14.05.2007

Speziallack für tausend Euro pro Liter

Matthias Schirmer
M. Schirmer im gelbbeleuchteten Labor.  Foto: W. Döll

Eine Firma aus Strausberg ist mit einem ganz besonderen Nischenprodukt auf dem Weltmarkt vertreten.

„Was wir hier machen, hat viel mit Kunst zu tun“, sagt Matthias Schirmer, Geschäftsführer der ALLRESIST GmbH in Strausberg, und führt seine Besucher weiter durch das große und helle Firmengebäude. In der Luft hängt ein Geruch nach Zahnarzt, in den Laboren und Produktionsräumen schimmert ein seltsames, gelbliches Licht. „Wir stellen hier ganz besondere Lacke her, lichtempfindliche Lacke“, erklärt Schirmer. Auf dem Markt kann er diese Lacke je nach Sorte für einhundert bis tausend Euro pro Liter verkaufen.

Die Strausberger Lacke aber verzieren keine Bleche oder Möbel, sondern werden weltweit in der Chipherstellung eingesetzt. „Sie sorgen dafür, dass später der Strom auf den richtigen Bahnen durch die Chips fließt“, erzählt der Unternehmer. Die lichtempfindlichen Lacke werden im komplizierten Prozess der Chipherstellung durch eine Art Maske auf das Rohmaterial gespritzt. Anschließend werden die nicht bespritzten Stellen weggeätzt. Zurück bleiben die für den Chip vorgesehenen Leiterbahnen. Präzision ist in diesem komplizierten Prozess besonders wichtig. „Unsere Lacke werden mitunter nur in einer tausendstel Millimeter dicken Schicht aufgetragen.“    

Strausberg hat sich um ALLRESIST bemüht

Matthias Schirmer ist Diplom-Chemiker. Zusammen mit seiner Frau hat er schon vor der Wende in den Fotochemischen Werken Berlin mit lichtempfindlichen Lacken gearbeitet. Sein Mutterbetrieb überstand die Wende nicht und er ging in die Selbstständigkeit. Erst arbeitete seine Firma in Berlin, als die Räume dort zu eng wurden, siedelte er in das Gewerbegebiet am Strausberger Flugplatz um. „Die Hauptstadt hatte nichts gegen uns, tat jedoch auch nichts für uns. Strausberg aber hat uns mit offenen Armen empfangen und die Grundstückspreise im Gewerbegebiet waren akzeptabel“, blickt der Unternehmer zurück.

Zehn Leute stellen pro Jahr inzwischen zwei bis drei Tonnen der besonderen Lacke in Strausberg her. Zu den Abnehmern gehören kleine und mittlere Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen, die ganz großen Konzerne kaufen nicht bei ALLRESIST ein. „Mir sind mehrere kleine Stammkunden lieber als ein Großkunde, von dem das Wohl und Wehe der Firma abhängen würde“, erklärt Matthias Schirmer seine Firmenphilosophie. Zehn Prozent der Strausberger Lacke gehen inzwischen ins Ausland. „Zwei Universitäten aus Australien beziehen beispielsweise regelmäßig ihre Flaschen mit dem lichtempfindlichen Lack von uns.“

ALLRESIST soll langsam wachsen

Auf Kongressen und bei Messen sucht ALLRESIST den Kontakt zu neuen Kunden. Bislang ging das Konzept der Firma auf. In den vergangenen Jahren stieg der Umsatz von ALLRESIST Jahr für Jahr um 20 Prozent. Allerdings kann die Firma nicht unendlich wachsen. „Wir wissen, dass wir uns mit unserer Produktion in einer sehr kleinen Nische befinden“, sagt der Geschäftsführer. Noch verfügt die Firma über Kapazitätsreserven am Standort. Matthias Schirmer wünscht sich für die Zukunft ein moderates Wachsen. 15 oder 16 Leute könnten bei optimaler Entwicklung vielleicht mal in der Firma arbeiten.

ALLRESIST besitzt inzwischen einen festen Platz am Markt. Im Jahr 2005 erhielt das Unternehmen für seine innovativen Produkte von der IHK Frankfurt (Oder) und der Märkischen Oderzeitung den Zukunftspreis. „Das war eine schöne Anerkennung“, freut sich Schirmer noch immer. „Die Auszeichnung hat uns etwas aus der Nische rausgeholt und uns auch in der Region richtig bekannt gemacht.“ Der ehemalige Berliner ist inzwischen ein richtiger Brandenburger. Nach dem Firmensitz verlegte er auch den Wohnsitz nach Strausberg. Jetzt hegt er einen besonderen Traum. „Hier soll die Firma später einmal ihr 100-jähriges Bestehen feiern.“
Allresist,  Matthias und Birgit Schirmer mit Thilo Kunze
Matthias und Brigitte Schirmer erhalten von IHK-Sprecher Thilo Kunze die Stele zum Zukunftspreis. Foto: W. Döll

alt Wilko Döll

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