27.04.2007
Unternehmen: Digitalfunk für Rettungsdienst beim größten Brandenburger Volksfest

Hertz-elektronik, Detlef Finder
D. Finder mit seiner Digitalfunktechnik.  Foto: W. Döll

Die H.E.R.T.Z Elektronik GmbH aus Herzfelde bei Strausberg hat beim Baumblütenfest in Werder eine digitale Funkanlage für die Feuerwehr und den Rettungsdienst gesponsert.

Damit wird erstmals in Brandenburg bei einem Großereignis mit rund 500.000 Besuchern die zurzeit modernste Kommunikationstechnik eingesetzt. Der Digitalfunk ist der herkömmlichen analogen Funktechnik weit überlegen. „Die Einsatzzentrale kann damit auf einer Frequenz gleichzeitig mit mehreren Teilnehmern und in viel besserer Sprachqualität als bislang reden“, erklärt Frank Gericke von der Firma H.E.R.T.Z Elektronik. Außerdem können Kurzmitteilungen zwischen der Zentrale und den Einsatzkräften ausgetauscht werden. Die digitale Technik besitzt noch einen weiteren Vorteil. „Sie kann nicht abgehört werden, vertrauliche Gespräche und Mitteilungen sind damit nur den berechtigten Empfängern zugänglich.“

Die kleine Firma aus Herzfelde hat sich inzwischen auf den Digitalfunk konzentriert. „Wir haben damit schon Busverkehrsunternehmen, große Industriefirmen, Behörden und Spezialeinheiten der Polizei ausgerüstet“, sagt Geschäftsführer Detlef Finder. Seit Jahren arbeitet seine Firma mit Motorola zusammen. Die Funktechnik des Weltkonzerns wird mit spezieller Software kombiniert und dann auf die Bedürfnisse der jeweiligen Kunden abgestimmt. „Die Mitarbeiter von großen Chemiefirmen sind beispielsweise mit Funktechnik von uns ausgestattet und können damit im Havariefall sofort von jedem Punkt ihres Betriebsgeländes aus Alarm auslösen und die Bekämpfung der Havarie organisieren.“

Von der Zwei-Mann-Firma zum florierenden Unternehmen

1991 hat Detlef Finder mit einem früheren Kollegen zusammen die H.E.R.T.Z Elektronik gegründet. Anfangs beschäftigte sich das kleine Unternehmen mit der Rechentechnik, jetzt ist die drahtlose Kommunikation das Spezialgebiet der Firma. Acht Mitarbeiter gehören inzwischen zum Team. Detlef Finder würde gern mehr Leute einstellen. „Trotz hoher Arbeitslosigkeit finden wir in Brandenburg aber keine Ingenieure für den Vertrieb und die Projektierung und Kommunikationselektroniker sind ebenfalls sehr rar“, klagt der Firmenchef. Die Entwicklung im Bereich der modernsten Kommunikationstechnik verläuft extrem schnell, gute Fachleute werden deshalb dringend benötigt. Detlef Finder verspürt am Markt einen neuen Trend. „Die großen Firmen schlucken heute nicht mehr die kleinen Unternehmen, heute schluckt der Schnelle den Langsamen.“

Die H.E.R.T.Z Elektronik hat sich auf dem deutschen Markt einen festen Platz erkämpft und besitzt in Fachkreisen einen guten Ruf, trotzdem ist Detlef Finder mit der Anwendung des Digitalfunks unzufrieden. „Deutschland und Albanien sind die einzigen Länder in Europa die ihren Polizeifunk noch nicht digitalisiert haben“, sagt er sarkastisch. „Hier wird seit zehn Jahren über die Einführung dieser besseren und abhörsicheren Technik diskutiert.“ Welche Vorteile der digitale gegenüber dem analogen Polizeifunk hat, erklärt er an einem Beispiel. „Wenn ein Zöllner in Odernähe einen Schmuggler beobachtet, kann der durch das Abhören des analogen Polizeifunks den Standort des Zöllners herausfinden und sich somit einen anderen Weg suchen. Mit digitaler Technik wäre das nicht möglich.“

Unternehmer wünscht sich mehr wirtschaftliches Denken

12 bis 14 Stunden ist Detlef Finder täglich für seine Firma unterwegs. Er ist mit Leib und Seele Unternehmer, klagt nicht über seinen harten Einsatz, beurteilt die Leistungen anderer aber immer aus Unternehmersicht. Deutschlands Politiker kommen dabei nicht gut weg. „Die sind unsensibel geworden, Leben nicht das vor, was sie von der Bevölkerung verlangen. Über die Politikverdrossenheit in diesem Land muss sich deshalb niemand wundern.“ Er selbst ärgert sich besonders über die Bürokratie, mit der Unternehmen überschüttet werden. „Wenn selbst 500-Euro-Aufträge in langwierigen und papierintensiven Ausschreibungsverfahren behandelt werden müssen, wird der Organisationsaufwand oft größer als die eigentliche Arbeitsleistung“, schimpft Finder. Außerdem wünscht er sich auch in vielen Behörden mehr wirtschaftliches Denken. „Der billigste Anbieter muss für den Ausschreibenden nicht immer der wirtschaftlichste sein. Wartungs-, Pflege- und Ersatzkosten werden bei Ausschreibungen oft nicht berücksichtigt.“

Trotzdem denkt Detlef Finder immer positiv. „Ich muss als Unternehmer den Optimismus vorleben, das motiviert meine Mitarbeiter und das wiederum bekommt der Firma und damit uns allen gut.“
Hertz-elektronik, Finder und Dorf
D. Finder und Systemtechniker A. Dorf.  Foto: W. Döll

alt Wilko Döll

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