06.08.2007
Meinungen: „Dual mit Wahl“ auf Erfolgskurs

Ludwig Braun (DIHK)
DIHK-Präsident Ludwig Braun.  Foto: DIHK

Das Modell „Dual mit Wahl“ verbindet die Vorzüge der dualen Ausbildung mit flexiblen Wahlmöglichkeiten.

Bei zurückgehenden Bewerberzahlen wird der Wettbewerb um die guten und ausbildungsfähigen Jugendlichen immer heftiger. Die Konkurrenz durch die Hochschulen und vollschulische Ausbildung steigt. Gleichzeitig haben es schwache Schulabsolventen auch in Zukunft schwer, wenn die Schulen ihnen nicht das notwendige Rüstzeug mitgeben – eine wachsende „Qualitätslücke“ zeichnet sich ab. Die paradoxe Folge: Viele Betriebe finden keine geeigneten Auszubildenden, und gleichzeitig finden viele Jugendliche keinen Ausbildungsplatz. Außerdem ist in vielen Bereichen ein höheres Ausbildungsniveau nötig. Die Qualifikationsanforderungen ändern sich permanent, und lebenslanges Lernen wird zwingend.

In den letzten Jahren haben der technische Fortschritt und die zunehmende Arbeitsteilung zu sehr differenzierten, häufig recht eng geschnittenen Berufen geführt. Diese Differenzierung und sinkende Schulabgängerzahlen machen einen betriebs- und wohnortnahen Berufsschulunterricht aber immer komplizierter. Viele Ausbildungsordnungen sind zudem überfrachtet, und ein Betrieb alleine kann die Fülle der Anforderungen an Ausbildungsberufe häufig kaum noch bewältigen.

Anpassung an betriebliche Belange

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat daher gemeinsam mit Unternehmern das Modell „Dual mit Wahl“ entwickelt. Es verbindet die Vorzüge der dualen Ausbildung mit flexiblen Wahlmöglichkeiten, setzt aber nicht auf eine durchgängige und kleinteilige Modularisierung. Das Modell hält an der Ausbildung in Berufsschule und Betrieb fest, passt diese aber flexibler den betrieblichen Belangen an. In einer ein- bis zweijährigen Phase werden den Jugendlichen grundlegende Kompetenzen vermittelt. Daran schließen sich Module mit speziellen Kompetenzen an. Der Vorteil für die Betriebe wie für die Jugendlichen: Die Ausbildung wird passgenauer. Am Schluss steht wie bisher eine öffentlich-rechtliche Prüfung, die bundesweit anerkannte Qualität und damit Mobilität der Fachkräfte garantiert. Am Prinzip einer breit angelegten und fundierten beruflichen Ausbildung wird also nicht gerüttelt. Ein Beruf muss immer mehr sein als die Summe einzelner Module.

Solide Grundlage für Modernisierung des Berufsbildungssystems

DIHK und IHKs werben derzeit bei den Akteuren der Beruflichen Bildung in Deutschland für das neue Modell und finden dabei immer mehr Zustimmung: In der abschließenden Sitzung des Innovationskreises Berufliche Bildung des Bundesbildungsministeriums hat Ministerin Annette Schavan den Vorschlag der IHK-Organisation als solide Grundlage für die Modernisierung des Berufsbildungssystems bewertet. Nicht durchgedrungen sind hingegen die Arbeitgeberverbände mit ihren Forderungen nach einer Modularisierung von Anfang an und Modulprüfungen durch die Betriebe.

In den kommenden Wochen laufen weitere Gespräche mit Unternehmen, Fachverbänden, Fachgewerkschaften und Berufsschulen, um die Umsetzung voranzubringen und das Modell für konkrete Berufe und Berufsgruppen zu erproben. Ziel ist eine optimale Gestaltung der Abschlussprüfung und des Berufsschulunterrichts, ohne die Kosten ansteigen zu lassen. Die IHKs werben für das Modell in ihren Vollversammlungen, den Berufsbildungsausschüssen und gegenüber der Landespolitik und regionalen Verbänden und Gewerkschaften. Die politische Diskussion erfolgt dabei in enger Partnerschaft mit dem Handwerk.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat inzwischen angekündigt, geeignete Berufsgruppen für anstehende Neuordnungsverfahren zu identifizieren. Damit kann „Dual mit Wahl“ vielleicht schon bald als Blaupause bei der Neuschaffung und Novellierung von Berufen dienen.


alt Ludwig Braun

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