S. Uhlig erhält von IHK-Sprecher Th. Kunze die Stele zum Zukunftspreis. Foto: W. Döll
Die FÜRST Fensterbau GmbH hat zeitig den wirtschaftlichen Vorteil der deutsch-polnischen Grenzregion erkannt und ihn für eine erfolgreiche Entwicklung genutzt.
„Eine Frau wird als Firmenchef auf Baustellen viel kritischer beäugt als ein Mann“, sagt Sylvia Uhlig aus Fürstenwalde. Die Geschäftsführerin der FÜRST Fensterbau hat damit aber schon lange kein Problem mehr. „Unsere Firma existiert schon seit Jahren, produziert Qualitätsware und liefert pünktlich, so überzeugt man Kritiker.“Die politische Wende in der DDR hat die energische Frau einst zum Fensterbau gebracht. Sylvia Uhlig hat eigentlich Physik studiert und es mit einem Diplom im Bereich Kristallographie beendet. Damit arbeitete sie im damaligen Stahlcordwerk für die Reifenproduktion in Fürstenwalde. Mit der Wende aber wurde das Werk nicht mehr benötigt. Die junge Frau ging jedoch nicht in die Arbeitslosigkeit oder Resignation, sondern baute mit einigen Partnern auf dem Gelände des früheren Stahlcordwerkes 1991 die Firma FÜRST Fensterbau auf. „Der Sanierungsbedarf in den neuen Bundesländern war riesig, Fenster waren gefragt“, erinnert sich Sylvia Uhlig. 14 Mitarbeiter stellten im ersten Firmenjahr in Fürstenwalde täglich 20 Fenster her.
Tochterfirma in Polen aufgebaut
Inzwischen entstehen im Unternehmen pro Jahr rund 40.000 Fenster. In Fürstenwalde aber befinden sich nur noch die Projektierung und der Vertrieb von FÜRST Fensterbau. Die eigentliche Produktion findet im polnischen Debno statt. „Schon 1993 haben wir den wirtschaftlichen Vorteil der Produktion in Polen erkannt und sind deshalb in das Nachbarland gegangen“, erklärt die Geschäftsfrau. In der dortigen Tochterfirma arbeiten inzwischen 60 Mitarbeiter. Sie produzieren mit deutschem Material und nach deutschen Normen und Vorschriften Fenster. Ein Teil davon wird inzwischen auch in Polen verkauft, die meisten Fenster aber finden ihre Abnehmer in Deutschland.
„Fenster von uns werden deutschlandweit in Großprojekte oder auch private Häuser eingebaut sowie in Bau- und Fachmärkten verkauft“, erzählt die rührige Unternehmerin. Die Fenster werden in allen möglichen Farben und auch im System mit Rollläden und Insektenschutz angeboten. Der Kunde kann zwischen vielen Glassorten wählen. Sylvia Uhlig legt bei ihren Fenstern großen Wert auf eine gute Wärmedämmung sowie auf den Schutz vor Einbrüchen und auf eine wirksame Pflege der Fenster. „Ein Auto rollt auch regelmäßig in die Werkstatt, wer Fenster gut pflegt, erhält ihre Eigenschaften und spart somit auch Geld.“
Wirtschaft benötigt schnelle und eindeutige Entscheidungen der Politik
Für die Innovationen hat die FÜRST Fensterbau GmbH Fürstenwalde schon im Jahr 2004 den Zukunftspreis der Industrie- und Handelskammer Frankfurt (Oder) und der Märkischen Oderzeitung erhalten. „Diese Auszeichnung war eine wichtige Anerkennung für die Firma und ein Ansporn für jeden Mitarbeiter“, sagte Sylvia Uhlig, als sie jetzt vom IHK-Zukunftspreisteam eine Kristallstele erhielt. Die Unternehmerin blickt optimistisch in die Zukunft. „Die Auftragslage ist wesentlich besser als im vergangenen Jahr, ganz langsam kommt der wirtschaftliche Aufschwung auch im Osten an.“
Aus Sicht der gestandenen und erfolgreichen Unternehmerin wären in Deutschland noch weit bessere wirtschaftliche Ergebnisse möglich, wenn die Politik mehr und schnellere Entscheidungen treffen und sich nicht ständig im Hickhack verfangen würde. „Über die Unternehmenssteuerreform wird schon ewig diskutiert und noch immer ist keine klare Richtung erkennbar“, klagt Sylvia Uhlig. Außerdem wünschte sich die Firmenchefin auch eine Entlastung bei den Ausgaben für die sozialen Beiträge. „Es wäre schön und für jedes Unternehmen gut, wenn die Politik endlich schnelle und eindeutige Entscheidungen fällen würde.“
Wilko Döll

