17.01.2012
Blickpunkt: "Serbische und ostdeutsche Ingenieure kommen gut miteinander aus"

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Dr. Aleksandar Ivkovac, Leiter der Wirtschaftsabteilung bei der serbischen Botschaft ermuntert ostbrandenburger Unternehmer zu Kooperation in seinem Heimatland. Foto: N. Groß

Einst Student in Ostbrandenburg, jetzt Botschaftsrat in Deutschland

Dr. Aleksandar Ivkovac war Gast in der IHK Ostbrandenburg. Der Leiter der Wirtschaftsabteilung bei der serbischen Botschaft sprach mit IHK-Mitarbeitern von Internationales über die Zusammenarbeit. Der Botschaftsrat studierte in Belgrad und Novi Sad Germanistik und Politikwissenschaften und promovierte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

Herr Botschaftsrat, Sie sind heute nicht das erste Mal in Frankfurt (Oder)?

„Nein. Das ist für mich eine Rückkehr in eine Stadt, in der ich anderthalb Jahre mit Freude gewohnt und gelebt habe. Es war eine aufregende Zeit unmittelbar vor dem Beitritt der zehn Länder Osteuropas zur Europäischen Union. 2004 war ich allerdings schon in Berlin. Für mich war das eine große Erfahrung, wie der Enthusiasmus auf beiden Seiten der Grenze gewachsen ist und langsam das gegenseitige Misstrauen im Zuge dieser europäischen Einigung verschwunden ist.“

Wie ist Ihr Eindruck heute, viele Jahre später von der Stadt und der Region?

„Ich habe weiterhin das Gefühl, ich sage das auch ganz offen, weil ich diese kleine Stadt in mein Herz geschlossen habe: es muss noch viel mehr hier in Frankfurt (Oder) getan werden. Die Stadt muss wirklich ein Leuchtturm auf beiden Seiten sein, sowohl für den Osten als auch für das große Land im Westen, wofür Frankfurt (Oder) der ersten Posten ist. Was in Frankfurt (Oder) gut ist, muss mehr Anerkennung in der deutschen Öffentlichkeit finden. Beispielsweise diese hervorragende Europa-Universität. Aber auch was die Wirtschaft betrifft: Mehr als 80 Prozent der Unternehmen hier gehören nicht zum Mittelstand. Es sind Kleinunternehmen. Aber sie sind es, die die Beschäftigung ankurbeln und Wachstumsmotor in der Region sind. Das ist für viele Regionen in Deutschland ein gutes Beispiel: praktisch aus nichts Wachstum generieren. Das ist ein sehr gutes Beispiel, aber relativ unbekannt.“

Heute sind Sie als Botschaftsrat in die IHK Ostbrandenburg gekommen. Warum?

„Ganz einfach. Deutschland ist für Serbien Wirtschaftspartner Nummer 1. Die Zahlen von 2011 zeigen, dass auch für serbische Exporteure Deutschland der erste Absatzmarkt ist. Kontakte zwischen Unternehmen in Ostbrandenburg und Serbien können da nur gut sein. In Serbien haben wir auch viele kleine Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern. Wo kann man zusammen arbeiten? Letztendlich muss Austausch von den Unternehmen kommen. Es ist ein gemeinsames Anliegen der Abteilung Internationales hier bei der IHK Ostbrandenburg und der Wirtschaftsabteilung unserer Botschaft, die ich jetzt leite, zu sehen wie die Kontakte hergestellt werden können.“

In welchen Branchen sehen Sie eine Zusammenarbeit?

„Wir haben festgestellt, dass man für Unternehmen aus Ostbrandenburg Marktchancen in der Ernährungswirtschaft erschließen könnte. Deshalb freue ich mich auch die Kollegen von International an unserem Stand auf der grünen Woche begrüßen zu dürfen. Desweiteren sind da die innovativen Bereiche wie Energietechnik und Energiebewirtschaftung. Dafür interessieren sich sehr große serbische Unternehmen. Wir können Rahmenbedingungen und Kooperationen schaffen, was die staatliche Unterstützung oder die Unterstützung der EU angeht. Serbien wurde dafür erst Mitte Dezember über das deutsche BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Anm.d.Red.) und das Umweltministerium ein Fördertopf von 110 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Natürlich erwartet man dann, dass deutsche Unternehmen, die in diesem Bereich schon ausgezeichnete Erfahrungen gesammelt haben, aktiv werden und ihre Dienstleistungen und Produkte in Serbien anbieten und sich an diesen großen Vorhaben beteiligen werden. Da sehe ich große Chancen für Technologieunternehmen aus Ostbrandenburg.“  

Passen Ostbrandenburg und Serbien zueinander?

„Ja, man versteht sich einfach besser. Das haben wir bei vielen Veranstaltungen der letzten Jahre schon erkennen können. Die serbischen und ostdeutschen Ingenieure kommen gut miteinander aus. Die Erfahrungen bei dem Übergang in eine Marktwirtschaft waren ähnlich. Nur in Ostdeutschland kam er schlagartig. Dafür waren die Lehren umso nachdrücklicher. Was hier nicht so gut gelaufen ist, haben die Fachleute erkannt. Wenn sie mit ihren serbischen Kollegen in Kontakt kommen, reden sie über die gleiche Ausgangssituation. Das gilt für die Wasserversorgung, die Energieerzeugung, den Wärmebereich. Hier ist etwas aus eigener Kraft und aus Ansporn der Menschen in der Region entstanden. Hier hat man Hochtechnologie angesiedelt und betreibt sie erfolgreich. Und man hat immer über den Zaun hinaus geschaut: wie kann man das in Polen, Tschechien oder Serbien anwenden? Deshalb glaube ich, dass eine Zusammenarbeit gut funktionieren wird. Ich würde mich freuen, wenn die Unternehmen aus Ostbrandenburg an den großen Vorhaben in Serbien beteiligt werden.“

Sie machen jetzt noch einen Abstecher in die Europa-Universität?

„Ja, selbstverständlich. Ich werde heute meine gute, alte Uni besuchen. Leider Gottes ist mein Doktorvater verstorben. Aber ich werde mit meinen früheren Kollegen die Zeit um die EU-Erweiterung 2004 aufleben lassen. Wir haben viel zu besprechen. Mal sehen, was es neues gibt.“

alt IHK/NG

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