten die jungen Leute kennen lernen – es wurden auch neue Freundschaften geknüpft.
Unterstützt wurde das Ausbildungsprojekt von zwölf Unternehmen, denen die Projektleiterin ihren Dank aussprach: „Mit Engagement, Empathie und Fingerspitzengefühl wurde so manches Problem gelöst.“
Projektträger der deutsch-polnischen Berufsausbildung war die Arbeitsgemeinschaft Industrie, Handel und Handwerk im Bezirk Frankfurt (Oder) e. V. (ABG). Nach 20 Jahren werden die Projekte der ABG eingestellt. Damit endet auch die grenzüberschreitende Berufsausbildung in Ostbrandenburg. In den vergangenen Jahren wurden insgesamt 78 Jugendliche ausgebildet.
IHK-Hauptgeschäftsführer gratuliert den Absolventen der deutsch-polnischen Ausbildung. Sie können jetzt von zwei Berufsabschlüssen profitieren: Hotelfachfrau/ -mann und Hoteltechniker.
M. Sassenscheidt

