J. Funke überprüft die Schneiddüsen. Foto: W. Döll
Per Wasserstrahl schneidet die AquaCut GmbH in Buchholz bei Altlandsberg edelste und härteste Materialien und eilt damit von Erfolg zu Erfolg.
„Durch uns wird der neue Gotthardtunnel in der Schweiz ein kleines Stück sicherer.“ Jens Funke bekommt strahlende Augen, wenn er an den Großauftrag aus der Schweiz denkt. Tief im Berg werden dort 14.000 besonders teure und extrem korrosionsbeständige Teile aus Edelstahl verbaut. „Wir haben die in einer Großserie aus finnischen Edelstahlplatten herausgeschnitten“, erzählt der Geschäftsführer der AquaCut GmbH mit stolzer Stimme. Seine Firma hat aber auch schon für einen Kunden in Saudi-Arabien 25.000 italienische Fliesen auf Maß gebracht oder Turbinenteile für ein Kraftwerk in Texas geschnitten.All diese Präzisionsteile wurden nicht mit einer Schere oder einer Säge bearbeitet, sondern mit einem Wasserstrahl geschnitten. Der wird mit Sand vermischt und dann mit viel Druck auf das Material gerichtet. „Das Prinzip ist ganz einfach“, meint der Maschinenbauingenieur und vergleicht seine Maschine mit einem Fluss. „Der frisst sich im Laufe der Jahre auch durch hartes Felsgestein und schafft eine neue Landschaft. Unsere Maschine ist mit ihren präzisen Düsen nur schneller und viel genauer.“ Die Technologie wurde Ende der achtziger Jahre in den USA entwickelt und kam gut zehn Jahre später als Idee auch nach Europa. Jens Funke war davon begeistert und gründete 1997 seine Firma AquaCut.
Wasserstrahl schneidet 300 Millimeter dicke Teile
Mit seinen Maschinen kann er alle Metalle, Steine, Glas und Kunststoffe sowie auch Schaumstoffe und Kuchen schneiden. Bis zu 300 Millimeter kann das Material dick sein. Am Computer wird nach den Wünschen des jeweiligen Kunden das Schnittmuster entworfen und der steuert dann die Düsen der besonderen Schneidmaschine. Fast drei Meter groß war das bislang größte Teil für einen Tankboden, wenige Millimeter groß war die Schrift auf einer Gedenktafel für die Hexenverbrennungen in Bernau. Die Auftraggeber kamen Anfangs aus der näheren Umgebung und inzwischen aus der ganzen Welt. „Zwei Drittel sind Industriekunden, der Rest sind Handwerker, Designer oder Privatleute“, sagt Funke.
Mit einer Maschine und zwei Schneiddüsen hat er vor Jahren angefangen. 2005 stellte er dann eine Maschine mit sechs Düsen auf. Sie war und ist noch immer die größte Anlage dieser Art in Europa. Damals bekam AquaCut für die Idee und die Umsetzung den Zukunftspreis der Industrie- und Handelskammer Frankfurt (Oder) und der Märkischen Oderzeitung. „Diese Ehrung hat uns aus einer wenig beachteten Nische an die Öffentlichkeit gebracht und uns viel Selbstbewusstsein gegeben, denn plötzlich wurde überall über uns geredet und wir waren in den Medien präsent“, erinnert sich der zurückhaltende Unternehmer. Dadurch wurden weitere Firmen auf das kleine Unternehmen aufmerksam.
Umsatz steigt Jahr für Jahr um 30 Prozent
Seit der Auszeichnung vor zwei Jahren hat sich AquaCut sehr gut entwickelt. „Wir haben unsere Umsätze Jahr für Jahr um 30 Prozent steigern können und sind jetzt nicht mehr drei, sondern sechs Mitarbeiter in der Firma“, sagte Jens Funke, als sich Thilo Kunze vom IHK-Zukunftspreis-Team nach der Entwicklung des Unternehmens erkundigte. Für die erfolgreiche Weiterentwicklung erhielt der Firmenchef nun eine Kristallstele zum Zukunftspreis hinzu. Der Maschinebauingenieur lehnt sich trotzdem nicht selbstzufrieden zurück. „Meine Frau und ich bereiten schon die nächste Investition vor“, blickt er voraus. Im nächsten Jahr soll eine weitere Schneidmaschine in Buchholz aufgestellt werden und das Personal aufgestockt werden. „Allerdings ist es sehr schwer, gut ausgebildete Leute für die Bedienung der Maschine zu finden.“
Also wird der Firmenchef wohl auch künftig nicht mit Anzug und Krawatte über sein Gelände schreiten, sondern im blauen Pulli und in Jeans selbst seine Maschinen einrichten und bedienen. „Die Konjunktur brummt, die deutsche Exportwirtschaft läuft auf vollen Touren und auch unsere kleine Firme lebt zum Großteil vom Export“, erzählt Funke. Auch die Auftragsbücher von AquaCut sind voll. „Mit der neuen Maschine wollen wir uns aber rechtzeitig auf künftige Aufgaben einstellen.“
J. Funke erhält von IHK-Sprecher Th. Kunze die Stele zum Zukunftspreis. Foto: W. Döll
Wilko Döll

