27.04.2007
Blickpunkt: Reize der Uckermark besser nutzen

Unteres Odertal
Das Untere Odertal ist bei Touristen besonders beliebt.  Foto: W. Döll

Wenn mehr Gäste in den Nordosten Brandenburgs gelockt werden sollen, müssen sich die touristischen Anbieter besser vernetzen. Das hat ein von der IHK Frankfurt (Oder) und dem Tourismusverband Uckermark in Templin organisierter Unternehmerstammtisch gefordert.

„Wenn wir wollen, dass unsere Gäste drei oder vier Tage bei uns bleiben, müssen wir sie auch mit attraktiven Angeboten im Ort halten“, fordert Kurt Stroß, Chef der NaturTherme in Templin. Die Uckermark biete mit ihrer landschaftlichen Vielfalt dafür die besten Voraussetzungen. Allerdings sollten die Angebote besser auf die Kunden zugeschnitten werden. Die touristischen Anbieter sollten sich außerdem auch mehr um die Vor- und Nachsaison kümmern. „In dieser Zeit sind gern Leute ohne Kinder unterwegs. Wenn wir uns auf deren Wünsche einstellen und Angebote für diesen Personenkreis erarbeiten, verlängern wir unsere Saison und verbessern damit unsere Auslastung“, sagt Stroß.

Rund 300.000 Gäste empfängt er pro Jahr in der NaturTheme Templin. Die meisten dieser Besucher kommen nur als Tagesgäste zum Baden in den Kurort. „Damit geht der Uckermark Potential verloren“, sagt der Thermenchef. Mit dieser Meinung steht er in der Region nicht allein. „Es muss uns besser gelingen, Netzwerke aufzubauen. Wir müssen uns gemeinsam um den Gast kümmern, nur so können wir ihn auch länger bei uns halten“, sagt Stefan Zierke, Geschäftsführer der Tourismusmarketing Uckermark GmbH. 3,1 Tage verweilt momentan jeder Gast in der Uckermark. Die Region liegt damit deutlich über dem Landesdurchschnitt. Trotzdem geben sich die Tourismusanbieter damit nicht zufrieden. „Die Uckermark ist eine ideale Region für den naturliebenden Aktivurlauber, hier kann er wandern, paddeln, radeln oder reiten, wir müssen die potentiellen Kunden nur besser erreichen“, sagt Zierke.

Berliner und Brandenburger verbringen Kurzurlaub in der Uckermark

Traditionell kommen die meisten Gäste für einen Kurzurlaub in die Uckermark. Fast 60 Prozent der Besucher haben eine kurze Anfahrt, denn sie reisen aus Berlin und Brandenburg oder den benachbarten Bundesländern an. Die alten Bundesländer oder gar das Ausland spielen im Tourismus der Uckermark kaum eine Rolle. „Der Aufwand für Werbung dort ist viel größer als der wirtschaftliche Effekt dadurch, wir sollten uns deshalb auf die Quellmärkte konzentrieren“, erklärt Hotelmanager Georg von Thadden. Sein Seehotel am Templiner Lübbesee ist mit über 400 Zimmern das größte in Brandenburg. Es wird in der Hauptsaison überwiegend von Stammgästen und sonst von Busreisenden genutzt.

Von Thadden plädiert in der Außenwerbung für mehr thematische Angebote. „Je weiter wir von der Uckermark weg kommen, desto weniger Leute können mit dem Namen Uckermark etwas anfangen.“ Mit der Erholung in der Natur, mit sportlichen Aktivitäten und mit besonderen Erlebnissen aber können Gäste angezogen werden. Dabei sollten die landschaftlichen Schönheiten der gesamten Region einbezogen und auch an das nahe Nachbarland Polen gedacht werden, forderten gleich mehrere Stammtischbesucher. Wenn Polen im kommenden Jahr dem Schengener Abkommen beitritt, werden die Grenzkontrollen wegfallen. Für Wanderer, Radfahrer und Kanutouristen ergeben sich damit ganz neue Möglichkeiten, sie müssen nur von den touristischen Anbietern erkannt und angeboten werden.

Hemmnisse für den Tourismus beseitigen

Die Stammtischbesucher sprachen aber auch Hemmnisse für die Tourismusentwicklung der Region an. So stieß beispielsweise die Regelung für Bootsfahrer rings um Prenzlau auf wenig Verständnis. Auf den dort miteinander verbundenen Seen ist das Fahren mit Motorbooten mal erlaubt und mal verboten. Für Ärger sorgen auch schwer nachvollziehbare Naturschutzregelungen. So wurde erst der Bau von Ferienwohnungen in der Nähe eines Sees gestattet und nun soll das Gewässer der totalen Schutzzone zugeordnet werden. Ein Fahrradvermieter aus Boitzenburg freute sich einerseits über den guten Zustand der großen Fernradwege, beklagte andererseits aber den schlechten Zustand der kleinen Radwege und fehlende Querverbindungen.
Tourismus Stroß und Heilmann
K. Stroß und Stammtisch-Moderator J. Heilmann.  Foto: W. Döll

alt Wilko Döll

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