Es gibt viele innovative Unternehmen, aber nur wenige schaffen es, dass von ihnen berichtet wird.
Wer Aufklärung darüber sucht, wie Journalisten ticken, dem sei „Der schöne Schein der Wahrheit“ von Wolf von Lojewski empfohlen. Der erfahrene Praktiker (u.a. mehrjährig ARD-Korrespondent in Washington, Leiter und Moderator des „heute journals“) gibt sehr persönlichen Aufschluss darüber, was eigentlich Nachrichten sind. Wenn täglich zehntausend Meldungen aus dem Ticker sprudeln, muss ja irgendein Geheimnis dahinter stecken, denn die Macher in den Zeitungs- und Fernsehhäusern müssen sich ja entscheiden; und sie tun es „auf eine geheimnisvolle, nicht ganz erklärbare Weise“ ziemlich identisch. Der Beweis: Die Titelseiten der überregionale Tagesblätter ähneln sich inhaltlich, ohne dass sich die konkurrierenden Medien abgesprochen hätten. Also gibt es Kriterien für den Wert einer Meldung. Für den Geld-Wert.Die „gute Meldung“ hat es schwer
Jede Meldung will verkauft werden, heißt: ihren Kunden (Leser/Zuschauer) finden. Deshalb tut der Journalist das, was von ihm erwartet wird. Und deshalb hat es die „gute Meldung“, die so oft von politischer Seite gefordert wird („Ihr berichtet ja immer nur das Negative!“), auch so schwer. Von Lojewski schreibt: „Wären die Leser ... stets auf der Suche nach dem Guten, hätte unser Treiben doch keinen Sinn... Die Zeitungen würden Politikerreden in ganzer Länge drucken und brauchten keinen mehr, der darin kürzt und redigiert und dann in langen Kommentaren alles viel besser weiß. Die Fernsehsender würden ... von früh bis abends Gottesdienste, frohe Lieder und Bundestagsdebatten übertragen.“
Der schwierige Weg
Wie gut, dass es nicht so ist! Aber das hilft dem noch nicht weiter, der in die Zeitung will. Der einen wirklich schwierigen Weg vor sich hat, wie auch kürzlich eine dpa-Studie feststellte (aus: Spiegel 40/2006). Untersucht wurden sechs Landesbüros der Nachrichten-Agentur. Danach konnten 82 Prozent der eingehenden Meldungen als Pressemitteilungen bezeichnet werden, allerdings wurden nur 18 Prozent weiterverwertet. Das heißt: Alles andere fällt bereits hier durchs Sieb und landet im Papierkorb. Nur etwa ein Viertel der Meldungen hat die theoretische Chance, bis in die Redaktionsstuben vorzudringen. Was letztendlich veröffentlicht wird? Keinesfalls alles...
Behutsam Kontakte herstellen
Wie also in die Zeitung kommen? Das Magazin „medien und mittelstand“ (04/06) meint: „Gute Themen, Texte und Fotos sind eine notwendige, aber noch keine hinreichende Voraussetzung dafür, in der Presse erwähnt zu werden. Denn Redakteure werden mit E-Mails und Anrufen bombardiert – wie will man da wahrgenommen werden? Indem man behutsam Kontakte herstellt, Themen anbietet, die zum redaktionellen Konzept passen, und damit ein partnerschaftliches Verhältnis zur Presse aufbaut.“
Ein Preis kann helfen
Solch ein partnerschaftliches Verhältnis gibt es in Ostbrandenburg zwischen der „Märkischen Oderzeitung“ und der IHK beim Thema „Zukunftspreis“. Und siehe da: Auch gute Meldungen haben eine Chance! In umfangreichen Artikeln werden die zehn Preisträger, die von einer namhaft besetzten Jury ermittelt wurden, vorgestellt. Andere Unternehmen, die nicht zu den Gewinnern zählen, haben es bedeutend schwerer, von der Presse wahrgenommen zu werden. Denn wer hört schon hin, wenn einer ruft, wie toll er ist? Da vertraut man doch lieber auf das Urteil anderer!
Wer in die Zeitung will, sollte den geringen Aufwand nicht scheuen und sich um einen Preis bewerben. Der hilft im Erfolgsfall weiter.
Buchtipp
Wolf von Lojewski
„Der schöne Schein der Wahrheit“
Gustav Lübbe Verlag 2006
www.luebbe.de
Foto:
Zukunftspreis 2006: Unternehmer Dietmar Otremba und Tilo Utecht, Deutsche Bank, feiern die Gewinner.
Thilo Kunze

