H. Lukowsky in ihrem Mode-Eck. Foto: W. Döll
Viele Unternehmensgründer aus der Wendezeit gehen auf das Ruhestandsalter zu und benötigen Nachfolger für sich.
Für Heidrun Lukowsky ging nach der politischen und wirtschaftlichen Wende in der DDR ein Traum in Erfüllung. „Ich hatte schon immer den Wunsch gehabt, ein eigenes Modegeschäft zu führen“, erzählt die Unternehmerin. 1992 eröffnete sie schließlich in Strausberg ihr Mode-Eck. Inzwischen aber sind einige Jahre ins Land gezogen. „Spätestens mit 63 will ich mich aus dem Geschäft zurückziehen“, erklärt die 61-Jährige. Für die Fortführung ihres Ladens sucht sie deshalb eine Nachfolgerin. Im September hat sie per Zeitungsanzeige ihr Geschäft angeboten. „Nur eine Frau hat sich kurz per Telefon erkundigt, ist aber nie vorbeigekommen“, sagt Heidrun Lukowsky.Die Unternehmerin versteht das Desinteresse nicht. „Mein Geschäft ist seit 15 Jahren erfolgreich am Markt und ich habe viele Stammkunden.“ Das Mode-Eck liegt nicht in der Strausberger Hauptgeschäftsstraße und trotzdem ist die Verkäuferin mit der Lage sehr zufrieden, ist ihr Bekleidungsladen doch der einzige dieser Art in ihrem Viertel. „Hier wohnen überwiegend Familien von ehemaligen Offizieren mit guten Renten oder Einkommen“, erzählt sie. Allerdings hat sich ihre Kundschaft seit der Geschäftseröffnung gewandelt. Die Kunden wurden älter und ihre Wünsche haben sich geändert. „Kindersachen gibt es deshalb hier schon lange nicht mehr und auch die Herrenmode habe ich reduziert“, sagt die Geschäftsfrau.
Auf ältere Kunden eingestellt
Zumeist schauen ältere Frauen in das Strausberger Mode-Eck. Ältere Kunden kaufen seltener Bekleidung als junge Leute, dafür achten sie mehr auf Qualität und Pflegeleichtigkeit. Am Vormittag geben sich gleich mehrere ältere Damen die Ladenklinke in die Hand. Eine grauhaarige Frau probiert schon die dritte Hose an. „Ich kaufe immer meine Hosen hier, ich werde schon die richtige finden“, sagt sie. Eine andere Frau steht mit einem neuen Pullover vor dem Spiegel. „Der Schnitt passt nicht zu Ihnen“, sagt die Ladeninhaberin mit freundlicher Stimme und bringt der Frau andere Stücke zur Auswahl. Eine weitere Kundin erklärt der Geschäftsfrau später an der Kasse, warum sie diesmal eine Hose in einer anderen Größe nehmen musste und was ihr Arzt von dieser Figurveränderung hält.
Heidrun Lukowski ist für ihre Kunden viel mehr als nur eine Verkäuferin und Geschäftsfrau. Die Frauen aus dem Viertel kommen gern zu ihr, nehmen sich Zeit für den Einkauf und erwarten auch eine fachkundige Beratung. „Wenn ich der Frau den Pullover aufschwatze, sagt die Freundin später, dass er nicht gut passt und beide kommen nicht mehr zu mir ins Geschäft“, erklärt die Ladeninhaberin. Sie setzt nicht auf den Augenblicksvorteil, sondern auf Kontinuität und gute, aber keineswegs billige Produkte. „Ramsch oder Massenware wollen meine Kunden nicht. Wenn die Qualität stimmt, akzeptieren sie auch einen guten Preis.“
IHK hilft bei der Nachfolgersuche
Auch ein künftiger Betreiber des Ladens könnte den Vorteil der Stammkundschaft und die guten Beziehungen zu langjährigen Lieferanten nutzen. Heidrun Lukowsky ist auch vom weiteren Erfolg des Geschäfts überzeugt. Sie hat deshalb die Suche nach einer geeigneten Nachfolgerin intensiviert und nutzt dafür auch ein besonderes Angebot der IHK Frankfurt (Oder). Auf dem Internetportal www.nexxt-change.org wird jetzt bundesweit nach einem Interessenten für das Mode-Eck in Strausberg gesucht.
Heidrun Lukowsky möchte ihrer Nachfolgerin helfen, sie richtig einarbeiten und sie mit ihrer Kundschaft vertraut machen. Auch für neue Ideen und Vorstellungen der künftigen Besitzerin ist sie dabei offen. „Nur ganz flippige Sachen laufen hier nicht, die sollten erst gar nicht eingeführt werden.“
H. Lukowsky. Foto: W. Döll
Wilko Döll

