15.11.2007
Blickpunkt: Sicherheit wird groß geschrieben

AKUS
Unternehmer und Polizei diskutierten auf der Sicherheitkonferenz über Wege der Zusammenarbeit.  Foto: LKA Brandenburg

Brandenburg ist sicherer Standort: Wirtschaft und Polizei diskutieren über Prävention und Zusammenarbeit.

Ein Unternehmen in Brandenburg erhielt Hinweise von Kunden, ein ehemaliger Mitarbeiter sei jetzt auch in der Branche tätig. Das Besondere dabei: Der Mitarbeiter war nach wie vor bei dem Unternehmen angestellt und nutze den Zugang zu internen Daten bereits über einen längeren Zeitraum, um nebenbei sein eigenes Unternehmen aufzubauen – mit Know-how aus dem Industrieunternehmen, in dem er angestellt war. Das Unternehmen ging dem Verdacht monatelang nach, durchsuchte den Rechner, sicherte die Beweise – und schaltete die Polizei ein.  

Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen in 15 Fällen

Der Fall – so in Brandenburg tatsächlich vorgekommen – ist gar nicht so selten. Seltener ist es, dass die Sache zur Anzeige gebracht wird und die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet werden. Das Landeskriminalamt (LKA), das in Brandenburg auch für die Aufklärung und Verfolgung von Wirtschaftskriminalität zuständig ist, berichtet von 15 Fällen des Verrats von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen im Jahr 2005.

Mitte November trafen sich Wirtschaft und Polizei (LKA) in Potsdam auf der länderübergreifenden Sicherheitskonferenz des Arbeitskreises für Unternehmenssicherheit Berlin-Brandenburg (AKUS), um die gegenseitigen Berührungsängste von Strafverfolgungsbehörden und Betrieben abzubauen und über Wege der Zusammenarbeit zu diskutieren.

Engere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Polizei

Vertreter von brandenburgischen Unternehmen plädierten in Potsdam für eine engere Zusammenarbeit: Jörg Waga, Leiter des Betriebsschutzes bei Bombardier Transportation in Hennigsdorf, und Thomas Hanf, Sicherheitsingenieur bei Rolls-Royce Deutschland in Ludwigsfelde, forderten ein stärkeres Zugehen auf staatliche Behörden. Es müsse Vertrauen aufgebaut werden. Das LKA, das eine solche Konferenz zum ersten Mal gemeinsam mit dem AKUS organisiert hatte, plädierte für mehr Offenheit und lobte, dass die Wirtschaft in Brandenburg zunehmend mehr Vertrauen in die Polizeibehörden habe. „Wir brauchen das geschädigte Unternehmen, um den Sachverhalt aufklären zu können“, so Mathias Hain, Leiter des LKA-Dezernats Wirtschaftskriminalität. Eine höhere Aufklärungsquote bedeute letztlich auch mehr Sicherheit und damit eine höhere Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Brandenburg.

2006 gab es 87 Korruptionsdelikte

6.572 Wirtschaftsstraftaten seien 2006 registriert worden, teilte LKA-Direktor Dieter Büddefeld mit. Zudem gab es 87 Korruptionsdelikte (2005: 91). In den 72 Fällen, die der gravierenderen Form der strukturellen Korruption zuzuordnen sind, wurden 155 Tatverdächtige bekannt, davon seien 66 "Amtsträger oder für den öffentlichen Dienst besonders Verpflichtete", führt der aktuelle LKA-Lagebericht zur Korruptionskriminalität aus, der der MAZ vorliegt. Unter den Amtsträgern, die die Hand aufhielten, waren 45 Mitarbeiter von Kommunalbehörden, sieben Polizeimitarbeiter, sechs Personen aus Bau- und vier aus Finanzbehörden, fünf kamen aus dem Bereich der Justiz und der Gefängnisse.

Das Ausmaß von Wirtschaftskriminalität und Korruption lässt sich bisher nur erahnen: Allein der materielle Schaden, der pro Jahr durch Produkt- und Markenpiraterie entsteht, betrage in Deutschland geschätzte 25 Milliarden Euro, betonte der Leiter des LKA-Wirtschaftsdezernats, Mathias Hain. 70.000 Arbeitsplätze sind dadurch potentiell bedroht, zahlreiche sicherlich auch in Brandenburg.

Standortfaktor Sicherheit

Etwas entspannter sehen die Experten aus Wirtschaft und Politik die Situation: Brandenburg ist ein sicherer Wirtschaftsstandort; die Polizei ist gut aufgestellt, um aufklärend und präventiv wirksam zu werden. Darüber sind sich Jürgen Storbeck vom Innenministerium und Dr. Knuth Thiel, Geschäftsführer AKUS, einig. Natürlich ist der Einzelfall für den Unternehmer ärgerlich, bedrohlich oder gar existenzgefährdend. Deshalb muss jeder Unternehmer schon im Vorfeld ein auf sein Unternehmen angepasstes Sicherheitskonzept entwickeln.

Der Einzelfall ist aber kein Indiz für die Sicherheit eines Standortes, so Thiel, der einige Ergebnisse des neuesten Kriminalitätsbarometers 2007 (Studie zur Belastung der Unternehmen aus Berlin und Brandenburg mit Kriminalität) vorstellte. Danach ist die Kriminalität, die die Wirtschaft beeinträchtigt, im Untersuchungszeitraum 2004 bis 2006 auf konstantem Niveau geblieben. Einen Anstieg, wie es unter anderem Kriminalstatistiken zeigen, konnte in dieser repräsentativen Studie nicht festgestellt werden.

Gestiegenes Anzeigeverhalten bei Unternehmern

Dass die Polizei in diesem Bereich trotzdem mehr zu tun hatte, liegt am erheblich gestiegenen Anzeigeverhalten der Berliner und Brandenburger Unternehmer um 18 Prozent. Dies ist ein erstaunlicher Wert, der letztlich auch für das gestiegene Vertrauen der Wirtschaft in die Strafverfolgungsinstanzen spricht, meinte Thiel. Das Dunkelfeld ist – trotz des veränderten Anzeigeverhaltens – bei bestimmten Delikten nach wie vor sehr hoch.


alt Thomas Schulz/Dr. Knuth Thiel

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