07.12.2011
Meinungen: "Nun sag, wie hast du's mit der Quote?"

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Die große Gleichberechtigungslüge - Chefin sucht Chefsessel, Kyra ter Horn & Anja Theurer, Verlagsbuchhandlung Ehm Welk, 2011, ISBN: 978-3-9811703-9-9

"Die große Gleichberechtigungslüge" - Lesevergnügen zur Debatte um die Frauenquote

Die Debatte um die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist wieder einmal auf der politischen Agenda. Erst unlängst kam es zum Showdown zwischen den Ministerinnen Ursula van der Leyen (Arbeit und Soziales) und Kristina Schröder (Familie/Frauen/Jugend). Der politische Streit dreht sich um eine Frauenquote für Führungskräfte in der Wirtschaft. Die Auseinandersetzung zwischen Selbstverpflichtung oder gesetzlicher Vorgabe ist ein heißes Eisen und die Gretchenfrage ist nach wie vor: „Nun sag, wie hast du’s mit der Quote? Du bist eine herzlich gute Frau, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“

Es ist also ein klares Bekenntnis gefragt und die Autorinnen des Buches „Die große Gleichberechtigungslüge – Chefin sucht Chefsessel“ Kyra ter Horn und Anja Theurer kommen gemeinsam zum Schluss: „Quote machen, jetzt!“. Wann sonst, könnte der geneigte Leser/die geneigte Leserin fragen. Denn die Fakten, die in dieser hochemotionalen Debatte oft so schnell in den Hintergrund rücken, sprechen eigentlich eine klare Sprache. Vor zehn Jahren waren 2,5 Prozent der DAX-Vorstände weiblich. Heute sind es stolze 3,7 Prozent (7 von 190). Immerhin ein Wachstum um fast 50 Prozent könnte man einwenden. Was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass es ausgehend von diesem Niveau und mit dieser Wachstumsrate noch bis zum Jahr 2071 dauern dürfte, damit ein Frauenanteil von knapp 40 Prozent erreicht werden könnte.

Lockerflockiges Lesevergnügen

Ähnliche Zusammenhänge wie diese, werden in zahlreichen Anekdoten aufgegriffen
und in amüsanter lakonischer Form vorgetragen. Es ist ein verführerisches Buch. Kampfbegriffe des Feminismus wie beispielsweise das verstörende Wortungetüm „Gendermainstreaming“ fehlen komplett und so hat man zunächst das Gefühl in einer Glosse gelandet zu sein. Es liest sich lockerflockig herunter. Auch mit Humor und Augenzwinkern wird nicht gespart. Es ist aber Ernst, bitterer Ernst.

Den beiden Autorinnen gelingt die Gradwanderung, auf den rund 200 Seiten immer wieder neue Aspekte und Kuriositäten zu berichten, denen Frauen im Bestreben um Führungspositionen anscheinend immer und immer wieder begegnen, ohne das auch der männliche Leser das Verlangen verspürt, das Buch beiseite zu legen. Dafür ist es einfach zu amüsant geschrieben und die zahlreichen kurzweiligen Kapitel wie „Männer am Rande des Abgrunds“, „Subtile Schläge unter die Gürtellinie“, „Flugverbot für Arbeitsbienchen“ oder auch „Werkzeugkasten der Chauvisprüche“ halten durchaus, was man sich von Ihnen verspricht. Das einem dabei das Lachen gelegentlich im Halse stecken bleibt, ist durchaus beabsichtigt.  

Das Gift spritzt

Es ist ein Buch, was sich bewusst abhebt von der Masse an Sach- und Fachbüchern aus dem Feminismus-Genre. Es ist ein Plädoyer wider den politisch korrekten Mainstream. Schonungslos werden die klaffenden Wunden im Geschlechterkampf an der Karrierefront offen gelegt und gelegentlich sogar zum Salzstreuer gegriffen, damit auch der letzte Leser/die letzte Leserin die Quintessenz bloß nicht verpasst. Das wirkt zuweilen ein wenig redundant, was dem Lesevergnügen aber nicht abträglich ist.      

Nicht zuletzt wird statt dem Vorwort eine Warnung vorweg geschickt. Diese sollten die Leserinnen und Leser ernsthaft berücksichtigen. Denn es wird tatsächlich mit Gift gespritzt, es wird verkürzt und vereinfacht, es wird auf den Schlips getreten und sehr oft statt des Floretts der Säbel gewetzt.

Des Pudels Kern des Debattenbeitrages „Die große Gleichberechtigungslüge“ ist die Forderung nach der Einführung der Frauenquote für Führungspositionen. Aber egal wie man dazu steht, nie wurde sie bissiger, amüsanter und mit so viel Verve vorgetragen.  

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Autorin Anja Theurer (Mitte) mit den Rezensenten von der IHK, Uta Häusler und Daniel Jungmann. Foto: N. Groß

alt U. Häusler/ D. Jungmann

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